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    Alternative Varianten einer Welt sind ein beliebtes Thema für Fantasy- oder Science-Fiction-Geschichten, das immer wieder interessante Ergebnisse liefert. Auch die gerade gestartete Trilogie aus der Feder von V. E. Schwab nutzt dieses Grundgerüst.

    Keine Pauschalreisen möglich
    Im Szenario des Buches gibt es vier Parallelwelten, denen aus unbekannten Gründen eine Stadt namens London gemeinsam ist, welche sich aber überall völlig anders präsentiert: Während eine Version ganz ohne Magie existiert (und am ehesten an unser irdisches Gegenstück erinnert), gehört Zauberei in einer anderen zum Alltag. Eine weitere Variante wird von einem sadistischen Zwillingspaar regiert. Und das „schwarze“ London fiel einst seiner Maßlosigkeit im Umgang mit der Magie zum Opfer. Früher waren die London durch Türen verbunden, die aus Sicherheitsgründen aber verschlossen wurden. Nur Blutmagier, die so genannten Antari, besitzen noch die Macht, zwischen den Welten zu reisen. Hautcharakter Kell ist einer der beiden letzten bekannten Antari und fungiert als eine Art Botschafter für die Herrscher. Abseits seiner offiziellen Pflichten nimmt der junge Mann gern mal Sachen von einer Welt in die andere mit – was nicht nur seinen besten Freund wütend macht, sondern nebenbei streng verboten ist. Eines Tages wird Kell die Schmuggelei zum Verhängnis und die dunkle Seite der Magie droht, sich vollends in seiner Heimat breit zu machen.
    Durch die ganze Misere macht Kell Bekanntschaft mit Hauptfigur Nummer zwei: Diebin Lila macht als Mann verkleidet das „nichtmagische“ London unsicher und hegt große Ambitionen. Berufswunsch: Piratenkapitän – nur hat sie weder Ahnung von der Seefahrt, noch ein Schiff, noch das nötige Startkapital. Aber von solchen Lappalien lässt sich Lila nicht aus dem Konzept bringen…

    vierfarbendermagie

    (c) Fischer TOR
    Umfang: 496 Seiten (Klappbroschur)
    seit 27.04.2017 im Handel
    Leseprobe / Bei Amazon bestellen

    Große Klappe und einiges dahinter
    Lila kann manche Leser vielleicht nerven, ich mochte ihre freche Art aber ganz gern. Ein gesundes (oder vielleicht manchmal auch nicht unbedingt gesundheitsförderndes) Selbstvertrauen, immer mindestens drei versteckte Messer (von denen kann man schließlich nie genug haben) und eine große Portion Respektlosigkeit (egal wem gegenüber) zeichnen die langfingrige Dame aus.
    Manchmal wirkt die Heldin arg gedankenlos und wagemutig, besitzt aber Witz und einen gewissen draufgängerischen Charme – sie würde sich bestimmt gut mit Käptn Jack Sparrow verstehen (und ihm wahrscheinlich direkt das Schiff klauen).
    Auch der eher ruhigere Part Kell kommt recht sympathisch rüber, unter anderem durch die tiefe Freundschaft mit seinem Ziehbruder. Die Darstellung der Magie im Buch hat ebenfalls einige interessante Facetten.
    Relativ blass und teils zu klischeehaft bleiben allerdings die meisten Nebencharaktere, da wird Potenzial verschenkt.

    Die Interaktionen zwischen Lila und Kell sorgen für spaßige Momente, auch wenn man stellenweise das Gefühl hat, dass die ganze Dramatik der Situation etwas zu sehr in den Hintergrund gedrängt wird und in dieser brenzligen Lage wertvolle Zeit für Plänkeleien draufgeht.
    Apropos Dramatik: Der Einstieg in die Handlung ist relativ gemächlich angelegt, später darf man sich aber auch über so manche Action-Szene freuen, die sich in einem dezent überzeichneten Abenteuerfilm gut machen würde.
    Manchmal bekommen es die in der Klemme steckenden Protagonisten vielleicht etwas zu leicht gemacht – da ist z.B. jemand mehr oder weniger tot und wird wundersamerweise doch noch gerettet. Hundertprozentig logisch ablaufende Handlungsfäden sind nicht unbedingt die Stärke dieser Geschichte. Angesichts des Unterhaltungswerts konnte ich persönlich damit aber gut leben.

    Die Sprache in den Dialogen wirkt stellenweise ein wenig moderner als es in einem recht mittelalterlich oder viktorianisch anmutenden Szenario vielleicht zu erwarten wäre. Das wird wahrscheinlich nicht den Geschmack jedes Lesers treffen, ich finde die Schreibe aber angenehm locker und wie bereits erwähnt unterhaltsam.

    Zwar handelt es sich hier um den Auftakt einer Trilogie, die Story ist jedoch besser abgeschlossen als bei den meisten solchen Reihen üblich. Die Abenteuer der Figuren sind aber eben doch noch nicht zu Ende erzählt. Eine Vorschau des nächsten Bandes (mit Lila in der Hauptrolle) ist enthalten und – dank einer für die freche Diebin typischen Eskapade – schon mal vielversprechend, zumal diesmal die Gegend der London-Versionen verlassen wird. Eine gute Gelegenheit, mehr von den Welten zu sehen, denn bisher werden die Regionen außerhalb der Stadt bzw. Städte nur ganz am Rande erwähnt.

    Fazit

    Vier Farben der Magie ist ein unterhaltsamer erster Ausflug in eine neue Fantasy-Welt – oder besser gesagt gleich in mehrere Parallelwelten. Die verschiedenen London-Versionen bringen Abwechslung ins Geschehen (auch wenn die Schauplätze manchmal ruhig detaillierter dargestellt werden könnten) und in Sachen Magie werden ebenfalls ein paar interessante Ideen präsentiert. Manchmal wirkt die Lösung für brenzlige Situationen etwas zu simpel, den sympathischen Hauptfiguren gönnt man das aber auch. Frechheit siegt...

    Wertung


    Pro

    • interessantes Szenario
    • sympathische Hauptfiguren, vor allem Lila
    • gute Ansätze bei der Magie
    • unterhaltsame Dialoge und flott zu lesender Stil

    Contra

    • teilweise zu simple Lösungen/kleine Logikschwächen
    • Nebencharaktere bleiben blass

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Christina Schmitt 7.Jun.2017 1.053 x gelesen