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    Als Charles M. Schulz Anfang 2000 starb, war eigentlich auch das Ende von Charlie Brown und seinen Freunden besiegelt, denn der Schöpfer der Peanuts hatte verfügt, dass kein anderer Zeichner die Serie, die er fast 50 Jahre lang zeichnete, fortsetzen dürfe. Mehr als zehn Jahre später entschieden die Erben, dass es Zeit sei, die Peanuts wiederzubeleben, nachdem sein Sohn und sein Enkel zusammen ein Drehbuch geschrieben hatten. Die Macher von Ice Age sollten das ganze umsetzen. Ein gelungenes Comeback?

    peanutsfilm

    (c) 20th Century Foy
    Regie: Steve Martino
    Laufzeit: 86 Minuten
    ab 21.04.2016 im Handel
    Trailer ansehen / Bei Amazon bestellen

    Charlie Brown ist wieder da – und ganz der Alte
    Charlie Brown hat es nicht leicht im Leben. Was er auch anfasst, es geht schief. Ob beim Drachensteigen lassen, beim Baseball oder beim Football, er versagt stets. Da ist es nicht verwunderlich, dass er es nicht wagt, das kleine rothaarige Mädchen anzusprechen, als diese neu in seine Klasse kommt. Dabei könnte er ihr doch ein ganz neues Bild von sich zeigen, nicht das des Versagers, als den ihn alle anderen sehen.
    Zum Glück hat er seinen treuen Hund Snoopy, Freunde wie Linus und seinen unverwüstlichen Optimismus, die ihn anspornen. Vielleicht gelingt ihm ja doch mal was im Leben.

    Wie man diesen Film aufnimmt, hängt wohl entscheidend davon ab, ob man die Peanuts gar nicht oder nur flüchtig kennt, oder – wie ich – mit ihnen aufgewachsen ist. Es ist mir unmöglich, den Film unvoreingenommen zu bewerten, also versuche ich das erst gar nicht, und schreibe aus der Sicht eines nostalgischen Peanuts-Fans.

    Schon anhand der Trailer konnte man sehen, dass die Zeichner sich Mühe gaben, dem Stil von Schulz treu zu bleiben. Auch wenn die Figuren nun dreidimensional sind, sind sie doch genauso gezeichnet wie die Originale und Mimik und Gestik sind weitgehend wie man sie aus den alten Filmen kennt. Selbstredend sind die Animationen deutlich runder.
    Auch in Sachen Musik und bei den Stimmen blieb man dem Gewohnten treu. Das gilt auch für die deutsche Synchronisation, viele Stimmen klingen vertraut, mit Ausnahme von Peppermint Patty, die nicht mehr lispelt.
    Von der technischen Seite gibt es jedenfalls nichts zu bemängeln, Blue Sky hat die Peanuts werkgetreu aber doch modern umgesetzt.

    Inhaltlich gibt es ein Wiedersehen mit fast allen bekannten Figuren. Einzig Rerun, der kleine Bruder von Lucy und Linus, fehlt. Natürlich spielen Charlie Brown und Snoopy die Hauptrollen und der Kult-Beagle schlüpft in diverse seiner Rollen, sei es als todesmutiger Kampfpilot, Möchtegern-Autor oder als Joe Cool. In seinen Tagträumen bekommt es Snoopy mit einer Hündin namens Fifi zu tun, die ebenfalls Kampfpilotin ist – eine Figur, die mir bislang nicht bekannt war.

    Manche Szenen zaubern dem Peanuts-Fan ein nostalgisches Lächeln auf die Lippen, mir hatten es besonders Snoopy und Woodstock angetan, die schon immer meine Lieblinge waren. Aber – und das ist der Haken bei der Sache – es wird einem nur wenig Neues geboten. Vor allem in der ersten Hälfte des Films bekommt man all das gezeigt, was man von den Comicstrips oder den alten Filmen schon kennt. Dass Charlie Brown für das kleine rothaarige Mädchen schwärmt, ist ja altbekannt und sein Versagen beim Drachensteigen, beim Baseball usw hat man schon oft gesehen.

    Nach einer recht abrupten Wendung kommt dann zwar etwas Neues, hier wird aber allzu brachial die Moralkeule geschwungen („Erfolg ist nicht wichtig, was zählt ist…“) und Snoopys Kampfpilot-Einsätze sind vielleicht auch etwas zu häufig geraten. Der hintergründige, beinahe philosophische Witz von Charles M. Schulz blitzt hier nur selten auf, stattdessen stehen eher Albernheiten im Vordergrund.

    Erwähnenswert sind noch die Extras: In einer 30minütigen Doku geht es nicht nur um die Entstehung des Films, sondern auch um die Geschichte der Peanuts mit interessanten Einblicken in die allerersten Comicstrips, in denen Snoopy z.B. noch ganz anders aussah. Dazu gibt es Zeichenkurse und noch ein paar Clips.

    Fazit

    Werktreue ist gut und schön, inhaltlich hätte ich mir aber ein paar mehr neue Ideen und mehr zündende Gags gewünscht. So ist Die Peanuts – Der Film eine nette Hommage an den Comic-Klassiker – aber leider nicht mehr. Für Neueinsteiger mag der Film aber mehr zu bieten haben.

    Wertung


    Pro

    • stilistisch modern und doch werktreu umgesetzt
    • altbekannte und liebevoll umgesetzte Charaktere

    Contra

    • kaum wirklich neue Ideen
    • etwas zu viele Albernheiten, zu wenig Tiefsinn und Ironie

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 23.Apr.2016 627 x gelesen