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    1947 veröffentlichte der Franzose Boris Vian das surrealistische Drama „Der Schaum der Tage“. In seiner Heimat wurde der Roman mit den Jahren zum Kult. Michel Gondry („Vergiss mein nicht“) wagte sich nun an eine Verfilmung mit prominenter Besetzung und siedelte es in einem Paris irgendwo zwischen heute und damals an.

    schaumdertage

    (c) Studio Canal
    Regie: Michel Gondry
    Laufzeit: 94/126 Minuten
    erschienen am 14.02.2014
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    Verrücktes Paris
    Lebemann Colin führt eigentlich ein perfektes Leben. Er hat Geld, ein eigenes Haus, Freunde, einzig die große Liebe fehlt ihm. Das ändert sich, als er Chloe kennenlernt. Die beiden verlieben sich und heiraten, doch das Glück ist nicht von langer Dauer. In Chloes Brust wächst eine Seerose und bedroht ihr Leben. Colin versucht alles, um seine Geliebte zu retten.

    Die Seerose deutet es schon an: Der Schaum der Tage ist kein herkömmliches Liebesdrama, wir bewegen uns in einer Welt, die der unseren in vielen Belangen ähnelt, aber um allerlei Skurrilitäten angereichert wurde. So wird dann auch gerade der Beginn des Films zum surrealistischen Bilderrausch. Ein Piano, das Drinks je nach den gespielten Noten mixt, eine Klingel, die krabbelnd durch die Wohnung eilt, Hände, die sich drehen, statt einander zu schütteln. Colins bester Freund Chick ist dem Poeten Partre verfallen und konsumiert dessen Veröffentlichungen in jeder möglichen Form, u.a. auch als Augentropfen oder Pillen.
    In diesem Paris und insbesondere in Colins Haus ist nur wenig so, wie man es kennt und die Geschichte sprüht vor Charme und witzigen Einfällen, die indes zuweilen hintersinnige Metaphern sind. Umgesetzt sind die Skurrilitäten übrigens auf altmodische Art, also kaum auf digitale Weise, was zwar zuweilen für unsere CGI-gewöhnten Augen etwas altbacken wirkt, aber sich gut ins Gesamtbild einpasst.

    Die charmante Leichtigkeit ist aber bald nach der Hochzeit dahin. Mit Chloes Gesundheit geht es bergab und gleichsam mit Colins Barschaft, die von Ärzten und Therapien aufgezehrt wird. Er ist gezwungen Arbeit anzunehmen und wird von Sorgen zunehmend erdrückt, versinnbildlicht durch sein immer weiter schrumpfendes Haus. Die Bildsprache bleibt stets dominierend, was in der zweiten Hälfte des Films allerdings eher zu einer bedrückenden Atmosphäre führt.

    Dass die Bilder und Skurrilitäten so im Vordergrund stehen ist allerdings auch zum Schaden des Films, denn die Figuren, gerade Colin und Chloe, wirken manchmal beinahe wie Statisten in ihrer irrwitzigen Welt. So fehlt es dann auch an emotionaler Bindung, wenn die Geschichte ins Dramatische wechselt und man beobachtet den Zerfall von Colins Leben aus einer gewissen Distanz. Dabei ist es auch eher unerheblich, ob man die Langfassung oder die Kinoversion (über 30 Minuten kürzer) schaut, die in der Special Edition beide mitgeliefert werden.

    Fazit

    Gondry liefert hier Arthouse-Kino im wahrsten Sinne des Wortes. Man kann sich nach dem Film lange über die Bedeutung mancher Bilder unterhalten oder über die philosophischen Gedanken, die in der Geschichte stecken. Das Schicksal der Figuren berührt einen aber zu wenig. So wirkt „Der Schaum der Tage“ als Gesamtwerk unausgegoren, ist visuell aber ein Genuss.

    Wertung


    Pro

    • skurrile Ideen voller Charme
    • herrlich altmodisch umgesetzt

    Contra

    • Hauptfiguren geraten manchmal zu Statisten
    • kaum emotionale Bindung zum Zuschauer

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 16.Feb.2014 1.219 x gelesen