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Was Harry Potter und Twilight können, können Die Tribute von Panem auch. Also wird auch hier der letzte Teil der Buchvorlage zweigeteilt – was bei einem Umfang von gerade mal 430 Seiten dann doch für Stirnrunzeln sorgt. Ist „Mockingjay Teil 1“ also nur ein aufgeblasener Halb-Film?

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(c) Studiocanal
Regie: Francis Lawrence
Laufzeit: 118 Minuten
ab 26.03.2015 im Handel
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Das Gesicht der Rebellion
Nach ihrer Rettung aus der Arena ist Katniss bei den Rebellen in Distrikt 13. Zwar hat sie ihre Familie bei sich, aber der Verlust von Peeta hat sie schwer getroffen. Zunächst will sie sich vom Widerstand zurückziehen, doch als ihr vor Augen geführt wird, was mit ihrem Heimat-Distrikt geschah, lässt sie sich doch als Propaganda-Vehikel einspannen. Doch Präsident Snow hat ebenfalls ein Gesicht gefunden, um seine Botschaft von der Unsinnigkeit des Bürgerkrieges zu vermitteln: Peeta. Ist er zum Verräter geworden?

Die drei Teile der Romanserie folgen jeweils einem klaren Aufbau: Erst wird das System beschrieben und kritisiert, dann folgt die Action. So ist es auch bei Teil 3 – nur bekommen wir hier eben nur die erste Hälfte zu sehen. Folglich steht dann auch die Dystopie im Mittelpunkt des Geschehens, während Action nur hier und da am Rande eine Rolle spielt. Die folgt dann wohl umso geballter im finalen Teil, in dem der Bürgerkrieg vollends entbrennt.

Aber auch hier schwelt der Konflikt schon, gekämpft wird aber noch nicht so oft mit Waffengewalt, stattdessen wird die Macht der Worte und der Bilder beschworen. Mit der Propaganda-Schlacht ist der Film erschreckend nah an der Realität und zeigt den Zuschauern, wie leicht man die Massen elektrisieren kann. Der dabei einfließende Pathos wirkt hier nicht deplatziert.
Dass auch die Rebellen nicht vor manipulativen Methoden zurückschrecken und die zu Beginn recht farblose Präsidentin Coin unter der Anleitung des übergelaufenen Showrunners Heavensbee die neu gewonnene Macht sichtlich genießt, ist dem Film hoch anzurechnen. Genauso erliegt man nicht dem Fehler, Katniss zur strahlenden Heldin zu stilisieren. Man lässt sie zweifeln und verzagen, Heldentaten verbringt hier eigentlich kaum jemand – im Grunde ist Mockingjay Teil 1 ein Antikriegsfilm.

Also auch ohne viel Action alles super? Nicht ganz. Man merkt dem Film hier und da schon an, dass die zwei Stunden Laufzeit auf einem recht schmalen Fundament fußen. Manch eine Szene scheint nur dazu zu dienen, bekannten Figuren nochmal einen zusätzlichen Auftritt zu gönnen und hätte gut und gern gestrichen werden können. Gewisse Längen schleichen sich manchmal ein, man vermisst gelegentlich das Tempo. Und vor allem gibt es hier keine zu ende geführte Teil-Geschichte, weswegen sich der Film schlussendlich irgendwie unvollständig anfühlt. Aber damit muss man bei einem „Teil 1“ wohl leben – oder man schaut ihn sich erst nach Erscheinen von Teil 2 im Double-Feature an.

Fazit

Wer an Die Tribute von Panem vor allem die Action mochte, wird mit Mockingjay Teil 1 wohl nicht glücklich. Dabei ist es ein kluger, dystopischer Antikriegsfilm, ein Lehrstück über die Kraft der Propaganda und die Verlockung der Macht. Das kann zwar nicht vollends über gewisse Längen hinwegtäuschen, bei denen man dem Film anmerkt, dass wenig Vorlage erheblich aufgeblasen wurde, dennoch ist Mockingjay Teil 1 ein durchaus gelungener Aufgalopp für das große Finale.

Wertung


Pro

  • kritischer Umgang mit Propaganda
  • starke Hauptdarstellerin
  • technisch gut umgesetzt

Contra

  • zwischenzeitlich kleine Längen
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Kategorien: Filme, Science-Fiction
von Jörg Benne 25.Mrz.2015 1.500 x gelesen