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Was macht man als Filmemacher, wenn man eine tolle Idee aber einfach kein Budget hat? Im Falle von Coherence schreibt man eine Story, die man mit dem Budget umgesetzt bekommt, dreht den Film im eigenen Wohnzimmer – und landet einen Festival-Erfolg.

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(c) Bildstörung
Regie: James Ward Byrkit
Laufzeit: 84 Minuten
ab 27.03.2015 im Handel
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Acht Freunde mal X
Vier befreundete Paare treffen sich zum Dinner. Es wird gelacht und geredet, auch der vorbeifliegende Komet ist Gesprächsthema. Plötzlich gehen die Lichter aus. Beim Blick auf die Straße stellen die Freunde fest, dass das ganze Viertel im Dunkel liegt, nur ein einzelnes Haus ist noch erleuchtet. Sie beschließen Kontakt aufzunehmen – und machen eine erschreckende Entdeckung: In dem anderen Haus sitzen sie selbst, quasi in Kopie. Verzweifelt versuchen die Freunde zu ergründen, was passiert ist und wie sie mit der Situation umgehen sollen …

Eigentlich müsste man sich das „Behind the Scenes“ (das leider nur bei der Special Edition mit auf der Disc ist) ansehen, bevor man den Film schaut. Wenn man nämlich weiß, dass der Film bewusst ohne Drehbuch entstand und eben nicht jede Szene schon vorab in Storyboards festgeschrieben war, wird einem einiges klar. Jeder der Schauspieler bekam nur einen Notizzettel mit kurzen Regieanweisungen, hatte aber keine Ahnung, was die anderen Schauspieler tun würden und wohin das ganze führen sollte. Vor allem zu Beginn kommt einem das Gesprächs-Durcheinander der noch normal verlaufenden Dinner-Party recht seltsam vor, ist man doch geschliffenere Dialoge gewöhnt. Und auch im weiteren Verlauf gibt es hier und da einige Szenen, die ohne das Background-Wissen dezent chaotisch wirken.

Aber der Plan geht trotzdem auf. Gerade weil die kaum bekannten Schauspieler (u.a. Nicholas Brendon, Xander aus Buffy) wohl oft selbst vom Geschehen überrascht wurden, wirkt ihr Spiel sehr authentisch. Besonders die Dynamik innerhalb der Gruppe ist sehr überzeugend. Außerdem kann man sich sehr gut in die Situation einfühlen: Wie würde man wohl selbst reagieren, wenn man plötzlich einer Kopie von sich selbst gegenüberstünde?

In die Lobeshymnen, die Coherence gar zu einem der besten SF-Filme der letzten Jahre machen wollen, will ich dann aber doch nicht einstimmen. Die Idee ist gut, die Umsetzung gelungen und was der Film aus seinem Winz-Budget macht ist ohne Zweifel bemerkenswert. Aber hier und da merkt man eben doch, dass es an Geld fehlte, gerade was die Kameraarbeit angeht. Die Handkamera ist nicht nur oft verwackelt, sondern zeigt nicht selten unpassende Ausschnitte und unscharfe Bilder. Das stört zuweilen erheblich, zumal wir hier keinen Actionfilm haben, wo Bildwackler die Dynamik der Handlung transportieren würden.

Fazit

Coherence ist ein durchaus spannender, interessant gemachter Lowest Budget SF-Film, der ein wenig an Improvisations-Theater erinnert. Für die arg verwackelte Kameraarbeit gibt es allerdings Abzüge in der B-Note und die dialoglastige Inszenierung wird nicht jedermanns Geschmack treffen.

Wertung


Pro

  • interessante Geschichte
  • glaubwürdig improvisierende Schauspieler

Contra

  • oft zu verwackelte Handkamera
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Kategorien: Filme, Science-Fiction
von Jörg Benne 20.Mrz.2015 2.582 x gelesen