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Was passiert, wenn ein anerkannter Arthouse-Regisseur einen Film dreht, der an einen Home Invasion-Thriller erinnert? „Funny Games“ rufen jetzt vielleicht einige. Eine neuere Antwort heißt „Borgman“, gewann zahlreiche Preise und war sogar für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert. Ein Horror-Geheimtipp?

borgman

(c) Ascot Elite/Pandastorm
Laufzeit: 113 Minuten
ab 17.02.2015 im Handel
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Vagabund mit Abgründen
Drei Männer, darunter ein Priester, stürmen bewaffnet in einen Wald. Borgman, ein harmlos aussehender Mann, der dort in einem Erdloch haust, ist ihr Ziel, doch er bemerkt sie rechtzeitig und entkommt, genauso wie seine beiden Freunde. Wenig später klopft Borgman an die Tür einer reichen Vorstadtfamilie. Er wolle sich nur baden, sagt er, lässt sich nicht abwimmeln und bringt den Herrn des Hauses schließlich derart in Rage, dass der ihn niederschlägt.
Vom schlechten Gewissen geplagt, bringt dessen Frau Marina den Vagabunden im Gartenhaus unter und versorgt ihn. Bald streicht Borgman durchs Haus, erzählt den Kindern Geschichten und flüstert Marina dunkle Träume ein. Was hat er vor?

Nur zu Beginn hat der Film etwas von einem klassischen Thriller, danach lässt der niederländische Regisseur und Autor Alex van Warmerdam es ruhiger angehen. Trotzdem gelingt es ihm rasch Atmosphäre aufzubauen, vor allem durch die verstörende Selbstverständlichkeit, mit der Borgman in die Familie eindringt. Die Rätselhaftigkeit seines Tuns ist es dann auch, die den Zuschauer bei der Stange hält, hofft er doch auf Erklärungen dafür, was Borgman und seine Kumpane sind und was sie mit ihrem Eindringen bezwecken.

Genau diese Erklärung verweigert der Film aber, wird stattdessen immer surrealer und verwirrender. Am Ende bleibt der Zuschauer mit einem Haufen offener Fragen zurück und hat eine Mischung aus Mystery, Horror, Arthouse-Thriller und schwarzem Humor gesehen, die vielleicht eine Parabel auf die westliche Gesellschaft sein soll, sich aber eventuell auch nur einen Spaß daraus macht, den Zuschauer mit immer neuen Andeutungen neugierig zu machen, um ihm am Ende umso heftiger zu frustrieren. Manch ein Rezensent lobt den Film für diese Andersartigkeit, aber sich über Konventionen hinwegzusetzen ist ja an sich noch keine Kunst.

Van Warmerdam versteht allerdings auch sein Handwerk, inszeniert den surrealen Trip mit versierter, ruhiger Hand und schafft Atmosphäre, obwohl er sowohl auf Musik als auch auf Schockeffekte weitgehend verzichtet. Dass das gelingt, hat er auch seinen Schauspielern zu verdanken, allen voran Jan Bijvoet, der es hervorragend vermag, dem so harmlos wirkenden Borgman eine diabolische Note zu verleihen.

Letztlich ein Film der polarisieren wird. Die einen werden ihn lieben, die anderen sich ärgern oder am Ende nur die Schultern zucken. Wer Filme wie Lynch’s „Lost Highway“ mag, bekommt hier ein ähnlich vielschichtiges Film-Rätsel zum Selber-Interpretieren. Wer hingegen die Erklärungen lieber vom Film selbst bekommt, wird hier nicht glücklich.

Fazit
Borgman hat Atmosphäre, verstört und ist toll inszeniert. Aber er ist auch fernab jeglicher Genrekonventionen, schert sich nicht um Erklärungen für den Zuschauer und wird deshalb viele frustriert zurücklassen. Daher eine deutliche Warnung an alle, die eine plausible Geschichte oder doch zumindest Erklärungsansätze erwarten.
Da die Güte des Films so stark vom eigenen Geschmack abhängt, verzichten wir in diesem Fall auf die sonst übliche Bewertung.

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Kategorien: Filme, Horror
von Jörg Benne 11.Feb.2015 2.210 x gelesen