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    Schon die Romanvorlage zu „Der Marsianer“ wurde hochgelobt, der Film sammelte einige Golden Globes und ist nun für zig Oscars nominiert. Da steigen die Erwartungen natürlich gleich mit in den Orbit. Kann der Film dem gerecht werden?

    dermarsianer

    (c) 20th Century Fox
    Regie: Ridley Scott
    Laufzeit: 138 Minuten
    ab 18.02.2016 im Handel
    Trailer ansehen / Bei Amazon bestellen

    MacGyver auf dem Mars
    Die sechsköpfige Crew der Ares 3 absolviert auf dem Mars ihre Expeditionsarbeit, als ein heftiger Sandsturm sie zur vorzeitigen Evakuierung zwingt. Durch einem Unfall wird der Botaniker Mark Watney von den anderen für tot gehalten und zurückgelassen. Doch er hat überlebt und ist allein auf dem roten Planeten.
    Um auch weiter am Leben zu bleiben, muss er einige Probleme lösen. Vor allem reicht die Nahrung nicht aus, um bis zur nächsten Ares-Mission zu überleben – und irgendwie muss er auch mit der Erde Kontakt aufnehmen. Als ihm das gelingt, läuft eine große Rettungsmission an, die aber ständig am seidenen Faden hängt.

    Der Marsianer kann man grob als eine Mischung aus Robinson Crusoe, Gravity und vor allem Apollo 13 bezeichnen. Gerade die Parallelen zu letzterem Film sind sehr augenfällig, vor allem wenn es um die Aktivitäten auf der Erde geht. Es gelingt dem Film recht gut, auch komplexere physikalische Zusammenhänge oder eben die Probleme, vor denen Watney oder die NASA-Leute stehen, zu erklären. Meist wird dies durch Humor aufgelockert. Der Film ist insgesamt eine Ode an die Wissenschaft und den Pioniergeist der Menschen, ihre Fähigkeit über sich hinauszuwachsen, wenn es die Situation erfordert. Es überwiegt fast immer eine positive Stimmung, die auch durch den Soundtrack unterstrichen wird – was zu Lasten der Spannung geht. Echte Zweifel an der Rettung Watneys kommen eigentlich nie auf, es stellt sich eher die Frage des WIE als des OB.

    Ziemlich vernachlässigt wird indes die psychologische und emotionale Komponente. Nur selten sehen wir Watneys Verzweiflung und so ist der Film zwar stets unterhaltsam, aber nicht so packend wie Apollo 13. Und auch technisch muss man sagen, dass Der Marsianer zwar gut aussieht, es aber nicht mit Gravity aufnehmen kann. Das gilt insbesondere für die Szenen in Schwerelosigkeit, bei denen man die Schnüre, an denen die Schauspieler hängen, zwar nicht sieht, aber doch deutlich erahnt. Dass „Der Marsianer“ bei den Golden Globes in der Komödien-Sektion gewann, ist übrigens ein schlechter Scherz. Sicher, es gibt auch was zu Schmunzeln, aber der Humor dient hier nur der Auflockerung und ist nicht der Kern des Films.

    Die Blu-Ray bietet umfangreiche Extras. Neben den üblichen Behind the Scenes-Interviews ist dabei besonderes eine viertelstündige Pseudo-Dokumentation zu nennen, in denen Jeff Daniels, Sean Bean und Chiwetel Ejiofor noch einmal ihre Rollen als NASA-Verantwortliche einnehmen und sieben Jahre nach den Ereignissen aus „Der Marsianer“ über die politischen Ränkespiele hinter den Kulissen sprechen. Zwei weitere Kurz-Dokus bringen uns die Crew der Ares 3 noch etwas näher. Ein Making-Of der Special Effects fehlt.

    Fazit

    Der Marsianer ist wirklich gute SciFi-Unterhaltung, der es gelingt, komplexe Wissenschaft für den Normalsterblichen erfahrbar zu machen. Die Story ist aber nicht so packend wie die wahre Geschichte von Apollo 13 und technisch wird das Level eines Gravity nicht erreicht. Trotzdem sehenswert, aber die Oscars haben andere Filme mehr verdient.

    Wertung


    Pro

    • hochwertige Produktion mit Top-Schauspielern
    • sehr glaubwürdige Darstellung einer Mars-Mission
    • wissenschaftliche Probleme werden mit Humor aufgelockert

    Contra

    • positive Grundstimmung geht zu Lasten der Spannung
    • emotionales Potential wird oft verschenkt
    • Schwerelosigkeit weniger glaubwürdig als in Gravity
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    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 12.Feb.2016 448 x gelesen