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    In Kürze darf wieder über den Deutschen Phantastik Preis entschieden werden, der dann am 17. Oktober auf dem BuCon in Dreieich verliehen wird. Auch über die Nominierungen entschied wieder das Publikum – ein Umstand den Kleinverleger und Selfpublisher nutzen. Da wird über soziale Netzwerke getrommelt, um eigene Fans zu Nominierungen anzuhalten, egal ob sie das entsprechende Buch gelesen haben oder nicht.

    Die Folgen lassen sich an der Nominierungsliste im Bereich der deutschsprachigen Romane ablesen:

    Bester deutschsprachiger Roman:
    Ann-Kathrin Karschnick: Phoenix – Erbe des Feuers (Papierverzierer)
    Stephanie Linnhe: Herz aus Grün und Silber (Forever)
    Henning Mützlitz & Christian Kopp: Wächter der letzten Pforte (Papierverzierer)
    Bernd Perplies: Imperium der Drachen – Das Blut des Schwarzen Löwen (INK)
    M. H. Steinmetz: Totes Land 1 – Ausnahmezustand (Mantikore)

    Bestes deutschsprachiges Romandebüt:
    Alex Jahnke: Neues aus Neuschwabenland (Edition Roter Drache)
    Anette Kannenberg: Das Mondmalheur (CreateSpace)
    Veronika Lackerbauer: Burgfried (Ohneohren)
    Silke M. Meyer: Lux & Umbra 1 – Der Pfad der schwarzen Perle (SadWolf)
    Susanne O’Connell: Die Prophezeiung der Volturne (O’Connell Press)

    Genau EINS der 10 nominierten Bücher stammt aus einem Publikumsverlag (INK), der Rest von Klein-, Kleinst- und Selbstverlegern. Dementsprechend dürften viele Titel dem normalen Fantasy-Leser auch nicht viel sagen (was die Abstimmung schwer macht, ich habe z.B. kein einziges der 10 nominierten Bücher gelesen). Nimmt man die Anzahl Bewertungen bei Amazon, sieht man auch, dass einige der nominierten Bücher auf gerade mal 8 Bewertungen kommen. Zum Vergleich: Der Triumph der Zwerge von Markus Heitz kommt auf 127. Wo sind z.B. David Falk mit „Der letzte König“ oder Akram El-Bahay mit „Flammenwüste“, um mal zwei hochgelobte Beispiele deutscher Romane aus dem letzten Jahr zu nennen?

    Wir reden hier doch von einem Publikumspreis, und das breite Publikum kennt nun mal vor allem die Großverlagsbücher – sollte man zumindest meinen. Ich denke es verzerrt einfach die Wirklichkeit, wenn hier vermittelt wird, dass deutsche Großverlage im Bereich deutsche Autoren fast nix zu bieten hätten. Was ist mit Bernhard Hennen, Richard Schwarz und vielen anderen namhaften Autoren? Schreiben die nur Schrott der sich trotzdem gut verkauft? Haben die keine Fans? Man könnte es angesichts der Nominierungen schlussfolgern.

    Natürlich können die Kleinverlags-Bücher trotzdem gut sein, unbestritten, aber ich hab bei Facebook zig Posts gesehen, wo Verlage und Autoren um Nominierung baten. Da wird dann aus Sympathie oft auch was nominiert, was man gar nicht gelesen hat. Ist das der Sinn der Sache? Wird hier nicht nur noch belohnt, wer gut vernetzt ist? Was sagt der DPP dann noch über die Qualität/Beliebtheit des Buches aus? Und was ist der Preis dann letztlich überhaupt noch wert?

    Diese Frage sollten sich die Ausrichter vielleicht mal stellen. Denkbar wäre doch z.B., eine Mischung aus Jury- und Publikums-Nominierungen zu machen (die 3 Topplatzierten bei den Publikums-Nominierungen + 3 von der Jury ausgewählte). So wie es jetzt ist, wird der Preis jedenfalls als Buchpreis bald bedeutungslos. Wäre schade drum.

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    Kategorien: Bücher, Fantasy, Horror, Science-Fiction
    von Jörg Benne 18.Jun.2015 1.194 x gelesen