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    Science-Fiction ist gerade nicht nur im Kino en Vogue. Auch große deutsche Verlage springen wieder vermehrt auf den Zug auf und bringen immer mehr Romane heraus. Oft geht es dabei um Aliens und Raumschlachten. Tracer spielt hingegen auf einer Raumstation, die nach der Zerstörung der Erde die letzte Zuflucht der überlebenden Menschen ist.

    tracer_cover

    (c) Heyne Verlag
    Umfang: 512 Seiten
    seit 09.05.2016 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Parcours-Flummis und Öko-Terroristen
    Außenerde ist eine riesige Raumstation, die im Orbit der von einem Krieg verheerten Erde kreist. Die letzten knapp 1 Mio Menschen leben auf der Station, die allmählich vor sich hin rostet und nur mühsam in Schuss gehalten werden kann. Immer wieder werden Expeditionen zur Erde gesandt, um dort Lebensraum zu finden – bislang vergeblich.
    Riley ist eine junge Frau, die die Erde schon gar nicht mehr kennt. Sie verdingt sich in Außenerde als sogenannter Tracer, das heißt sie erledigt rennend Botengänge und stellt dabei keine Fragen über ihre Fracht. Bei ihrem jüngsten Auftrag lauert ihr eine Gang auf. Zwar kann Riley entkommen, aber sie sieht dabei ihre Fracht – einen blutigen Augapfel. Durch diesen Zwischenfall gerät sie in einen Strudel von Ereignissen, die den Fortbestand der Station gefährden, denn einige Bewohner haben einen radikalen Plan geschmiedet, um das Ende der Menschheit herbeizuführen.

    Ich fand die Idee, einen Roman komplett auf einer Raumstation anzusiedeln, sehr spannend, liebte ich doch in den 90ern Serien wie Babylon 5 oder Deep Space Nine. Damit hat Tracer jedoch gar nichts zu tun – der Vergleich mit Jason Bourne, der im Klappentext angestellt wird, trifft es da eher. Denn Tracer ist in erster Linie ein Actionroman, in dem wir Riley bei ihrer atemlosen Hatz durch die Station begleiten. Diese Atemlosigkeit unterstützt der Autor, indem er zum einen in der Gegenwartsform erzählt und zum anderen überwiegend aus der Ich-Perspektive von Riley.

    Während der Autor (Tracer ist sein Debut) sich zu Beginn noch etwas Zeit lässt, um uns nach einem actionreichen Beginn etwas über die Station und die Lage der Dinge zu erzählen, reiht sich nach einer Weile Actionszene an Actionszene. Der Autor versteht sich dabei durchaus darauf, den Spannungsbogen straff zu halten und die Action anschaulich (wenn auch sprachlich eher schlicht) zu beschreiben, sowohl bei den Figuren als auch beim Plot beweist er allerdings kein gutes Händchen.

    Riley turnt ständig wie ein Flummi im Parcours-Stil durch die Station und lässt sich dabei auch von diversen Verletzungen nicht aufhalten. Ihr gegenüber steht ein sinisterer Bösewicht, der in seiner grenzdebilen Grausamkeit arg überzeichnet wirkt. Er will die Station nicht nur zerstören, nein, erstmal müssen noch alle leiden. Beide haben Helfer, wobei insbesondere die Motive derer auf Seiten des Antagonisten eher schwammig und die meisten Charaktere eher blass bleiben.

    Kann man darüber angesichts des Fokus auf Action vielleicht noch hinwegsehen, sind die ständigen Logikfehler in der Handlung allerdings ein echtes Ärgernis. Der Plan, den sich die Terroristen zurecht gelegt haben, ist schlichtweg bescheuert, zumal im Verlauf der Geschichte mehrfach andere Möglichkeiten genannt werden, wie sie wesentlich schneller ihr Ziel hätten erreichen können. Hier wurde die Logik komplett zugunsten der Dramatik geopfert, sodass das Geschehen wenig glaubwürdig ist. Immerhin, durch die Action bleibt es halbwegs spannend.

    Fazit

    Tracer liest sich wie ein zu lang geratener Actionfilm in Buchform, sprachlich simpel, mit stereotypen Charakteren und wenig Hirnschmalz in der Handlung. Stattdessen Action, Action, Action. Das ganze ist zwar halbwegs spannend, aber nur, wenn man nicht anfängt, über die Handlung und die Charaktere nachzudenken, denn dann kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Definitiv nichts für den anspruchsvollen SF-Fan.

    Wertung


    Pro

    • interessante Grundidee
    • gut geschilderte Actionszenen

    Contra

    • die sich aber zu oft wiederholen
    • Charaktere unglaubwürdig und blass
    • Terroristen handeln total unlogisch
    • Handlung recht dünn

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Kilian Kuhn 11.Jan.2017 1.102 x gelesen