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    Der spanische Regisseur Nacho Vigalondo hat bislang vor allem Kurzfilme gedreht, machte sich mit dem ungewöhnlichen Zeitschleifen-Thriller Time Crimes aber schon mal einen Namen. Ungewöhnlichkeit ist auch bei seinem neuen Film Trumpf, diesmal aber nicht Low Budget, sondern mit großen Namen aus Hollywood im Cast.

    (c) Universum Film
    Laufzeit: 109 Minuten
    ab 01.12.2017 im Handel
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    Das Mädchen und das Monster
    Das Leben der New Yorkerin Gloria ist aus den Fugen geraten, nachdem sie vor einem Jahr ihren Job verloren hat. Seither feiert sie immer wieder die Nacht durch, trinkt zu viel und kommt erst am nächsten Morgen verkatert nach Hause. Irgendwann platzt ihrem Freund Tim der Kragen und er setzt sie vor die Tür. Gloria kehrt in ihre Heimat New Hampshire in das leerstehende Haus ihrer Eltern zurück und versucht ihr Leben in den Griff zu kriegen. Dort trifft sie ihren Jugendfreund Oscar, der ihr einen Job in seiner Bar gibt, wo sie sich weiter dem Alkohol hingibt.
    Als in Seoul unvermittelt ein Monster auftaucht und die Stadt verwüstet, ist Gloria zunächst nur genauso schockiert wie die gesamte Weltöffentlichkeit. Doch dann fällt ihr auf, dass das Wesen immer wieder einige seltsame Gesten zeigt, die sie sich auch angewöhnt hat. Als sie es auf einen Versuch ankommen lässt, hat sie Gewissheit: Das Monster und sie sind miteinander verbunden.

    Die Idee des Films klingt witzig und so beginnt er dann auch in erster Linie als Komödie. Anne Hathaway ist die Idealbesetzung für die verpeilte aber sympathische Hauptfigur und spielt sie gut aufgelegt. Die Chemie mit Jason Sudeikis („Wir sind die Millers“) passt und so gibt es in der ersten halben Stunde einiges zu lachen. Aber wer meint, der Film sei „nur“ eine Parodie auf Godzilla, Pacific Rim & Co, der wird überrascht. Denn im weiteren Verlauf bekommt der Film auch ernstere Töne und wird sogar spannend, während die Monster-Action immer nur Beiwerk bleibt und die Kleinstadt-Tragikomödie im Vordergrund steht. Dabei werden diverse Themen angeschnitten, Mid-Life-Crisis, Drogenprobleme, Verantwortung für das eigene Leben usw, ohne dass dabei der moralische Zeigefinger herausgeholt würde.

    Das Ergebnis ist unterhaltsam, überraschend und – wie eingangs erwähnt – vor allem ungewöhnlich. Wie der Regisseur es in den Extras passend ausdrückt: Der Film stellt das Gewohnte Seherlebnis, gerade was solche Monsterfilme angeht, auf den Kopf: Während in Blockbustern die Schauwerte im Vordergrund stehen und vielleicht im Hintergrund ein kleines Drama abläuft, ist es hier genau umgekehrt. So richtig ernst nimmt der Film sich dabei nie, sodass man über kleinere Unstimmigkeiten getrost hinwegsehen kann und schlussendlich zwar nicht ganz so viel zu lachen hat wie zu Beginn, aber dennoch gut unterhalten wird.

    Fazit

    Colossal ist nicht etwa eine Paraodie auf Gozilla & Co, sondern eine interessant gestrickte Tragi-Komödie mit doppeltem Boden. Wer mal was sehen will, was nicht dem Hollywood-Mainstream entspricht, aber trotzdem auf Hollywood-Niveau produziert ist, sollte dem Film unbedingt eine Chance geben.

    Wertung


    Pro

    • witzige Idee
    • gut aufgelegte Darsteller
    • vielschichtig, überraschend und unterhaltsam

    Contra

    • ein paar kleine Unstimmigkeiten

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 25.Nov.2017 694 x gelesen