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    Schon oft wurde das scheinbar Gute in Horrorfilmen zum Quell des Unheils, selbst ein unschuldig wirkendes Kind wie z.B. in „Das Omen“. Auch „Ich seh, ich seh“ verkehrt die heile Welt zwischen einer Mutter und ihren Kindern ins Schauerliche – aber hier bleibt lange unklar, wer gut und wer böse ist.

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    (c) Koch Media
    Regie: Severin Fiala, Veronika Franz
    Laufzeit: 95 Minuten
    ab 22.10.2015 im Handel
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    Wenn das Urvertrauen schwindet
    Die Zwillinge Lukas und Elias leben allein bei ihrer Mutter in einer großen Villa auf dem Land. Als die Mutter nach einer Gesichtsoperation nach Hause zurückkehrt, gibt sie sich streng und unnahbar, vor allem gegenüber Lukas. Der überzeugt seinen Bruder davon, dass sich unter der Maske jemand anderes als ihre Mutter verbergen könnte. Immer mehr steigern sie sich in diese Vorstellung, bis sie nur noch einen Weg sehen, die Wahrheit herauszufinden.

    „Ich seh, ich seh“ beginnt als Mystery-Psycho-Thriller. Der Zuschauer lernt die Figuren nur rudimentär kennen, erfährt aber so gut wie nichts über die Hintergründe. Warum wurde die Mutter operiert? War es eine Schönheitsoperation oder doch ein Unfall? Wieso ist sie gegenüber den Kindern so streng, obwohl sie zuvor doch so liebevoll war? Die Macher lassen den Zuschauer im Dunkeln tappen und streuen nur hier und da Andeutungen ein. Auch wenn durch eine davon – zumindest für aufmerksame Zuschauer – der finale Twist früh absehbar wird, ändert das nichts an der beklemmenden Intensität des Films. Weil man als Zuschauer nicht weiß, wie man die verstörend agierenden Figuren einordnen soll, nicht sicher sein kann, wer hier gut und wer böse ist, erwartet man das Grauen von jedweder Seite.

    Wenn es sich dann in den Film schleicht, dann aber richtig. Im letzten Drittel ist „Ich seh, ich seh“ ein Horror-Streifen, der sich gewaschen hat und dessen „ab 16“-Freigabe ich für recht fragwürdig halte. Nicht etwa weil hier Blut spritzen und Körperteile fliegen würden. Es ist eher die äußerst realistisch dargestellte Gewalt mit Alltagsmitteln, die das Leid der Opfer umso nachfühlbarer macht. Deshalb geht einem das Finale unweigerlich an die Nieren, die Gewalt und das verstörend nachvollziehbare Verhalten, das ausgerechnet das so heilig wirkende Verhältnis zwischen Mutter und Kindern zerstört, lässt wohl nur wenige kalt – denn jeder war einmal Kind oder ist derzeit Elternteil.

    Inszeniert ist das ganze im düsteren Heimatfilm-Ambiente, wobei die Macher auch das Landleben düster darstellen. Ein finsterer Wald, ein verlassener Bunker, ein Höhlengrab voller Gebeine – keine Welt, in der man seine Kinder frei spielen lassen würde.
    Die Schauspieler agieren intensiv, auch das Zwillingspaar, dass hier zum ersten Mal vor der Kamera steht, ist absolut überzeugend. Einzig negativ fällt der zuweilen breite österreichische Akzent auf, der manch geflüsterte/genuschelte Passage nur schwer verständlich macht. Zur Not helfen hier die Untertitel der Audio-Diskreption.

    Fazit

    Ich seh, ich seh ist ein Film, der wohl nur bei ganz Hartgesottenen seine Wirkung verfehlen wird. Die düstere Atmosphäre wird sehr gut aufgebaut und dann auch nahezu durchgehend gehalten, das Horror-Finale hat Schocker-Qualitäten. Sehenswert aber auch schwer verdaulich.

    Wertung


    Pro

    • gute Mystery-Atmosphäre zu Beginn
    • knallharter Horror am Schluss
    • sehr überzeugende Darsteller

    Contra

    • finaler Twist zu früh vorhersehbar

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 23.Okt.2015 3.561 x gelesen