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    Jennifer Lynch ist schon seit 20 Jahren im Geschäft. Die Tochter von Regie-Legende David Lynch hat aber nach dem mehr als kontroversen „Boxing Helena“ (1993) lange pausiert und erst mit „Unter Kontrolle“ (2008) wieder einen Film vorgelegt. Nach einigen kleineren Produktionen liefert sie nun mit Chained wieder einen düsteren Schocker ab.

    Mordender Taxifahrer und kleiner Junge

    Sarah und ihr 9jähriger Sohn gehen ins Kino und rufen sich danach ein Taxi. Doch sie kommen nie mehr zuhause an, denn am Steuer sitzt Bob (Vincent D’Onofrio), ein kranker Frauenmörder. Er bringt die beiden in ein abgeschiedenes Haus, wo er Sarah (Julia Ormond) ermordet. Den Jungen verschont er jedoch, kettet ihn an und hält ihn sich als Sklaven, den er fortan Rabbit nennt. Wann immer Bob mit einer Frau nach Hause kommt, muss Rabbit nachher das Blut wegwischen und die Überreste verscharren, darf das Haus nie verlassen.
    So geht das über Jahre, bis Rabbit, den Bob mehr und mehr wie einen Sohn behandelt, schließlich erwachsen und – nach Bobs Meinung – alt genug ist, selbst auf die Jagd zu gehen.

    Finsterer Psycho-Schocker

    Lynch inszeniert den Film überwiegend als düsteres Kammerspiel, das die meiste Zeit in dem Verschlag am Rande von Bobs Haus spielt, in dem Rabbit lebt und Bob die Frauen ermordet. Statt auf explizite Brutalität setzt die Regisseurin eher auf psychische Gewalt. Man sieht kaum, was den Frauen angetan wird, statt dessen bleibt die Kamera beim verstörten Rabbit und man hört die Opfer verzweifelt schreien.
    Der Film lebt dabei nicht nur von der finsteren Atmosphäre, sondern vor allem von seinem überragenden Hauptdarsteller. D’Onofrio mimt den heruntergekommenen Taxifahrer erschreckend realistisch, von der Mimik bis zur Körpersprache. Obwohl er wie ein korpulenter Allerweltstyp daherkommt, strahlt er in seiner Unberechenbarkeit eine starke Bedrohung aus, wie ein Vulkan, bei dem man nicht weiß, ob er im nächsten Moment ausbrechen könnte.
    Eamon Farren als älterer Rabbit kommt gegen diese Leistung kaum an, überzeugt aber auch als verstörter Junge, der trotz all der Gewalt um sich herum verzweifelt versucht, seine Menschlichkeit zu bewahren.
    Nicht der Rede wert ist hingegen der Auftritt von Julia Ormond, die auf dem Cover zwar als 2. Hauptdarstellerin genannt wird, deren Rolle aber nach wenigen Minuten ihr gewaltsames Ende findet.

    Musste das sein?

    Bis zum Ende überzeugt der Film, packt den Zuschauer und lässt ihn auch ohne zu viel explizite Gewalt das Grauen nachfühlen, dass Rabbit tagtäglich miterleben muss. Es hätte ein wirklich fast perfekter, düsterer Shocker werden können, hätte Lynch (die auch das Drehbuch nach einer Vorlage neu verfasste) nicht offenbar den Zwang gehabt, zum Ende einen Twist einzubauen, der der Geschichte nicht gut tut. Er wirkt aufgesetzt und bringt die Story nicht weiter. Ein Kritikpunkt, dem Lynch in einem Interview sogar zustimmte, die Idee des Originalskripts und ein Zeitlimit für die Laufzeit des Films seien der Grund für den überhastet wirkenden Twist.

    Fazit

    Chained ist ein wahrlich finsterer Psycho-Thriller, der es mit minimalen Mitteln schafft, den Zuschauer zu verstören. Neben der Inszenierung ist dabei vor allem D'Onofrios herausragende Darstellung des kranken Frauenmörders zu würdigen. Statt des aufgesetzten Twists hätte ich mir lieber ein klareres Ende gewünscht, aber davon ab bot der Film das, was ich mir davon versprach: Einen düsteren Psycho-Schocker, der es auch mit wenig expliziter Gewalt schafft, den Zuschauer zu packen. Sehenswert!

    Wertung


    Pro

    • finstere, packende Handlung
    • überragender Vincent D'Onofrio
    • nacktes Grauen auch ohne Gewaltexzesse

    Contra

    • aufgesetzt wirkendes, unklares Ende

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 19.Apr.2013 1.488 x gelesen

    Chained
    Publisher Capelight
    Regie Jennifer Lynch
    Genre Thriller
    Länge90 Minuten
    Altersfreigabeab 18 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    Blu-Ray24.05.2013 Kaufen
    DVD24.05.2013 Kaufen