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    Gut neun Jahre ist es nun schon her, seit Atalante Band 3 seinerzeit bei Carlsen Comics erschien. Dies ist nicht zuletzt der knapp siebenjährigen Auszeit von der amazonenhaften griechischen Sagengestalt geschuldet, die sich der belgische Autor und Zeichner Crisse nahm, aber auch dem Hintergrund, dass sich die Ausrichtung von Carlsen in der Zwischenzeit wohl ein wenig verändert hat. Seit der Fortsetzung im Original sind mittlerweile so auch noch mal vier Jahre ins Land gegangen, bevor der Splitter Verlag die Serie neu auflegte und nun fortsetzt. Im Mai erschien bereits die Neuauflage von Band 1: Der Pakt, vermutlich zum anfixen, während jetzt gerade im Juli erst mal der aktuelle Band als deutsche Erstauflage an dem Start ging. Band 5 ist für den Oktober terminiert. Die fehlenden Neuauflagen dazwischen sind hingegen für dieses Jahr noch nicht angekündigt.

    Splitter Verlag, Juli 2013
    64 Seiten
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    Geflügelte Sagengestalten
    Hier zunächst mal ein kurzer Abriss worum es in der Reihe eigentlich geht: Die vom Vater verstoßene und unter Tieren aufgewachsene Jägerin Atalante ist die einzige Frau unter den Argonauten, jener Liga der griechischen Sagenhelden, die unter Führung von Jason aufbrach, um das Goldene Vlies zu rauben und unterwegs viele gefährliche Abenteurer bestehen musste. Didier Crisse erzählt eben jene Fahrt der Argo recht frei nach den gängigen Überlieferungen, mit Fokus auf besagter Heldin.

    Wie der Untertitel schon vermuten lässt, beschäftigt sich der aktuelle Band mit den Boreadenbrüdern Kalais und Zetes, bzw. speziell mit der Episode der Argonauten, wo die beiden König Phineus in Salmydessos von den Harpyien befreien wollen. Ihr Flug überdauert allerdings gerade mal die ersten acht Seiten, danach werden die überheblichen geflügelten Jungspunde von ihren Gegnerinnen gefangengenommen und in ihren Wolkentempel entführt. Der wesentliche Teil des Comics dreht sich dann um Atalante, die es zusammen mit Herakles, dem Satyr Pyros und einem sprechenden Ziegenbock namens Kalamitos auf die Insel Miramax verschlägt, auf der die fliegenden Pferde nisten. Diese scheinen der einzige Weg für die Argonauten zu sein, um ihren gefangenen Weggefährten zu Hilfe eilen zu können.

    Um der scheuen Tieren habhaft zu werden, gilt es allerdings allerhand Hürden zu überwinden, die sich konkret in Form des Greif Galene, der Gorgonen, der Chimäre, sowie des geflügelten Stier Andros samt Gefolge darstellen. Alles in allem also jede Menge Flügel, die Atalante letztlich auf ihrer Habenseite im Kampf gegen die Harpyien verbuchen kann.
    Wie schon in den vorherigen Bänden wird das Ganze mit einer guten Prise Humor aufgelockert, die im wesentlichen von den skurrilen Nebencharakteren ausgeht. Des weiteren bleibt Crisse seiner Linie treu und rückt selbst die klassischen Bösewichte in ein etwas differenzierteres Licht. Deutlich weniger geworden sind allerdings die sexuellen Komponenten, basierend auf Atalantes Jungfräulichkeit, ihrer Unnahbarkeit und dem Fakt, dass sie mit einem der größten Testosteronhaufen der griechischen Sagenwelt unterwegs ist.
    Während die drei ersten Bände jeweils eine in sich abgeschlossene Episode erzählten, endet Nummer vier mit einem fiesen Cliffhanger.

    Gefällige Aufmachung
    Crisse ist ja bekannt für leicht bekleidete Protagonistinnen und generell recht ästhetische Darstellung von weiblichen Charakteren. Auch wenn Atalante, die in ihrem Lederoutfit einer Xenafolge entsprungen sein könnte, genau ins Schema passt und jede Menge Bein zeigt, sowie die wenigen restlichen weiblichen Charaktere ebenfalls nicht mit ihren Reizen geizen, hält sich der Erotikfaktor doch in Grenzen. Die Figuren sind alle in franko-belgischem Funnystle gehalten, der mit sehr lockerem Strich umgesetzt ist und fast schon ein wenig Richtung Disney Design geht. Genau da mögen sich für Puristen, die nur Comics im geklonten Stil von Tim und Struppi oder Asterix und Konsorten als franko-belgisch ansehen, sicherlich die Geister scheiden. Mir persönlich gefällt es abseits dieses Einheitsbreis hingegen deutlich besser.
    Ähnliches gilt für die computergenerierten, semi-realistischen Farben von Fred Besson, der sich auch schon für den dritten Band verantwortlich zeichnete. Auch hier lässt sich sicherlich streiten, ob das zu amerikanisch ist und digitale Farben künstlerisch weniger aussagekräftig sind, als handgemalte Techniken. Ich kann nur sagen, dass es gut zu Crisses Stil passt, den Rest muss jeder für sich selbst entscheiden. Besson verrennt sich meines Erachtens allerdings teilweise in Detailtexturen, die zwar nicht weh tun aber irgendwie überflüssig erscheinen, weil sie im Druck gar nicht richtig raus kommen.

    Ansonsten ist das Comic sehr schön aufgemacht. Im Anhang gibt es eine, mit 16 Seiten recht üppige Sketch Galerie. Während Carlsen die Alben broschiert veröffentlichte, bringt Splitter das Ganze nun als Hardcover, auf etwas gröberem Papier raus, wodurch das Ganze bei gleichem Inhalt deutlich wuchtiger wirkt.

    Fazit

    "Was lange währt, wird endlich gut", würde ich an dieser Stelle gerne schreiben, aber so richtig stimmen würde das wohl doch nicht. Ja, es ist die lang erwartete Forsetzung einer vielversprechenden Geschichte, aber es ist auch nicht die furiose neue Episode, die sich der eine oder andere sicherlich davon erhofft hat. Während die vorherigen Bände in sich abgeschlossen waren, findet hier im Grunde nur Vorgeplänkel für den kommenden Band Kalais und Zetes statt, was sich vor allem in der Einführung neuer Charaktere niederschlägt, aber sich in Sachen Abenteueraction eher mau verhält. Ansonsten gilt halt: Wo Crisse drauf steht, ist auch Crisse drin, was sich natürlich auf seinen unverkennbaren Zeichenstil und seine Art bezieht, die griechischen Sagen und Sagengestalten mit einem Augenzwinkern zu interpretieren.

    Wertung


    Pro

    • Protagonistin mit ordentlich Sex-Appeal
    • jede Menge interessant interpretierte Sagenfiguren
    • gefällige Aufmachung

    Contra

    • wenig Action
    • nicht abgeschlossene Episode
    • stellenweise gezwungen albern

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Fantasy
    von André Pannenbecker 5.Aug.2013 2.012 x gelesen