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    Mit Coraline und ParaNorman haben sich die Stop-Motion-Filmer von Laika einen Namen gemacht. Nun ist mit „The Boxtrolls“ ihr nächster Streich im Heimkino zu haben. Doch was auf den ersten Blick wie ein lustiger Kinderfilm aussieht, erweist sich als vielschichtiges Animationskino.

    boxtrolls

    (c) Universal Pictures
    Regie: Graham Annable, Anthony Stacchi
    Laufzeit: 94 Minuten
    ab 05.03.2015 im Handel
    Trailer ansehen / Bei Amazon bestellen

    Von Pappkartons und weißen Hüten
    In Cheesebridge herrscht Panik: Die Boxtrolls, seltsame Kreaturen, die Pappkartons als Kleidung tragen und des Nachts aus der Kanalisation gekrochen kommen, sollen ein Baby entführt haben. Bald kursieren die wildesten Gerüchte über sie, die der fiese Mr. Snatcher noch befeuert. Schließlich bekommt er den Auftrag, alle Boxtrolls zu vernichten. Als Belohnung soll er einen weißen Hut bekommen, das Sinnbild der Aristokratie in der Käsestadt, dessen Anführer Lord Portley-Rind ist.
    Jahre später ist die Zahl der Boxtrolls schon erheblich gesunken, als die Tochter des Lords unter den Boxtrolls einen Jungen entdeckt.

    Selbst die Inhaltsangabe deutet noch auf eine Kinder-Geschichte hin, der Film basiert ja auch auf einem Kinderbuch von Alan Snow (deutsch: Die Monster von Rattingen). Und ja, trotz der Laika-typischen, eher düsteren Grundstimmung (ein gelungener Kontrast zu den quietschbunten Welten vieler Animationsfilme) ist der Film auch für Kinder gedacht. Aber es steckt weit mehr als ein simples Spaß-Abenteuer dahinter, wenn man sich darauf einlässt.

    Die Boxtrolls kann man als mit Vorurteilen belegte, verfolgte Minderheit sehen, die sich aus Angst vor der Majorität immer nur wegduckt und alles erträgt. Snatcher ist der Demagoge, der die Leute gegen die Minderheit aufhetzt, weil er sich davon einen Vorteil verspricht. Die Aristokraten haben nur ihren Käse (sprich: ihren Reichtum) im Kopf und interessieren sich nicht für die Belange des Volkes usw.

    Verpackt ist das in eine spaßige Geschichte, die vor allem von den schrulligen Boxtrolls lebt, die wie eine Mischung aus Fraggles, Javas und Ewoks (Sprache) daherkommen. Obwohl man kaum etwas von dem versteht, was sie sagen, wachsen einem die Kerlchen schnell ans Herz und die skurrile Welt, die die Animateure für sie erdacht haben, nimmt einen gefangen. Technisch kann man dem Film ohnehin nichts vorwerfen, dass die flüssigen Animationen in Einzelbildern entstanden sind, mag man kaum glauben. Natürlich sehen die Stop-Motion-Bilder nie so geleckt aus wie die Welten von Disney oder Pixar, aber gerade in ihrer Andersartigkeit entwickeln sie ihren ganz eigenen Charme.

    Zum Topfilm reicht es allerdings auch nicht, dafür sind die Hauptfiguren zu blass und der ganze Verlauf der Geschichte zu vorhersehbar. Es fehlt auch an wirklich zündenden Gags, der Film besticht eher durch die leisen Töne. Zum Beispiel wenn sich zwei Handlanger von Snatcher die ganze Zeit einzureden versuchen, dass sie auf der Seite der Guten stehen, aber zunehmend Zweifel bekommen.

    Fazit

    Die Boxtrolls bieten eine skurrile Welt, hohe Animationskunst und eine vielschichtige Story, der etwas weniger moralischer Zeigefinger und mehr Unterhaltungswert allerdings gut getan hätten. Trotzdem sehenswerte Stop Motion-Animationskunst auf technisch hohem Niveau.

    Wertung


    Pro

    • charmante Boxtrolls
    • skurrile, detailverliebte Welt
    • vielschichtige Story

    Contra

    • Hauptfiguren bleiben blass
    • Geschichte verläuft recht vorhersehbar

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 9.Mrz.2015 3.502 x gelesen