• Werbung

  •  
    Anmelden

    Nachdem das Animationsstudio Ghibli sich auf unbestimmte Zeit aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und Anime Meister Hayao Miyazaki sich zur Ruhe gesetzt hat, müssen andere Studios und Regisseure die Lücke füllen. Gelingt Mamoru Hosada mit „Der Junge und das Biest“ der erste Schritt?

    jungebiest

    (c) Universum Film
    Laufzeit: 119 Minuten
    ab 29.07.2016 im Handel
    Bei Amazon bestellen

    Allein unter Tiermonstern
    Nach dem Tod seiner alleinerziehenden Mutter soll der 9jährige Kyuta bei Verwandten aufwachsen. Er nimmt reißaus und findet in einer Gasse von Tokio den Übergang in eine geheime Welt. Hier leben Tiermonster friedlich zusammen. Der Großmeister, der die Gegend regiert, will sein Amt aufgeben und sucht einen Nachfolger. Favorit ist Iozen, doch dessen Herausforderer Kumatetsu bewirbt sich auch, hat aber keinerlei Anhänger und nicht einen Schüler. Da kommt ihm der rotzfreche, heimatlose Kyuta gerade recht. Er nimmt den schwächlichen Jungen bei sich auf – und beide lernen voneinander.

    Die Geschichte von „Der Junge und das Biest“ erfindet das Rad nicht neu. Die verborgene Welt, Tierwesen, ein Kind das zwischen den Welten hin- und hergerissen ist, die Kernbotschaft an sich selbst zu glauben, all das hat man schon in Animes und anderswo zu Genüge gesehen. Dazu wirkt die Welt im ersten Teil wie ein potemkinsches Dorf, abgesehen von dem anstehenden Duell zwischen Iozen und Kumatetsu erfährt man so gut wie nichts darüber und sie bleibt insgesamt recht blass. Der Film punktet vor allem mit den wilden Wortgefechten der beiden Hauptfiguren, deren Streitgespräche zwar manchmal etwas hölzern wirken, aber doch für den einen oder anderen Lacher (vor allem beim jüngeren Publikum) gut sind. In diesem Teil der Geschichte wundert man sich auch, warum der Film überhaupt „ab 12“ freigegeben ist, wirkt er nach ernstem Auftakt doch eher dezent albern.

    Das ändert sich relativ abrupt in der Mitte der Geschichte. Nach einem großen Zeitsprung entwickelt sich die Geschichte plötzlich in eine andere Richtung, neue innere Konflikte spielen eine Rolle. Der Ton wird deutlich düsterer, die Bilder passend dazu auch. Vor allem im Finale fährt Hosoda („Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“) fantasievolle Geschütze auf und vermag so optisch zu fesseln – wie man überhaupt sagen muss, dass der Anime zeichnerisch klar zu den besseren Filmen gehört, auch wenn er an Ghibli-Meisterwerke nicht heranreichen kann.
    Inhaltlich bleibt allerdings vieles Stückwerk, in Sachen Pathos wird etwas zu dick aufgetragen und nach Logik fragt man besser nicht.

    Fazit

    Wer sich mit der recht krude zusammengeschusterten Geschichte anfreundet, bekommt vor allem in der zweiten Hälfte ein durchaus spannendes Anime-Werk zu sehen, das optisch zu überzeugen weiß. Um den Platz der Ghiblis einzunehmen, fehlt es optisch und vor allem inhaltlich zwar hier und da, aber insgesamt ein sehenswerter Anime, vor allem für das jüngere Publikum.

    Wertung


    Pro

    • qualitativ hochwertig gezeichnet
    • fantasievolles Finale

    Contra

    • Geschichte wirkt teilweise wie Stückwerk
    • zu abrupter Bruch in der Filmmitte

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

    Klicke für mehr zum Thema ,

    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 26.Jul.2016 924 x gelesen