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Einen Mann ohne Erinnerung in ein Abenteuer stürzen zu lassen ist an sich keine neue Idee. Spontan fällt da den meisten wohl die „Bourne Identität“ ein. Mit diesem Film hat „Identity Report“ aber nichts gemeinsam, die auf vielen Science Fiction-Festivals gefeierte Indie-Produktion setzt statt auf Action voll auf die Mystery-Schiene.

identityreport

(c) Tibrius Film
Regie: Henry Barrial
Laufzeit: 86 Minuten
ab 08.05.2014 im Handel
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Wer bin ich?
Ein Mann findet sich allein in der Wüste von Arizona wieder, einen Sack über dem Kopf, die Hände hinter dem Rücken gebunden – und ohne jede Erinnerung an sich selbst oder was geschehen ist. Während er umherirrt, entdeckt ihn zum Glück eine Frau und holt einen Arzt. Mit ihr gemeinsam geht er dem einzigen Hinweis nach, den er finden konnte: Einem Zettel mit der Aufschrift “Manny Elder” in seiner Hosentasche. Ist er selbst dieser Manny? Als er einen ersten Schritt auf dem Weg zur Lösung tut, findet er sich plötzlich wieder gefesselt in der Wüste – und hat erneut alles vergessen.

Die Handlung klingt wie eine Mischung aus „Täglich grüßt das Murmeltier“ und „Memento“, hat aber vor allem mit erstgenanntem wenig zu tun. Auch wenn der Mann einige Situationen mehrfach durchlebt, sind die Wiederholungen für den Zuschauer minimal – und lustig sind sie sowieso nicht. Denn „Identity Report“ ist ein Mystery-Drama, das sich und dem Zuschauer vor allem eine interessante Frage stellt: Wer sind wir, ohne unsere Erinnerungen? Wie definiert man sich selbst, wenn man all seiner Erfahrungen beraubt ist?

Dem deutschstämmigen Schauspieler Rudolf Martin bei diesem Trip zuzusehen und mit ihm zu rätseln, was ihm widerfahren ist, ist durchweg fesselnd. Seine Handlungen sind in der Regel nachvollziehbar und der Regisseur gibt dem Zuschauer noch ein paar Informationskrümel mehr, um ihn noch weiter zu verwirren. Warum benimmt sich die Frau, die den Mann findet, so seltsam? Wieso hat sie ein Foto von ihm und eine Pistole im Haus? Als Zuschauer tappt man trotz all der Hinweise lange Zeit im Dunkeln.

Also eine echte Indie-Perle? Ja und nein. Die Idee und auch die Machart sind wirklich gelungen, die Schauspieler gut. Nicht zufriedenstellend ist allerdings die etwas gehetzt wirkende Auflösung. Zwar werden alle wesentlichen Fragen geklärt, viele Details bleiben aber offen und in Teilen auch nicht nachvollziehbar. Einige Teile der Handlung sind im Rückblick auch dezent an den Haaren herbeigezogen. Das ändert zwar nichts daran, dass das Rätselraten spannend und die sich daraus ergebenden Fragen tiefschürfend sind, dennoch kann man wohl eher von einem ungeschliffenen Diamanten sprechen, der aber allemal einen Blick wert ist.

Fazit

Identity Report variiert den Aufhänger Gedächtnisverlust auf interessante Weise und spielt geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers. Dabei beleuchtet er die philosophische Frage, was aus uns werden würde, wenn wir aller Erinnerungen und Erfahrungen beraubt sind. Leider werden zum Ende nicht alle Details geklärt, dennoch ein sehenswerter Film, der zum Nachdenken anregt.

Wertung


Pro

  • interessante Idee
  • immer wieder überraschend
  • regt zum Nachdenken an

Contra

  • Ende wirkt überhastet
  • Handlung nicht immer logisch
Kategorien: Filme, Science-Fiction
von Jörg Benne 8.Mai.2014 1.187 x gelesen

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