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    Der zweite Band der Diviners-Reihe lässt uns ins New York der Goldenen Zwanziger zurückkehren, wo hinter der schimmernden Fassade erneut übersinnliche Gefahren lauern. Nachdem mir schon der erste dicke Wälzer sehr gut gefallen hat (siehe Rezension hier), konnte ich mir natürlich auch den noch umfangreicheren Nachfolger nicht entgehen lassen.

    diviners2cover

    (c) dtv
    Umfang: 800 Seiten
    seit 18.12.2015 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Die Herzblatt-Seherin
    Mit ihrer Fähigkeit, Gegenständen die Geheimnisse ihrer Besitzer zu entlocken, hat die junge extrovertierte Evie O’Neill endlich die lang ersehnte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erobert. In einer zunehmend beliebten Radiosendung lässt sie ihrer Diviner-Gabe freien Lauf und inszeniert nebenbei eine werbewirksame, an unterhaltsamen Wortgefechen reiche Romanze mit dem Gauner Sam.
    Auch andere zentrale Charaktere aus Evies Großstadt-Clique werden in vielen der Kapitel begleitet, darunter nicht zuletzt Musiker Henry, der sich wachend und träumend auf die verzweifelte Suche nach seinem geliebten Louis begibt. Doch Träumer leben in dieser Zeit gefährlich – ausgehend von Chinatown macht sich eine rätselhafte Seuche breit, die immer mehr Opfer fordert. Ihre größten Wünsche werden den Menschen zum Verhängnis, kehren sich in grauenhafte Albträume um und lassen die Betroffenen in einen Schlaf fallen, aus dem es kein Erwachen gibt. Auch die siebzehnjährige Halb-Chinesin Ling, eine neue Hauptfigur des Buches, wird durch ihre Gabe des Traumwandelns in die Sache verwickelt.

    Erfindungen, Psychoanalyse und Rassismus
    Auch der zweite Band hat viel von einem historischen Roman und lässt die ganze Aufbruchstimmung der Epoche, aber auch deren dunkle Seiten wie den Hass gegen Einwanderer, Schwarze oder Homosexuelle lebendig werden. Die übernatürlichen Ereignisse geraten da manchmal etwas in den Hintergrund, was dem Lesevergnügen (zumindest für Leute, die auch was für Historisches übrig haben) aber kaum einen Abbruch tut. Die Atmosphäre ist gewohnt gelungen, man hat die Schauplätze wie prächtige Party-Szenen, Wolkenkratzer-Baustellen oder heruntergekommene Bahnhöfe durch auch stilistisch sehr gelungene Schilderungen sofort vor Augen.
    Und selbst einfache Nebencharaktere, die vielleicht schon zwei Minuten später das Zeitliche segnen, werden von der Autorin durch Hintergrundinformationen wie individuelle Familiengeschichten zu glaubhaften Persönlichkeiten modelliert.
    Wie schon beim ersten Buch wird ein entscheidender Teil der Geschichte, praktisch ein Fall (nämlich die Sache mit den tödlichen Träumen), abgeschlossen. Andere damals begonnene Handlungsfäden wie Thetas Vergangenheit oder das geheime Regierungsprojekt Buffalo und die Machenschaften seiner Schergen ziehen sich hingegen auch durch diesen Band, werden näher beleuchtet, spitzen sich weiter zu, bleiben aber offen und machen – nicht zuletzt durch einige neue Erkenntnisse ganz am Schluss – neugierig auf die Fortsetzung.
    Ein paar Wendungen sind für erfahrene Leser etwas vorhersehbar, es macht aber trotzdem Spaß, die Helden auf ihrem Weg bis zur letztendlichen Erkenntnis zu begleiten.

    Fazit

    Die schön geschriebene Mischung aus historischem Roman und übersinnlichen Ereignissen hat mich auch mit ihrem zweiten Band sehr gut unterhalten. Der atmosphärisch dichte historische Hintergrund, die sympathischen und komplexen Charaktere sowie die wendungsreiche Geschichte mit oft wechselnden Perspektiven lassen die vielen Seiten nur so durch die Finger gleiten, auch wenn ein paar Entwicklungen nur für die Romanfiguren wirklich überraschend kommen, während der Leser bereits vorher Schlimmes ahnt.

    Wertung


    Pro

    • interessantes, atmosphärisch dichtes Setting
    • abwechslungsreiche Story
    • sympathische, glaubwürdige Charaktere
    • sehr gelungener Schreibstil

    Contra

    • manche Wendungen sind etwas vorhersehbar
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    Kategorien: Bücher, Fantasy, Horror
    von Christina Schmitt 29.Dez.2015 613 x gelesen