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    Filme aus Polen? Da denke ich zuerst an Roman Polanski oder Krzysztof Kieslowski – aber es gibt natürlich auch polnische Actionfilme. Mit Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten hat es einer davon nun mal zu uns geschafft. Grund dafür dürfte sein, dass er auf der Serie „Sekunden entscheiden“ aus den 60er-Jahren basiert, die auch in der damaligen DDR ausgestrahlt wurde.

    hanskloss_cover

    (c) Pandastorm
    Laufzeit: 104 Minuten
    ab 22.07.2014 im Handel
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    Der Nazi, der keiner ist
    Als die Russen Königsberg 1945 einkesseln, versuchen die Nazis das legendäre Bernsteinzimmer in Sicherheit zu bringen. Der polnische Agent, der sich als Nazi Hans Kloss ausgibt, versucht das zu verhindern.
    Dreißig Jahre später treffen sich einige überlebende Nazis in Madrid auf einer Beerdigung. Sie planen ein viertes Reich und wollen das Geld, das ihnen das Bernsteinzimmer einbrächte, dafür als Startkapital verwenden – nur wissen auch sie nicht, wo es ist. Auch Kloss ist unter den Anwesenden. Er soll im Auftrag der Nazioberen das Bernsteinzimmer mittels einiger Hinweise ausfindig machen – verfolgt aber natürlich andere Pläne.

    Der Film läuft in zwei Handlungssträngen ab. Während wir im Jahr 1945 einen klassischen „Spion in den Wirren des Krieges“-Film mit hohem Actionanteil zu sehen bekommen, ist es im Jahr 1975 eine Mystery-Schnitzeljagd a la „Illuminati“ und Konsorten, wobei nahezu alle Beteiligten im Rentenalter sind.

    Nicht nur die zum Teil etwas verschachtelte Erzählweise auf diesen beiden Ebenen erschwert den Einstieg. Vor allem wird offenbar viel Wissen aus der Serie vorausgesetzt, was angesichts der Tatsache, dass diese fast 50 Jahre auf dem Buckel hat, für den hiesigen Markt schon recht gewagt ist. So ist man als unwissender Zuschauer erstmal ziemlich verwirrt, beispielsweise was die beiden Frauen angeht, mit denen der junge Kloss herumschäkert. Man hat auch keine Ahnung, was Kloss und den SS-Offizier Brunner miteinander verbindet und erfährt auch nie, wie der polnische Agent es überhaupt in eine so hohe Nazi-Position schaffen konnte. Gerade einige Teile des 1975er-Strangs sorgen dann auch für Stirnrunzeln.

    Aber irgendwie wird man sowieso den Eindruck nicht los, dass der Film sich an ältere Semester wendet, denn die präsentierten Klischees und das grauenhaft altmodische Frauenbild geben einem das Gefühl, einen jahrzehntealten Film zu sehen. Dabei ist die Inszenierung selbst durchaus ordentlich und gerade Kriegsszenerien sind sehr glaubwürdig umgesetzt. Schon erstaunlich, was da aus dem geringen Budget herausgeholt wurde.

    Die in weiten Teilen unglaubwürdige Geschichte, grenzdebile Dialoge (Sie: „Es tut mir leid.“ Er: „Es muss dir nicht leidtun.“ Sie: „Gut, dann nicht.“) und vor allem die zum Teil amateurhaften Darsteller sorgen allerdings dafür, dass die solide Umsetzung den Zuschauer nie vom Hocker reißen kann. Das gilt insbesondere für die in der zweiten Hälfte überwiegende, recht betuliche Rentner-Schnitzeljagd (mit Stanisław Mikulski in der Hauptrolle, der schon in der Serie Kloss verkörperte).

    Fazit

    Für Fans der 50 Jahre alten Serie mag der Film mit seinen altbackenen Klischees ein ansehnlicher Nostalgie-Trip sein, aber selbst dann kann man kaum über die unlogische Geschichte und die hölzernen Dialoge hinwegsehen. Wer einen Agententhriller im WW2 sehen will, ist mit Klassikern wie „Agenten sterben einsam“ allemal besser beraten.

    Wertung


    Pro

    • erstaunlich gute Ausstattung für das geringe Budget
    • einige ordentliche Actionszenen

    Contra

    • verworrene, unglaubwürdige Geschichte
    • zum Teil idiotische Dialoge
    • altbackene Klischees

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Filme
    von Jörg Benne 14.Jul.2014 4.117 x gelesen