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    Märchen waren früher in Ermangelung von Medien wie Filmen oder Radio oft in mehrfacher Hinsicht nützlich. Einerseits waren sie für die Kinder ein richtiges Highlight, weil sie oft mit viel Liebe zum Detail erzählt wurden und andererseits transportierten sie meist auch eine moralische Botschaft, die klar zwischen Gut und Böse unterschied und somit als Lektion für die Kleinen fungierte. Auch heute wird Märchenstoff noch für das Publikum aufbereitet. Der Unterschied ist, dass es heutzutage andere Sehgewohnheiten gibt und dementsprechend steigert sich auch der Aufwand, mit dem man so eine Geschichte erzählen muss. Snow White and the Huntsman mit Kristen Stewart benötigte beispielsweise ein saftiges Budget von 170 Millionen Dollar, um zu werden, was er ist. Dagegen ist Hänsel & Gretel: Hexenjäger mit seinen 50 Millionen ja fast schon ein Schnäppchen, aber dafür auch um ein Vielfaches gewagter, denn hier stellt man sich ganz bewusst rebellisch gegen die Genrekonventionen. Geht der Poker auf?

    Revenge is sweeter than candy
    Jahre nach den Ereignissen im Pfefferkuchenhaus ist das Geschwisterpaar nur von einem Gedanken besessen: Rache an allen Hexen – zielsicher und gnadenlos! Berühmt für ihr besonderes Geschick beim Auffinden und Vernichten ihrer Beute, ziehen Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) als berüchtigte Hexenjäger durch die Welt. Als eines Tages die grausame Hexe Muriel (Famke Janssen) etliche Kinder entführt, um sie beim nächsten „Blutmond“ zu opfern, werden die Geschwister zu Hilfe gerufen. Die beiden haben allerdings nicht mit den brutalen Machenschaften von Sheriff Berringer (Peter Stormare) gerechnet, der ganz eigene Pläne verfolgt. Und als wäre der Wald nicht schon finster genug, gerät Gretel auch noch in die Fänge der blutrünstigen Hexen und eine barbarische Jagd beginnt. Doch das rachsüchtige Geschwisterpaar kann im düsteren Märchenland so schnell keiner stoppen.

    Mit Schrotflinten gegen Hexen – Hänsel & Gretel 2.0
    Eigentlich sollte jeder die Geschichte der beiden Geschwister, die die böse Hexe besiegen und im Ofen verbrennen, bereits als Kind mal gehört haben. Für wen das noch Neuland ist, der bekommt einen schnellen Crashkurs in den ersten 5 Minuten des Films. Damit hat sich dann auch die Vorbildfunktion der literarischen Vorlage erschöpft und die Fantasie der Drehbuchschreiber setzt ein. Und die gibt dann gleich zu Beginn die Marschroute vor. Hänsel und Gretel, mittlerweile erwachsen, sind für die Epoche, in der das Ganze spielt, erstaunlich modern ausgerüstet. Futuristische Schrotflinten, automatische Armbrust, eine Art Elektroschocker und sogar eine Gatling Gun haben die Geschwister in ihrem Arsenal, um den Hexen zuzusetzen. Allein das ist schon ein erfrischend widerborstiger Ansatz bei all dem klassischen Kontext, in den Märchen sonst so gerückt werden. Und auch sonst schert man sich nicht um Konventionen, denn die Dialoge könnten auch aus einem modernen Setting stammen, denn wenn geflucht wird, kommt einem die Schimpfwörter nur allzu bekannt vor.
    Die Ausstattung von Hänsel & Gretel: Hexenjäger kann sich sehen lassen und wurde mit Liebe zum Detail entworfen. Mittelalterliche Dörfer versprühen auch genau diesen Charme mit der zeitgenössischen Architektur und Kleidung (vielleicht von den Helden mal abgesehen). Die Hexen haben aufwendige Masken, sehen nicht nur aus wie verhutzelte Omas und sind auch bedeutend böser. Famke Janssen (Taken 1 + 2) gibt hier die Hauptmagierin, die die Kinder opfern will und auch erwachsene Widersacher ihren Sadismus spüren lässt. Dementsprechend rabiat ist auch der ganze Film, der sich auch hier von der traditionell eher zahmen Umsetzung der Stoffe provozierend abhebt. Blutige CGI-Splattereinlagen mit zerplatzenden Köpfen oder herausgerissenen Gliedmaßen gibt es in „gesundem Maße“ über den ganzen Film verteilt und an wuchtigen Prügeleinlagen mangelt es auch nicht. Die beiden Hauptdarsteller Jeremy Renner (Das Bourne Vermächtnis, Avengers) und Gemma Arterton (Prince of Persia, Ein Quantum Trost) haben sichtlich Spaß an ihren rotzigen Charakteren und Regisseur Tommy Wirkola stellt nach seinem Debütfilm Dead Snow erneut unter Beweis, dass er mit unernsten Partyfilmen gut zurechtkommt.

    Fazit

    Hänsel & Gretel: Hexenjäger nimmt sich zu keiner Sekunde ernst und das ist sein großes Plus. Der originelle Ansatz, die beiden Geschwister als erwachsene Kopfgeldjäger zu zeigen, die mit großkalibrigen Waffen und kernigen Sprüchen auf Tuchfühlung mit den Hexen gehen, verdient schon mal Applaus. Natürlich darf man hier keine ausgefeilte Story erwarten und die Nettospielzeit von knapp 80 Minuten lässt auch nicht viel anderes zu, doch das kurzweilige Rezept geht auf und Leerlauf bekommt man nicht zu sehen. Märchen können auch cool sein, hier ist der Beweis.

    Wertung


    Pro

    • rotzfreches Konzept
    • gute Effekte und Darsteller
    • viel Humor

    Contra

    • recht kurz

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme, Horror
    von Roman Beele 2.Mrz.2013 1.325 x gelesen

    Hänsel & Gretel: Hexenjäger
    Regie Tommy Wirkola
    Genre Action
    Länge85 Minuten
    Altersfreigabeab 16 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    Kino28.02.2013
     

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