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    Wenn ein Film einmal einen gewissen Kultstatus erlangt hat, ist es nahezu unmöglich, dass er diesen wieder verliert. Filmfans sind in der Hinsicht sagenhaft treu und ergehen sich in leidenschaftlichen Diskussionen darüber, was diese Werke ausmacht und warum sie besser sind als andere Genrevertreter. Sollte es jemand wagen, diesen Status in Zweifel zu ziehen oder Anderes für besser zu halten, kann er sich meist auf eine breite Front aus mal sachlich mal heißblütig vorgetragener Widerrede gefasst machen.

    evildead

    (c) Sony Pictures
    Laufzeit: 88 Minuten
    ab 02.10.2013 im Handel
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    Sam Raimis Tanz der Teufel-Trilogie ist ein Paradebeispiel dieses Phänomens und gerade in Deutschland sorgt außerdem noch die ausufernde Zensurhistorie des 1. Films für zusätzliche Faszination bei den Verehrern. Viele Jahre rumorte es in der Gerüchteküche, ob sich die Verantwortlichen um Raimi und Hauptakteur Bruce Campbell nochmal dazu aufraffen können, ein Sequel zu realisieren. Nun ist es jedoch ein Reboot des Urfilms geworden, bei dem die beiden Masterminds zwar im Hintergrund Einfluss hatten, ansonsten aber das Feld dem Regie-Neuling Fede Alvarez überließen. Die Skepsis war groß, doch die ersten Trailer und vollmundigen Ankündigungen der Beteiligten sorgten für besorgniserregend hohen Pulsschlag bei den Fans. Nun ist es soweit. Kann Evil Dead die astronomischen Erwartungshaltungen erfüllen?

    Die berühmte Hütte im Wald als Schauplatz
    Mia (Jane Levy) ist drogenabhängig und hat schon mehrere gescheiterte Entzugsversuche hinter sich. Ihr Bruder David (Shilo Fernandez) hat sich mit ihren Freunden Olivia (Jessica Lucas), Eric (Lou Taylor Pucci) und Natalie (Elisabeth Blackmore) zusammengetan, um Mia in einer entlegenen Waldhütte fernab der Zivilisation nun endgültig den Absprung von den Substanzen zu ermöglichen, auch, wenn ihnen damit ein paar strapaziöse Tage bevorstehen. Doch dann entdecken die Fünf „Das Buch des Todes“ – und wecken damit düstere Dämonen. Nur einer von ihnen bleibt von den Untoten verschont und muss fortan einen erbitterten Kampf um sein Leben führen.

    Brutale Neuinterpretation für Veteranen und Horrorneulinge
    Schon die Inhaltsangabe macht klar, dass man hier keine 1:1-Kopie des Originals erwarten darf. Vermutlich wäre das auch zum Scheitern verurteilt gewesen, denn dann würde man der 2013er-Version relativ einfach den Charme absprechen. Natürlich hatte man hier ein ganz anderes Budget und technische Möglichkeiten zur Verfügung als beim Urprojekt aus dem Jahre 1981. Jenes wurde mit Ressourcen realisiert, die an der Grenze zum Amateurfilm anzusiedeln waren. Diese Defizite mussten Sam Raimi und sein Team mit inszenatorischem Einfallsreichtum wettmachen und das gelang ihnen auf beeindruckende Weise.

    Das Reboot musste nun den Spagat bewältigen, einerseits stilistisch seinem Vorbild zu huldigen, sich andererseits aber auch Abweichungen zuzugestehen. Hierbei ist besonders hervorzuheben, dass der Humor merklich zurückgefahren wurde. Obgleich dieser auch erst bei den anderen beiden Teilen der Ur-Trilogie, Tanz der Teufel 2 und Armee der Finsternis, in unübersehbarem Maße zum Tragen kam, war auch der erste Film eine kuriose Mischung aus Trash, Splatterhorror und Humor. Bei Evil Dead ist nun vieles bitterernst geworden, während sich der Blutzoll teilweise drastisch erhöht hat. Ein Wunder ist es da nicht, dass die FSK dem Film für die DVD/Blu-ray-Veröffentlichung einen Riegel vorschob und erst die SPIO/JK für Uncut-Abhilfe sorgen musste. Also Augen auf beim Filmkauf!

    Atmosphäre kommt vor allem durch das Setdesign und die Soundkulisse auf, die mit Knarzen und Knacken ständig suggeriert, dass man auf der Hut sein muss, wenn man diese Odyssee überleben will. Leider hat man nicht mehr einen so charismatischen Helden wie Bruce Campbells Ash zu bieten. Die Gruppe der jungen Leute, die dem Wahnsinn in der Kabine anheimfallen, ist zwar nach den mittlerweile standardisierten Genreregeln mit unterschiedlichen Typen gespickt (Mauerblümchen, Nerd, Draufgänger …), aber eine mitreißende Identifikation baut sich beim Zuschauer nur schwerlich auf. Da muss dann eben der Nimbus reichen, dass man hier ein Reboot eines absoluten Horrorklassikers sieht. Solche Schützenhilfe ist natürlich Gold wert.

    Fazit

    Evil Dead ist eine zeitgenössische Frischzellenkur, die den heutigen Schauwerten und Schwerpunkten des Publikums größtenteils entsprechen will, aber gleichzeitig auch mit dem Rucksack des unumstrittenen Kultfilms Tanz der Teufel klarkommen muss. Herausgekommen ist dabei ein Reboot, das ernster ist und nicht mehr den gleichen schwarzhumorigen Trashcharakter versprüht, sich dafür aber auf technisch hohem Niveau bewegt und mit seinen Anspielungen dem Original keine Schande macht.

    Wertung


    Pro

    • ein paar Original-Referenzen für Liebhaber
    • hoher Blutzoll
    • tolle Soundkulisse

    Contra

    • kein so charismatischer Held wie Ash
    • weniger Charme durch ernsteren Ton
    • Vorsicht: FSK 18-Fassung ist geschnitten, nur mit SPIO/JK uncut

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Roman Beele 10.Okt.2013 1.311 x gelesen