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Ob Verlage oder Filmstudios, die Mechanismen sind die gleichen: Ein Konzept funktioniert, also wird es sofort von der Konkurrenz kopiert. Eins dieser erfolgreichen Konzepte ist „Die Tribute von Panem“, das auf dem Buchmarkt eine Welle dystopischer Jugendromane auslöste. Einer davon, „Die Bestimmung“ von Veronica Roth, konnte als Buch auch Erfolge feiern und soll nun den Erfolg der Panem-Reihe im Kino ebenfalls erreichen.

Chicago geteilt durch fünf
Hundert Jahre nach dem großen Krieg liegt Chicago weitgehend in Trümmern, die großen Seen sind ausgetrocknet. Doch es leben noch Menschen in der Stadt. Diese haben ihre Gesellschaft in fünf Kasten geteilt. An ihrem 16. Geburtstag müssen alle Kinder einen Eignungstest ablegen und sich dann für eine der Kasten entscheiden. Dabei gilt: Fraktion vor Blut, bei einem Wechsel der Kaste, werden die Kinder streng von den Eltern getrennt.
Beatrice tut sich schwer mit dieser Entscheidung, zumal ihr Test kein eindeutiges Ergebnis liefert – sie ist eine Unbestimmbare, hält das aber geheim. Einerseits möchte sie bei ihrer Familie bleiben, andererseits kann sie mit dem Leben als selbstlose Altruan nicht viel anfangen und sieht sich eher bei der Kämpfer-Kaste der Ferox. Für diese entscheidet sie sich dann auch, nicht ahnend, dass ihr dort ein weiterer harter Auswahlprozess bevorsteht – und das Unbestimmbare unbarmherzig gejagt werden.

Es ist eine durchaus komplexe Zukunftsvision, die dem Film zugrunde liegt, leider kratzt man aber zu oft nur an der Oberfläche. So spielen zwei der fünf Kasten im Film so gut wie gar keine Rolle. Bei den Ferox sieht man auch nie ältere Menschen oder Kinder und irgendwie passen Familie und Nachwuchs auch gar nicht in das Bild, das von dieser Fraktion gezeichnet wird. Wieso die Altruan allein die Regierung führen und wieso genau sich nun plötzlich dagegen Widerstand einer anderen Fraktion regt, bleibt leider auch recht unklar, was gerade dem letzten Filmdrittel sehr schadet, wenn dieser Konflikt in den Vordergrund rückt.

Stattdessen liegt der Fokus allein auf Beatrice und ihrem Problem, das viele Heranwachsende kennen: Wohin gehöre ich? Was soll aus mir werden? Nun, nach ihrer Wahl muss das einfache Mädchen es in kürzester Zeit schaffen, zur toughen Kämpferin zu werden, sonst droht ihr ein Leben als ausgestoßene Fraktionslose. Hier muss man leider sagen, dass Shailene Woodley (The Descendants) nicht eben eine Optimalbesetzung ist, der zierlichen Aktrice nimmt man bei allem Talent die Wandlung einfach nicht so recht ab. Positiv fällt hingegen die unvermeidliche Lovestory auf. Zwar weiß man beim ersten Blickkontakt, in wen sich Beatrice verlieben wird, aber das Geschmachte hält sich in sehr engen Grenzen und ist zu ertragen.

In Sachen Action und Spannung kann der Film zwischenzeitlich durchaus überzeugen, aber trotz fast 140 Minuten Laufzeit fehlt es am Ende an Zeit, um den entbrennenden Kampf ausreichend zu würdigen und neben Action auch genug Zeit für Drama zu lassen. Hier wirkt alles ein bisschen überhastet und wegen fehlender Hintergrundinfos auch recht oberflächlich und verfehlt deshalb die gewünschte Wirkung. Das Ende ist auch nicht wirklich zufriedenstellend und sehr offen – drei weitere Filme sollen ja noch folgen.

Fazit

Für die Zielgruppe sicher ein guter dystopischer Actionfilm mit hintergründiger Geschichte, die aber sehr oberflächlich bleibt und die Welt Nichtkennern der Buchvorlage nur unzureichend näherbringt. Da sich das Geschmachte in der unvermeidlichen Lovestory sehr in Grenzen hält, ist der Film aber deutlich männerkompatibler als beispielsweise Seelen oder City of Bones.

Wertung


Pro

  • interessante Zukunftsvision
  • gute Actionszenen
  • wenig Geschmachte

Contra

  • Welt ist nur Staffage, vieles bleibt unklar
  • Hauptdarstellerin als toughe Kämpferin nicht glaubwürdig
Kategorien: Filme, Science-Fiction
von Jörg Benne 21.Aug.2014 713 x gelesen

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