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    Kann man im Zombiegenre eigentlich noch was Neues machen? Regisseur Thierry Poiraud ist jedenfalls für neue Ideen gut, zeichnete er doch schon für die Fussball-Zombies von Goal of the Dead verantwortlich – die aber auch zeigten, das eine neue Idee noch lange keinen guten Film macht. Sein neuer Film „Alone“ hat wieder mit Zombies zu tun, geht aber in eine ganz andere Richtung. Diesmal in die richtige?

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    (c) Capelight Pictures
    Laufzeit: 78 Minuten
    ab 24.03.2017 im Handel
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    Die Erwachsenen sind böse
    Sechs Jugendliche sind, von ihren Eltern vernachlässigt oder traumatisiert, auf einer Insel in einem Heim untergebracht. Eines Morgens wachen sie auf und stellen fest, dass sie allein sind, alle Betreuer sind verschwunden. Zunächst genießen sie die ungewohnte Freiheit, dann beschließen sie in die Stadt zu gehen, um sich etwas zu essen zu besorgen.
    Dort machen sie eine grausame Entdeckung: Über die Insel ist der Ausnahmezustand verhängt worden, alle Erwachsenen scheinen durchgedreht zu sein und sich gegenseitig umgebracht zu haben. Die wenigen Überlebenden machen Jagd auf die sechs. Verzweifelt kämpfen die Kinder ums Überleben – doch da sie alle beinahe erwachsen sind, droht auch ihnen die Seuche.

    Der Trailer verkauft den Film als klassischen Horror-Thriller mit Zombies. Ok, hier sind die nicht untot, aber von der Wirkung kommt es auf’s gleiche raus: Die Welt liegt in Trümmern, Chaos und der nackte Überlebenskampf regieren. Nachdem wir die den typischen Jugendklischees entsprechenden Charaktere kurz kennengelernt haben, scheint der Film tatsächlich in diese Richtung zu gehen. Dachte ich zuerst, er sei als Jugendfilm inszeniert, überraschte er mich mit ein paar harten (allerdings nicht zu expliziten) Gewaltausbrüchen und der Weg für einen spannenden Horror-Thriller schien bereitet.

    Aber diesen Pfad verlässt der Regisseur dann nach einer Weile zugunsten seines Subplots. Denn der Film heißt nicht umsonst im Original „Don’t Grow Up“. Die ganze Apokalypse (deren Hintergründe nie geklärt werden) soll wohl eine Allegorie auf die Pubertät sein, in der sich Jugendliche von Erwachsenen unverstanden und oft angegriffen fühlen. Besonderen Wert wird auf die schmale Linie zwischen Jugend und Erwachsensein gelegt. Und so entwickelt sich der Film im weiteren eher zum Coming of Age Drama, in dem aber hin und wieder noch die Zombieanleihen aufblitzen, was nicht recht zusammenpassen will.

    Schade, denn an der Umsetzung wäre der Film nicht gescheitert. Die jungen, unbekannten Schauspieler machen ihre Sache ordentlich und der Regisseur hat einige schöne Einstellungen zu bieten, auch den Weltuntergang hat er durchaus ansprechend inszeniert. Doch die Spannungskurve fällt nach einem Höhepunkt zum Ende des ersten Drittels einfach zu stark ab und am Ende dümpelt der Film – trotz der kurzen Laufzeit – nur noch vor sich hin. Da passt das eher unbefriedigende Ende dann wie die Faust auf’s Auge.

    Fazit

    Zombie-Thriller trifft Coming of Age-Drama. Klingt innovativ und hätte auch durchaus was werden können, aber die Mischung passt hier einfach nicht. Zombie-Fans werden sich irgendwann nach der Halbzeit abwenden und selbst Freunde von ungewöhnlichen Coming of Age-Geschichten werden im letzten Drittel allmählich das Interesse verlieren.

    Wertung


    Pro

    • gute Inszenierung
    • interessante Mischung aus Zombiehorror und Coming of Age

    Contra

    • Drehbuch voller Klischees
    • die Genremischung gelingt nicht
    • zum Ende hin geht dem Film die Luft aus

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 20.Mrz.2017 770 x gelesen