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    Mit der Trilogie Der Geheime Zirkel entführte uns Libba Bray noch ins England des ausgehenden 19. Jahrhunderts, für die neue Reihe The Diviners dient nun New York in den Goldenen Zwanzigern als Schauplatz.

    New York, New York

    1926: Die siebzehnjährige Evangeline O’Neill, genannt Evie, hat die Gabe, durch Berührung von Gegenständen Informationen über Gedanken und Erlebnisse der Besitzer zu erhalten, wobei ihr Umfeld die ganze Sache eher für einen Partygag, das Ergebnis von Spioniererei oder bloßen Zufall hält. Nachdem Evie auf einer Feier das unrühmliche Verhalten des örtlichen Sunnyboys enthüllt, wird sie von ihren Eltern zum Onkel in New York geschickt bis Gras über die Sache gewachsen ist. Das kommt Evie eigentlich gerade recht, kann sie so doch ihrem langweiligen Heimatstädtchen entfliehen und endlich mal was erleben. Und zwar mehr als erwartet: Noch ahnt die Heldin nicht, dass sie in der Metropole bald an den Ermittlungen in einer Serie von Ritualmorden beteiligt sein wird.

    divinerscover

    (c) dtv Verlag
    Umfang: 704 Seiten
    seit 01.10.2014 erhältlich
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Unangepasst und unwiderstehlich

    Die Hauptfigur wirkt auf ihrer Suche nach Vergnügen und Aufmerksamkeit bisweilen etwas oberflächlich, gedankenlos und egoistisch, aber man kann ihr nicht lange böse sein – ihr rebellischer Lebenshunger, die teils überraschende Pfiffigkeit und vor allem auch ihre große Portion Schlagfertigkeit machen Evie einfach zu sympathisch. Die Gespräche und Kabbeleien zwischen den Darstellern sind eine große Stärke des Romans.
    Neben Evie stehen noch einige andere, ebenfalls liebenswerte und komplexe junge Leute im Mittelpunkt des Geschehens, so z.B. eine weltgewandte Tänzerin, ein Nachwuchsdichter mit kriminellen Verbindungen oder ein frecher Tunichtgut. Dazu kommen außerdem unter anderem Einblicke in die letzten Minuten der Mordopfer. Wer etwas gegen ständige Sprünge von einer zur anderen handelnden Person hat, wird mit diesem Buch deswegen wahrscheinlich kaum glücklich werden, mich persönlich stören diese Perspektivenwechsel aber nicht.

    Jede der Figuren hat mindestens ein großes Geheimnis, nicht zuletzt natürlich im Zusammenhang mit übersinnlichen Fähigkeiten. Auch rätselhafte Alpträume und die immer mehr verschwimmende Grenze zwischen unserer Welt und dem Reich der Toten gehören zu den Problemen der Charaktere. Für allerlei Überraschungen, Vertuschungsversuche und interessante Enthüllungen ist also gut gesorgt. Im Laufe der Geschichte entsteht eine zunehmend bedrohliche Stimmung und man muss das ein oder andere Mal ums Wohlergehen der Protagonisten bangen.
    Die Morde an sich werden nicht explizit geschildert, das ganze düstere Drumherum bietet aber durchaus einen gewissen Gruselfaktor.

    Obwohl manche Abschnitte ruhig etwas kürzer gefasst werden könnten und nur eher wenig zum Vorankommen der Story beitragen, wird auch dort durch die Atmosphäre, die Dialoge und kleine Wendungen die Lesemotivation aufrechterhalten.
    Am Ende dieses Bandes ist ein Meilenstein erreicht und damit das erste Abenteuer abgeschlossen, aber wie der Untertitel schon andeutet ist dies erst der Anfang (drei weitere Bücher sollen folgen). Vor allem der Epilog wirft einige neue Fragen auf, welche in Kombination mit den vorherigen offenen Handlungssträngen neugierig machen.

    Roaring Twenties

    Die Autorin zeichnet ein detailliertes und faszinierendes Bild der Epoche. Die Jugend begehrt gegen unliebsame Konventionen und die veralteten Meinungen der Elterngeneration auf, in spektakulären Tanzrevues wird die neue Freiheit gefeiert, in geheimen Bars gehen die Cocktails weg wie warme Semmeln, moderne Erfindungen wie das Auto oder Kinofilme sind bereits ein Teil des Lebens geworden und an der Wall Street boomt die Börse (noch…).
    Doch hinter der schillernden Fassade lauern auch zahlreiche Misstöne – Armut, Ungerechtigkeit, Rassismus, Korruption und die Folgen des Ersten Weltkriegs bestimmen den Alltag vieler Menschen.
    Lässt man die Mystery-Elemente außer Acht, kann Diviners so auch als historischer Roman glänzen und bietet eine gute Gelegenheit, in die Zeit zwischen den so oft durchgekauten Weltkriegen einzutauchen, die mir (und wahrscheinlich auch vielen anderen Lesern) fast fremder ist als so manches Fantasyszenario. Natürlich sind wir mit wichtigen Themen wie Prohibition und Jazzmusik durchaus vertraut, aber am Detailwissen hapert es wohl bei den meisten. Das Buch kann nun auch Anregung sein, sich mal genauer mit den 20ern zu beschäftigen oder zumindest ein paar Stichwörter zu googeln.

    Direkt bei dtv gibt es übrigens eine XXL-Leseprobe, die wesentlich aussagekräftiger ist als ihr Gegenstück bei Amazon: http://www.dtv-dasjungebuch.de/buecher/the_diviners_-_aller_anfang_ist_boese_76096.html

    Fazit

    The Diviners versetzt den Leser in ein spannendes Szenario, das historische Elemente mit übersinnlichen Ereignissen und einer Portion Grusel kombiniert. Neben dem gelungenen, fürs Fantasy-Genre recht ungewöhnlichen Hintergrund mit seinen lebendigen Schauplätzen haben es mir voll allem die humorvollen Dialoge und die komplexen Charaktere mit all ihren Geheimnissen angetan. Über ein paar kleine Längen in der Handlung konnte ich da gut hinwegsehen.

    Wertung


    Pro

    • interessanter historischer Hintergrund
    • sympathische Charaktere
    • spannende, geheimnisvolle Story
    • tolle Dialoge mit einer Portion Humor
    • sehr schicker Look

    Contra

    • zwischendurch kleine Durchhänger in der Handlung

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy, Horror
    von Christina Schmitt 10.Jan.2015 1.243 x gelesen