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    Mit einem Einspielergebnis von 170 Mio $ bei einem Produktionsbudget von über 100 Mio ist Ghost in the Shell eine der Blockbuster-Enttäuschungen des Jahres. War das den bösen Whitewashing-Zungen geschuldet, waren die Fußstapfen der Anime-Vorlage zu groß oder ist der Film vielleicht sogar zurecht an den Kinokassen baden gegangen?

    ghostintheshell_cover

    (c) Paramount Pictures
    Laufzeit: 103 Minuten
    an 03.08.2017 im Handel
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    Mensch oder Maschine
    Major Mira Killian ist die erste ihrer Art: Schwer verletzt wurde ihr Hirn in einen Roboterkörper überführt, sodass sie nun das beste aus beiden Welten verkörpert. Doch ihre Erinnerungen sind dabei größtenteils verloren gegangen, tauchen nur manchmal als Bildfragmente in der Realität auf.
    Als Agentin der Sektion 9 macht Major Jagd auf Cyberterroristen und bekommt es dabei mit Kuze zu tun. Der Hacker hat es auf Wissenschaftler des Hanka Robotics Konzerns abgesehen, der Major geschaffen hat. Bei der Jagd durch das Tokio des Jahres 2029 hinterfragt Major mehr und mehr ihr eigenes Wesen. Ist sie noch ein Mensch mit freiem Willen, oder nur ein Werkzeug in den Händen ihrer Schöpfer?

    Nachdem wir in einer kurzen Anfangssequenz der Schöpfung von Major beigewohnt haben, wirft uns die Handlung gleich in die glitzernde, von riesengroßen Hologramm-Werbungen dominierte Stadt und beginnt mit der berühmten Szene auf dem Hochhaus-Dach, an die sich Kenner des Animes aus dem Jahr 1995 mit Sicherheit erinnern. Wie diese gibt es einige Szenen, die als Hommage sehr nah an den Anime angelehnt sind. Im wesentlichen folgt der Film auch der Story des Originals, webt aber auch ein paar Szenen aus dem Manga ein, die dort ausgelassen wurden. Der philosophische Aspekt, die Frage, was einen Menschen ausmacht, die im Anime viel Platz einnahm, wird hier hingegen eher stiefmütterlich behandelt. Im wesentlichen bekommen wir einen Cyberthriller um Hacker, mächtige Konzerne und Verschwörungen zu sehen, dessen Story manchmal unnötig kompliziert erzählt wirkt.

    Als solcher funktioniert Ghost in the Shell ganz ordentlich. Scarlett Johansson ist dank Lucy und ihrer Rolle als Black Widow im Marvel-Universum ja actionerprobt und so nimmt man ihr die – oft allerdings allzu deutlich CGI-unterstützten – Actionszenen durchaus ab. Gleichsam bringt sie aber ihr Schauspieltalent mit ein und verleiht der harten, spröden Major auch eine verletzliche Seite. Damit weiß Regisseur Rupert Sanders (Snow White and the Huntsman) allerdings nicht viel anzufangen und so bleibt man als Zuschauer die meiste Zeit auf Distanz zu den Figuren und die durchaus rasanten Actionszenen wissen nicht zu packen. Das ist bedauerlich, denn das Potential für eine tiefschürfende Geschichte a la Blade Runner oder Ex Machina blitzt immer wieder auf.

    Trailer zum Film ansehen

    Die uns vorliegende DVD bietet zwei Featurettes, eine zum Thema Section 9 und eine zum philosophischen Subplot Mensch oder Maschine mit knapp über zwanzig Minuten Umfang.

    Fazit

    Viel Shell, wenig Ghost, so kann man den Versuch, den Anime-Klassiker als Realfilm umzusetzen wohl recht prägnant zusammenfassen. Optisch ist der Film durchaus ein Hingucker, doch er schafft es nicht, den Zuschauer an der inneren Zerrissenheit der Hauptfigur teilhaben zu lassen. Als SF-Actionthriller ist der Film dennoch ganz okay, dem Anspruch des Originals oder eines Blade Runners genügt er jedoch nicht.

    Wertung


    Pro

    • bildgewaltige Umsetzung der Zukunftsvision
    • einige nette Reminiszenzen an das Original
    • ordentliche Actionszenen

    Contra

    • Zerrissenheit der Hauptfigur wird zu wenig ausgelotet
    • der philosophische Subplot scheint nur Nebensache

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 28.Jul.2017 1.304 x gelesen