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    „Groteskes, deutsches Genrekino“, so wird Der Bunker, das Spielfilm-Debüt von Nikias Chryssos beworben, der auf dem Fantasy-Filmfest lief. Wirklich was für Genrefans, oder doch nur für die Arthouse-Fraktion geeignet?

    derbunker

    (c) Bildstörung
    Laufzeit: 85 Minuten
    ab 22.07.2016 im Handel
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    Absurdistan im Bunker
    Der namenlose Student will sich in Ruhe seiner Arbeit widmen und hat sich deshalb bei einer Familie eingemietet, die in einem Bunker mitten im Wald haust. Das Zimmer ist nicht ganz das, was er sich vorgestellt hat, als noch seltsamer erweisen sich allerdings seine drei Mitbewohner. Der Vater ist ein spießiger Geizkragen, der sich für einen Intellektuellen hält, die Mutter spricht mit einer Wunde in ihrem Bein, die ein Alien namens Heinrich sein soll und der Sohn Klaus, der acht sein soll, sieht aus wie dreißig, saugt noch an der Mutterbrust und soll – obwohl geistig zurückgeblieben – nach dem Willen der Eltern Präsident werden. Um dieses Ziel zu erreichen, soll der Student seine Miete in Form von Nachhilfestunden für Klaus abarbeiten.

    Es ist wirklich grotesk, was uns Chryssos hier anbietet, eine Mischung aus David Lynch und Helge Schneider, wie eine Kollegin es in ihrer Kurzrezension treffend formulierte. Worum es in dem Film genau geht, ist schwer zu beschreiben. Erziehung scheint ein Thema zu sein, Wünsche die Eltern auf ihre Kinder projizieren, damit diese die Karriere machen, die sich ihre Erzeuger stets gewünscht haben oder auch das Bildungswesen, dass uns sinnloses Wissen einzubläuen versucht. Was das angeht, hat der Film durchaus satirische Momente, echte Lacher blieben bei mir allerdings selten.

    Das mag an der eigentümlich bedrohlichen Atmosphäre liegen, die nicht nur von Beinwunde Heinrich sondern von der Mutter insgesamt ausgeht. Man hat ständig das Gefühl, dass es bei der Frau ständig unter der Oberfläche brodelt – Oona von Maydell liefert wirklich eine beeindruckende Performance. Wenngleich der Film uns am Ende ähnlich ratlos zurücklässt wie Lynch bei einigen seiner Werke, ist er filmisch allerdings nur selten auf der Höhe des Meisters. Horrorelemente sind auch eher rat gesät, sodass Genrefans insgesamt wenig geboten wird.

    Erwähnenswert ist die üppige Ausstattung: Sowohl als DVD als auch auf Blu-Ray kommt der Film als 2-Disc-Edition. Auf Disc 2 finden sich neben einem 1stündigen Making-Of, Deleted Scens und Outtakes auch noch zwei Kurzfilme des Regisseurs.

    Fazit
    Der Bunker ist sicher kein Film für Jedermann. Wer sich auf die Melange aus Satire und gruseliger Amosphäre einlassen kann, bekommt zweifellos einen außergewöhnlichen Film geboten. All jene, die es nicht schätzen, sich am Ende eines Films zu fragen, was das ganze nun sollte, werden hier jedoch nur sehr bedingt glücklich und Genrefans wähnen sich wohl rasch im falschen Film.
    Eine Wertung nehmen wir aufgrund dieser polarisierenden Wirkung nicht vor.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 19.Jul.2016 1.424 x gelesen