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    Noch immer warten Fans von „Game of Thrones“ darauf, dass George R.R. Martin den nächsten Teil fertigstellt – drei Jahre sind seit „A Dance with Dragons“ schon wieder ins Land gegangen. Bis es soweit ist, versuchen die deutschen Verlage seine Fans mit älteren Werken zu ködern. So wird nun die Anthologie „Dreamsongs“ von Heyne als „Traumlieder“ veröffentlicht. Das Original ist ein 1300-Seiten Wälzer der schon vor einigen Jahren in Amerika erschien, Heyne macht daraus drei Teile, deren erster nun verfügbar ist.

    traumlieder_cover

    (c) Heyne Verlag
    Umfang: 540 Seiten
    seit 13.10.2014 im Handel
    Leseprobe / bestellen bei Amazon

    Die frühen Jahre
    Martin ist Jahrgang 1948, war also schon fast 50, als „A Game of Thrones“ 1996 in den USA erschien. Natürlich hat er auch zuvor schon viel veröffentlicht, Romane, Kurzgeschichten und Novellen, davon einige mit Preisen ausgezeichnet. Auch in anderen Genres war er unterwegs, vor allem der Science-Fiction sehr verbunden.
    Traumlieder I enthält 13 Geschichten aus seinem frühen Schaffen, aufgeteilt in drei Abschnitte, die Martin jeweils mit einer Einleitung versehen hat, in der er über seine damalige Lebenssituation, seine Vorbilder und sein Autorendasein erzählt.
    Nur Kinder fürchten sich im Dunkeln ist eine Comic-FanFiction, die Martin mit 17 Jahren schrieb. Darin kämpft Dr. Weird gegen einen Dämonenkönig. Man merkt dem Werk die jungen Jahre seines Autors an, Fans von Comic-Action werden aber ordentlich unterhalten.
    In Die Festung wird es historisch. Der damals 20jährige Martin fabuliert über die Ereignisse, die zur Kapitulation einer eigentlich als uneinnehmbar geltenden Festung vor Helsinki führten. Tod war sein Vermächtnis ist eher politisch und dreht sich um ein Attentat und seine Auswirkungen. Auch diese Werke wirken eher Martin-untypisch, haben allerdings schon eine feinere Charakterzeichnung als die Eröffnungsstory.

    Nach diesen drei Geschichten sind alle weiteren aus dem Bereich der Science-Fiction, manche ein Genremix mit anderer Phantastik, aber allesamt in der Zukunft angesiedelt. Das ist nur folgerichtig, war die SF doch Martins Hauptbetätigungsfeld in den 60er und 70er-Jahren, die dieser erste Band der Traumlieder abdeckt. Die Storys sind dabei der klassischen SF a la Asimov, Lem und Konsorten zuzuordnen, meist sehr ernst, philosophisch und auch mal schwermütig. Sicher ein Fest für SF-Fans, vor allem Abschied von Lya, Am Morgen fällt der Nebel und Der Weg von Kreuz und Drachen haben mich sehr beeindruckt. Hier ist dann auch schon das ganze Können des späteren Top-Autors zu erkennen.

    Wer mit Science-Fiction dieser Sorte nichts anfangen kann, wird mit diesem Band jedoch nicht glücklich und so sind die Verweise auf „Fantasy“, „Game of Thrones“ und „Tolkien“ auf Vorder- und Rückseite des Buches schon recht irreführend. Hinzu muss man kritisch anfügen, dass die meisten Geschichten schon in anderen Bänden erschienen sind, Martin-Fans werden daher nicht viel Neues entdecken und sollten sich das Inhaltsverzeichnis vorher genau ansehen und mit ihrer Sammlung abgleichen.

    Fazit

    Wer gute, klassische SF zu schätzen weiß, der findet hier eine Sammlung hochwertiger Novellen und Kurzgeschichten, garniert mit interessanten Einblicken in Martins frühes Autorenleben. Wer auf Fantasy-Stories oder gar Neues aus Westeros hofft, wird allerdings enttäuscht.

    Wertung


    Pro

    • einige sehr hochwertige, preisgekrönte SF-Geschichten
    • interessante Einblicke in Martins frühes Leben und Schaffen

    Contra

    • Fantasy-Verweise auf dem Cover irreführend
    • die meisten Geschichten wurden bereits in D veröffentlicht

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Science-Fiction
    von Kilian Kuhn 28.Okt.2014 1.387 x gelesen