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Horror-Anthologien sind derzeit in Mode, Zeit für einen deutschen Beitrag, dachten sich die beiden deutschen Regisseure Jörg Buttgereit (Nekromantik), Andreas Marschall und ihr polnischer Kollege Michal Kosakowski (Zero Killed) und liefern mit „German Angst“ drei Low Budget-Horrorkurzfilme mit Arthouse-Anspruch.

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(c) Pierrot Le Fou
Laufzeit: 115 Minuten
ab 15.05.2015 im Handel
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Das Mädchen und das Meerschweinchen
Ein jugendliches Mädchen, dass in einer heruntergekommenen Wohnung lebt, erzählt uns aus dem Off etwas über ihr Meerschweinchen. Nachdem sie im Radio von einem bestialischen Mord gehört hat, greift sie zur Geflügelschere und geht ins Schlafzimmer.

Buttgereits Beitrag „Final Girl“ stimmt mit seinen detailversessenen Bildern und der langsamen Inszenierung gleich auf das anspruchsvolle Niveau der Trilogie ein. Seine Geschichte spielte sich dabei wohl größtenteils vor dem ab, was wir zu sehen bekommen, ohne das eindeutig gezeigt wird, was geschehen ist. Vor allem in Verbindung mit dem Gerede über Meerschweinchen, entfaltet dieser Film seine Wirkung.

Zwei Seiten einer Medaille
Ein taubstummes Pärchen erforscht einen Plattenbau. Der Mann überreicht seiner Freundin dabei ein Amulett, mit dem man zwei Menschen ihre Körper tauschen lassen kann, wie er ihr in einer Rückblende in den zweiten Weltkrieg erzählt. Als Neonazis auftauchen und das Pärchen bedrängen, setzt das Mädchen das Amulett ein.

„Make a Wish“ hätte das Zeug zum Highlight der Trilogie gehabt. Der Beitrag zu Ausländerfeindlichkeit ist aktuell wie selten und in seiner (zumindest anfänglichen) Realitätsnähe erschreckend bedrohlich. Aber eigentlich geht es hier viel mehr um das Amulett und die Frage, was wir wohl tun würden, wenn wir plötzlich im Körper des Nazis steckten, der uns eben noch terrorisiert hat, und der nun als wehrloses Opfer vor uns stünde. Leider sind die Figuren der Neonazis zum Teil krass überzogen (Stichwort: beißende Nazi-Braut) und die Darsteller agieren zum Teil laienhaft, weshalb das Werk letztlich seine eigenen Ambitionen nicht zu erreichen vermag. Insgesamt fällt die Inszenierung im Vergleich zu den beiden anderen Beiträgen qualitativ ab.

Wenn die Lust zu Kopf steigt
Nachdem ihn seine Freundin verlassen hat, irrlichtert ein Fotograf in mittleren Jahren durch die Berliner Nachtclubszene. Dabei lernt er Kira kennen und folgt ihr zu einem geheimnisvollen Sex-Club, der die Alraune verehrt – und ein düsteres Geheimnis birgt.

Marschalls Beitrag ist der kunstvollste der drei. In betörenden Bildern und mit guten Darstellern inszeniert er, wie sich der Fotograf in den Fesseln der Lust verfängt – was er uns damit zu sagen versucht, bleibt indes sehr vage. Inhaltlich wirkt dieser Body-Horrorfilm etwas substanzlos und zieht German Angst somit endgültig ins Mittelfeld.

Es sei abschließend nochmals betont: Auch wenn German Angst durchaus ein Horrorfilm ist, sollten Genrefans nicht zu viel Blut oder gar Splatter erwarten. Ja, es gibt entsprechende Szenen, diese sind aber eher schlaglichtartig eingesetzt und stehen ganz klar nicht im Vordergrund.

Fazit

„Final Girl“ ist sicherlich der beste Beitrag zu dieser Anthologie, während „Make a Wish“ und „Alraune“ ihr Pulver auf unterschiedliche Weisen verschießen. Make a Wish ist der Film, der am meisten zu sagen hat und auch am meisten weh tut, seine Wirkung aber durch die zum Teil total überzogenen Figuren schmälert. Alraune ist hingegen kunstvoll inszeniert und sehr gut gespielt, hat aber wenig Substanz und bleibt insgesamt recht rätselhaft. Insgesamt wird man einmal gut und zwei mal ganz ordentlich unterhalten, leider ist der gute Beitrag auch der kürzeste, sodass es insgesamt nicht zu mehr als Durchschnitt reicht. Horror- und Splatterfans sollten sich überdies im Klaren darüber sein, dass hier mehr Arthouse als Horror geboten wird, sonst wird die Enttäuschung groß sein.

Wertung


Pro

  • ernste Themen, auch was für den Kopf
  • filmisch z.T. anspruchsvoll

Contra

  • schwache Nebendarsteller in "Make a Wish"
  • "Alraune" inhaltlich recht dünn
  • inszenatorisch sehr unterschiedlich
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Kategorien: Filme, Horror
von Jörg Benne 6.Mai.2015 330 x gelesen