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    Mit dem Roman „Boy 7“ gelang der Niederländerin Mirjam Mous 2009 (2011 in Deutschland) ein Hit zu den Anfängen des damals noch jungen Jugend-Dystopie-Thriller-Booms. Letztes Jahr wurde das Werk dann gleich 2x verfilmt. Einmal in den Niederlanden und einmal in Deutschland, wobei Regisseur Özgür Yildirim das Drehbuch nochmals umschrieb. Auch als Film ein Hit?

    boy7

    (c) Koch Media
    Laufzeit: 100 Minuten
    ab 25.02.2016 im Handel
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    Junge ohne Erinnerung
    Ein Junge wacht in ein einem U-Bahn-Tunnel auf und hat keine Ahnung, wer er ist und wie er dorthin gekommen ist. Einziger Hinweis ist die Visitenkarte eines Restaurants in der Nähe. Dort erinnert sich die Bedienung an ihn und der Junge findet ein Notizbuch in dem er sich offenbar selbst aufgeschrieben hat, was bisher geschehen ist. Gemeinsam mit Lara, die wie er zu sein scheint, versucht er hinter das Geheimnis ihrer Vergangenheit zu kommen, das etwas mit einer seltsamen Einrichtung zu tun hat, wo er als „Boy 7“ geführt wurde.

    Fans des Romans, die sich eine möglichst werkgetreue Umsetzung wünschen, werden schon bei dieser Zusammenfassung die Stirn runzeln und abgesehen von der Grundthematik ist hier wirklich einiges anders als im Buch. Das gilt auch für die Erzählstruktur. Wurde im Roman zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschickt gewechselt und so die Spannung weiter geschürt, wird im Film nach dem kurzen Start in der Gegenwart erst einmal fast komplett die Vergangenheit aufgearbeitet, nur unterbrochen von einem kurzen Intermezzo, ehe es erst ganz am Schluss wieder in die Gegenwart geht.

    Aber Änderungen zur Vorlage müssen ja per se nichts schlechtes sein und in der Tat beginnt der Film vielversprechend und auch filmisch interessant, wenn wir einen Teil der Flucht von Boy 7 aus der Ego-Perspektive erleben (siehe Bild oben). Doch leider verfliegt der gute Eindruck schnell wenn es in die Vergangenheit geht. Beim Versuch, die jugendlichen Hauptfiguren und ihre Beziehungen möglichst rasch anzubahnen, sind leider zum Teil arg hölzerne Dialoge rausgekommen, die ziemlich gekünstelt rüberkommen. Den Vogel schießt der geradezu lächerlich überzeichnete Bösewicht Isaak ab, der in dieser Form eher in eine Komödie oder einen Kinderfilm gepasst hätte und dessen Gehabe hier reichlich deplatziert wirkt. Insgesamt hat man manchmal den Eindruck, die Story sei eher für die Zielgrupe „ab 10“ gedacht gewesen, die in Sachen Logik und Charaktere nicht ganz so hohe Ansprüche stellt, dann aber changiert der Film doch wieder in den härteren Bereich und die „ab 12“-Freigabe ist dann auch gerechtfertigt. Dass die Geschichte zum Ende hin dann auch noch recht vorhersehbar und insgesamt unlogisch verläuft, ist ein weiterer Kritikpunkt.

    Immerhin, David Kross (bekannt aus Der Vorleser) und vor allem Emilia Schüle machen in den Hauptrollen eine ordentliche Figur und trotz der Ungereimtheiten weiß „Boy 7“ ein gewisses Spannungsniveau zu halten. Für erwachsene Zuschauer ist der Film (im Gegensatz zum Buch) jedoch nur sehr bedingt geeignet.

    Fazit

    Yildirims alles andere als werkgetreue Verfilmung vermag ein junges Publikum vielleicht zu unterhalten. Ältere Zuschauer werden die mitunter hölzernen Dialoge, der brutal überzeichnete Bösewicht und die insgesamt nicht allzu logische Handlung allerdings abschrecken. Insgesamt nur auf TV-Niveau.

    Wertung


    Pro

    • einige interessant inszenierte Actionszenen
    • gewisses Grundlevel an Spannung wird gehalten

    Contra

    • lächerlicher Bösewicht
    • einige hölzerne Dialoge
    • Stärken der Romanvorlage nur bedingt umgesetzt

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 23.Feb.2016 1.016 x gelesen