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    Nicht nur die Amis sind derzeit auf dem Märchen-Trip, auch das französische Kino will bei dem Trend mitschwimmen. Mit „Die Schöne und das Biest“ wurde dann auch eine französische Volksmär gewählt und für (außerhalb Hollywoods) horrende 45 Mio mal wieder verfilmt. Ernstzunehmende Konkurrenz für Maleficent & Co?

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    (c) Concorde
    Laufzeit: 109 Minuten
    ab 13.11.2014 im Handel
    Trailer ansehen / bestellen

    Der Fluch der Gier
    Der Vater von Belle ist nach einem Schiffsunglück verarmt und musste mit seiner Familie auf’s Land ziehen. Als er sich nach einer Reise auf dem Rückweg verirrt, gelangt er in ein verwunschenes Schloss. Als er dort eine Rose pflückt, die sich Belle gewünscht hat, überfällt ihn ein Biest und beschuldigt ihn des Diebstahls. Für die Rose müsse er mit einem Leben bezahlen und dürfe sich vorher nur noch von seiner Familie verabschieden. Traurig kehrt der Vater nach Hause zurück. Belle fühlt sich schuldig, weil sie sich die Rose gewünscht hat, und reitet an seiner statt zurück zum Schloss.
    Das Biest verschont sie, verbietet ihr aber das Tal zu verlassen, in dem das Schloss liegt. Es hofft, dass Belle sich nach einiger Zeit an es gewöhnen könnte, doch Belle fühlt sich als Gefangene und lehnt die Bestie ab. Des nachts träumt sie von einer Prinzessin, die einst in dem Schloss gewohnt und glückliche Tage mit einem stolzen Prinzen verbracht hat. Nach und nach beginnt Belle zu ahnen, was es mit der Bestie auf sich hat. Derweil braut sich außerhalb des Tals Unheil zusammen.

    Bei der Umsetzung hat man sich einige Freiheiten genommen – Kenner werden sich über die Prinzessin wundern und tatsächlich ist die Bestie hier nicht von einer Zauberin verhext worden. Auch zum Ende hin läuft einiges anders: weder sind es die bösen Schwestern, die Belle an einer Rückkehr hindern, noch gibt es einen Spiegel, durch den sie sehen könnte, was im Schloss geschieht oder einen Ring, um im Handumdrehen zurückzukehren. Stattdessen gibt es einen anderen Bösewicht, der die Geschichte durchaus etwas moderner macht.

    Dass hier Christophe Gans auf dem Regiestuhl saß, merkt man an der fast durchweg düsteren Atmosphäre, für die er durch „Der Pakt der Wölfe“ und „Silent Hill“ schon bekannt ist. Zwar gibt es mit den verzauberten Hündchen auch was Knuffiges zu sehen, dass Gans sich aber eigentlich nicht für die ganz junge Klientel interessiert, zeigt sich schon daran, wie wenig Screentime er den Knuddel-Hunden gewährt, obwohl die durchaus Potential gehabt hätten. Die FSK muss sich dann auch fragen lassen, was sie sich bei ihrer „ab 6“-Freigabe gedacht hat. Auch wenn kaum Blut fließt, die zuweilen beinahe sinistre Atmosphäre scheint mir kaum für Grundschulkinder geeignet.

    Dafür haben Erwachsene und Jugendliche sicherlich umso mehr ihre Freude, denn man bekommt hier kein weichgespültes Disney-Märchen (wobei man dies Maleficent auch nicht vorwerfen kann). Das Biest und diverse andere Wesenheiten machen durchaus Eindruck und CGI-technisch fahren die Franzosen dicke Geschütze auf, die allemal mit Hollywood-Blockbustern mithalten können. Das gilt auch für die Hauptdarsteller, Lea Seydoux, Vincent Cassel und (Überraschung) Yvonne Catterfeld sind hier besonders zu nennen.

    Da auch Musik, Kameraarbeit und die opulenten Kostüme passen, könnte man den Eindruck gewinnen, es sei hier alles super. Einen gewichtigen Haken gibt es jedoch. Der Film nimmt sich zu Beginn etwas zu viel Zeit für die Vorgeschichte, die dann (trotz fast 2 Stunden Laufzeit) am Ende fehlt, wenn es um die Beziehung zwischen Belle und dem Biest geht. Da mangelt es den Emotionen dann leider an Glaubwürdigkeit – gerade Fans des Disney-Klassikers, die sich eine Romanze erwarten, wird das sehr sauer aufstoßen.

    Fazit

    Hätte Gans den Gefühlen zwischen Belle und dem Biest etwas mehr Raum gegeben, er hätte einen wirklich packenden Märchenfilm abliefern können. So bietet er zwar eine düstere Atmosphäre, tolle Effekte und auch Spannung, bei der Romantik hapert es dann aber. Trotzdem gehört „Die Schöne und das Biest“ zu den gelungenen Märchen-Verfilmungen und steht für mich auf einer Stufe mit Disneys Maleficent.

    Wertung


    Pro

    • opulente Ausstattung
    • tolle Hauptdarsteller
    • überzeugende Effekte, düstere Atmosphäre
    • einige interessante Abwandlungen zum Märchen

    Contra

    • Liebe zwischen Belle und der Bestie nicht glaubwürdig
    • Potential der Knuddel-Hunde ungenutzt

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 9.Nov.2014 4.194 x gelesen