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    Lange sah es so aus, als sei „Wächter der Ewigkeit“ der letzte Roman gewesen, den Sergej Lukinaneko zur Moskauer Nachtwache und Anton Gorodezki geschrieben hätte. Doch sechs Jahre nach dem Erscheinen des vierten Bandes erhörte er die Fans und lieferte doch noch einen neuen Band. Ein Grund zur Freude?

    waechterdesmorgen

    (c) Heyne 2012
    450 Seiten
    Leseprobe / Bestellen bei Amazon

    Wirre Prophezeiungen
    Eigentlich ist es ein Routineeinsatz, der Anton Gorodezki, mittlerweile hoher lichter Magier in der Moskauer Nachtwache, zum Flughafen führt. Dort erkennt er in einem quengelnden Jungen, der Angst hat, dass sein Flugzeug abstürzt, einen Propheten. Um ihn vor dem Absturz zu bewahren, nimmt Anton Einfluss auf die Mutter des Jungen und schickt sie nach Hause. Doch die Maschine stürzt gar nicht ab. Stattdessen taucht ein mächtiges Wesen auf und macht Jagd auf den Jungen, so als wolle sie verhindern, dass dieser seine wichtigste Prophezeiung ausspricht.

    Wie in allen Bänden ist auch dieser in drei Geschichten eingeteilt, allerdings sind es letztlich nur Episoden einer großen Geschichte, denn es geht die ganze Zeit um Prophezeiungen. Neben der Standard-Besetzung wie Geser, Olga, Swetlana oder Sebulon tauchen auch einige Nebenfiguren aus den früheren Romanen wieder auf und verwickeln Anton einmal mehr in ein verzwicktes Spiel um unterschiedliche Interessen.

    Es ist auch nichts Neues, dass uns Lukianenko kein atemloses Abenteuer bietet, sondern immer wieder launige Dialoge einstreut oder seine Figuren über Gott und die Welt, vor allem aber das Menschsein und ihr Vaterland Russland philosophieren lässt. Allerdings scheint er bei diesem Band die Handlung zuweilen beinahe als Nebensache zu betrachten. Vor allem die mittlere der drei Geschichten hat so gut wie gar keine Story, es wird nur geredet, erklärt, philosophiert und gestritten, was für den einen oder anderen Leser dann doch etwas ermüdend wirken könnte, auch wenn Lukianenko viele kluge Gedanken in seine Romane einstreut. Hinzu kommt, dass die Sache mit den Prophezeiungen und dem seltsamen Wesen, dem sogenannten Tiger, recht verwirrend erklärt wird, weil unterschiedliche Figuren unterschiedliche Deutungsansätze für sein Erscheinen liefern und der Leser somit ähnlich verwirrt wird, wie Anton.

    Glücklicherweise kriegt Lukianenko zum Ende hin aber doch nochmal die Kurve und liefert ein spannendes Finale.

    Fazit

    Ob man diesen Roman liebt oder eher langweilig findet, liegt allein daran, was man an Lukianenko besonders schätzt. Wer vor allem seine philosophischen Dialoge mag und die Handlung eher als nette Dreingabe sieht, wird hier einmal mehr glücklich. Wer aber eher die spannenden Duelle zwischen Nacht- und Tagwache mochte, zu deren Spielball Anton mehr als einmal wurde, wird diesmal eher enttäuscht, da die Handlung doch zum Teil sehr müde dahinplätschert. Objektiv betrachtet bleiben sympathische Figuren, kluge Gedanken und Lukianenkos typischer, lakonischer Stil auf der Habenseite und können die Schwächen der wirren und langatmigen Handlung etwas mehr als ausgleichen.

    Wertung


    Pro

    • gewohnte Lukianenko-Lakonie
    • kluge Gedanken
    • bekannte, sympathische Figuren
    • einige nette Nebenepisoden

    Contra

    • wirre Hauptgeschichte
    • Philosophiererei nimmt etwas Überhand

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy
    von Kilian Kuhn 15.Sep.2013 1.338 x gelesen