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    Die Niederländer sind ein erfinderisches Völkchen und trauen sich auch gerne mal, ungewöhnliche Dinge auszuprobieren. Man denke nur mal an den Schöpfer des Orvillecopters, einer Modellhubschrauberkonstruktion, deren Hülle aus einem ausgestopften Kater besteht. Die Bilder davon gingen um die Welt. Noch weitaus experimentierfreudiger ist da ein Nachfahre von Dr. Frankenstein, der im hier besprochenen Frankenstein’s Army während des 2. Weltkriegs aus seinen Opfern eine Truppe halbtoter Menschenroboter zusammenbaut. Eingefangen im Handkamerastil, klingt das Ganze nach einer ziemlich abgefahrenen Angelegenheit. Können die Niederländer (auch sonst durch die New Kids- oder Human Centipede-Filme über die Landesgrenzen hinaus bekannt/berüchtigt) ihren Ruf verteidigen?

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    (c) Ascot Elite
    Regie: Richard Raaphorst
    Laufzeit: 81 Minuten
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    Die Gräuel des Krieges

    Ostfront 1944: Ein Hilferuf hat russische Soldaten zu einem verlassenen Gebäude geführt. Kameraden finden sie nicht, dafür Leichenteile und bizarre Skelette, halb Mensch, halb Maschine. Je weiter sie in das alte Gemäuer vordringen, desto mehr packt die Männer eisige Furcht. Etwas Grauenvolles muss hier passiert sein. Und dann brechen sie über die kleine Gruppe herein – Dr. Frankensteins Superkrieger! Gestalten, denen man in seinen schlimmsten Alpträumen nicht begegnet. Nur ein vollkommen krankes Hirn kann diese Ungeheuer aus Menschenteilen und Mordmaschinen ersonnen haben. Ein schneller Tod wäre eine Erlösung aus dieser bluttriefenden Hölle, doch der wahnsinnige Doktor braucht frisches Menschenmaterial für seine Kreaturen …

    Was der Baukasten so alles hergibt …

    Wenn man von medizinischen Experimenten zu Zeiten des WWII hört, denkt man unweigerlich an die Menschenversuche des diabolischen Naziarztes Dr. Mengele. Sicherlich eine Thematik, die man nur schwerlich in einem unterhaltenden Kontext platzieren kann. Die Wahl des Dr. Frankenstein war hier also eine clevere, erlaubt sie den Filmemachern doch eine ungeahnte Narrenfreiheit ohne den moralischen Zeigefinger. Und das wissen sie in Frankenstein’s Army auch gut auszunutzen. Nach dem Vorgeplänkel, das zeigt, wie die Truppe sowjetischer Soldaten zu dem entlegenen Gebäudekomplex gelangen, dauert es nicht lange und die ersten zombieartigen Maschinenkreaturen auftauchen. Bei deren Design ließ man seiner Phantasie freien Lauf und hat einige absurd-komische Ergebnisse zu präsentieren. Da wurden Sicheln, Bohrer oder Kreissägen an Hände und Köpfe montiert und die gehen wirksam ihrer Arbeit nach. Ein Splatterfest sollte man hier trotz ein paar blutigerer Momente und OP-Szenen aber nicht erwarten. Es ist auch nicht nötig, um etwa eklatante Schwächen zu überpinseln.

    Ein bedauerlicher Punkt ist, dass einem die Mitglieder der eigentlichen Heldengruppe total egal sind. Dass einige von ihnen Frankensteins Kreationen zum Opfer fallen, ist zwar selbsterklärend, doch ertappt man sich dabei, dass man eigentlich bis zum Ende des Films freudig erwartet, was für abstrakte Figuren noch die Verfolgung aufnehmen. Sie sind, zusammen mit dem exzentrischen und trotzdem irgendwie sympathischen Dr. Frankenstein, glasklar die Stars des Films. Der Handkamerastil mag viele Filmfans inzwischen nerven, wirkt hier aber durchaus gelungen, weil er dem Geschehen mehr Dynamik verleiht und dem Zuschauer mehr Konzentration abverlangt, damit er auch die optischen Details der Killerkreationen erkennen kann. Außerdem hilft er der Story, die ab der Hälfte zu lahmen droht, und präsentiert einen Umweg, der erfreulicherweise vermeidet, dass einfach nur die Uhr runter läuft, während der Trupp immer weiter dezimiert wird. Stattdessen lernen wir Dr. Frankenstein (sehr unterhaltsam verkörpert durch Karel Roden) besser kennen und sehen auch, wie er seine absurden Experimente durchführt und unrealistische Krieger erschafft. Das ist enorm kurzweilig und rettet des Zuschauers Aufmerksamkeit, die wohl sicher gelitten hätte, wenn der Fokus weiter auf den blassen Helden geblieben wäre.

    Fazit

    Frankenstein's Army kann man durchaus als Partyfilm bezeichnen, ernst oder gruselig wirkt diese Freakshow zu keinem Zeitpunkt. Vielmehr schaut man in freudiger Erwartung dabei zu, wie die Soldatentruppe weiter in den unterirdischen Komplex vordringt und mit immer abgefahreneren Kreationen von Dr. Frankenstein konfrontiert wird. Die allenfalls zweckmäßige Charakterzeichnung und die recht kurze Laufzeit sind dabei die einzigen Wermutstropfen in diesem kurzweiligen und mit viel Liebe zum Detail ausgeschmückten Horrorspaß ohne nennenswerten Tiefgang. Die Niederländer wahren also ihren Ruf.

    Wertung


    Pro

    • abgefahrenes Kreaturendesign
    • unterhaltsamer Trash-Vibe

    Contra

    • die eigentlichen Helden sind einem herzlich egal
    • mit 80 Minuten Nettolaufzeit recht kurz

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Roman Beele 10.Sep.2013 1.318 x gelesen
    • Dr. AKLtross

      Der Look der Kreaturen kam mir gleich so bekannt vor: Siehe da, es handelt sich um den gleichen Regisseur, der vor ein paar Jahren an „Worst Case Scenario“ gearbeitet hat, der ja leider dann doch nie fertig wurde: