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Die Romanvorlage ein Bestseller, der Regisseur David Fincher ein Meister, die Kinokritiker begeistert, nun auch noch Oscar-Nominierungen. Die Erwartungen an Gone Girl wurden vor dem Heimkinostart ins Unermessliche gesteigert, kann er diesen gerecht werden?

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(c) 20th Century Fox
Laufzeit: 146 Minuten
ab 05.02.2015 im Handel
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Opfer oder Täter
Nick Dunne (Ben Affleck) feiert seinen fünften Hochzeitstag auf seine Weise, allein in der eigenen Bar. Seine einstige Vorzeigeehe mit Amy (Rosamund Pike) ist am Ende. Da erreicht ihn der Anruf seines Nachbarn, zuhause steht die Eingangstür offen. Als Nick dort eintrifft, deuten Spuren auf einen Einbruch oder Kampf hin, Amy ist verschwunden.
Die Polizei glaubt zunächst an eine Entführung, doch nach und nach tauchen immer mehr Hinweise auf, die den Verdacht auf Nick lenken. Hat er seine Frau ermordet und will die Tat vertuschen? Obwohl es noch an Beweisen mangelt, stürzen sich die Medien auf Nick, der verzweifelt versucht, seine Unschuld zu beweisen.

Was sich oberflächlich wie ein „normaler“ Thriller anhört (der damit eigentlich gar nicht unser Thema wäre), ist durch mehrere Twists und seine Doppelbödigkeit beinahe schon ein „Mindfuck“. Zwar ahnt man bereits zu Beginn, dass nicht alles so einfach ist, wie es scheint, doch das Skript legt geschickt viele falsche Fährten, sodass man sich nie sicher sein kann, was nun hinter allem steckt. Was das angeht bleibt Fincher sich treu, schon bei „The Game“ oder „Fight Club“ hat er den Zuschauer ja gekonnt überrascht.

Ein reiner Thriller ist Gone Girl eigentlich gar nicht. Nebenbei wird auch noch das Lebensmodell Ehe auseinandergenommen und in Rückblenden gezeigt, wie die Beziehung des Vorzeige-Paars in die Brüche ging. Dazu bekommen auch noch die Massenmedien ihr Fett weg. Wer glaubt, dass das übertrieben ist, der sollte sich mal über die US-Berichterstattung zum Charlie Hebdo-Attentat informieren.

Die Spannung steht dann aber doch im Fokus und ist von Fincher gewohnt routiniert inszeniert. Dabei überzeugen aber nicht nur Affleck und (die für den Oscar nominierte) Pike in den Hauptrollen. Mit Tyler Perry (in den USA ein Superstar, hierzulande kaum bekannt) als schmierigem Anwalt, Carrie Coon als loyaler Schwester von Nick und Kim Dickens als Detective glänzen auch die Nebendarsteller.

Alles super also? Nein, in die zum Teil überbordende Lobhudelei kann ich dann doch nicht ganz einstimmen. Vor allem im Mittelteil hängt die Spannungskurve etwas durch (20 Minuten weniger hätten es auch getan) und zum Ende nimmt man einige Ungereimtheiten in Kauf, um zum gewünschten (und nicht unbedingt befriedigenden) Ende zu kommen, die bei näherer Betrachtung den Ausgang der Polizei-Ermittlungen und das Verhalten der Hauptfigur sehr unglaubwürdig erscheinen lassen. Logik-Fetischisten werden hier sicher nicht glücklich.

Fazit

Fincher fügt mit diesem Film seinen Meriten einen weiteren gelungenen Mindfuck-Thriller hinzu, der neben der Spannung auch noch Medienkritik und Ehedrama bietet. Einige Längen im Mittelteil und Logikmacken zum Ende hin trüben zwar das Bild, trotzdem kann Gone Girl gut und vielschichtig unterhalten.

Wertung


Pro

  • viele Twists
  • überzeugender Cast
  • gelungene Medienschelte

Contra

  • einige Längen im Mittelteil
  • am Ende diverse Ungereimtheiten
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Kategorien: Filme
von Jörg Benne 3.Feb.2015 2.008 x gelesen