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    Es müssen nicht immer der Atomkrieg oder Zombies sein, die das Ende der Zivilisation bedeuten. Schon ein simpler landesweiter Stromausfall kann, zumindest zeitweilig, unsere moderne Welt in die Knie zwingen. Das müssen auch die Heldinnen des Post-Apocalypse-Dramas „Into the Forest“ (nicht zu verwechseln mit „Into the Woods“!) erfahren.

    intotheforest_cover

    (c) Capelight Pictures
    Laufzeit: 97 Minuten
    ab 17.02.2017 im Handel
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    Was brauchen wir, wenn die Welt zusammenbricht?
    Nell und Eva leben mit ihrem Vater abgelegen in einem Öko-Haus in den Wäldern der US-Westküste. Nell bereitet sich auf eine Prüfung vor, Eva versucht nach einer Verletzung verbissen ihre Tanzkarriere wieder ans Laufen zu bringen.
    Leider ist die Solaranlage noch nicht installiert, als ein landesweiter Stromausfall auch die Familie trifft. Zunächst behilft man sich noch mit Akkus, aber bald werden die Vorräte knapp und so muss die Familie das letzte bisschen Sprit verbrauchen, um in die Stadt zu fahren. Dort zeigt die Zivilisation schon erste Auflösungserscheinungen. Als dann der Vater auch noch bei einem Unfall ums Leben kommt, müssen die beiden Schwestern allein überleben – und lernen, worauf es wirklich ankommt.

    Ich gebe zu, ich hatte etwas anderes erwartet. Into the Forest ist ein feministisch angehauchtes, existenzialistisches Drama, das sich mehr um philosophische Fragen dreht, als darum, den Zuschauer mit Spannung zu unterhalten. Am ehesten lässt es sich vielleicht noch mit Z for Zachariah vergleichen, wobei der immerhin noch realistisch erschien.

    Mit so etwas Profranem gibt sich Regisseurin und Drehbuchautorin Patricia Rozema jedoch nicht ab. Ihr geht es mehr um kraftvolle, allegorische Bilder als um glaubhafte Handlung und Figuren mit Identifikationspotential. Da können sich Ellen Page (Inception) und Evan Rachel Wood (Westworld) die Seele aus dem Leib spielen, ihre Charaktere bleiben unnahbar und entwickeln sich kaum weiter. Was soll ich auch mit einer jungen Frau anfangen, die Monate nach dem Kollaps der modernen Welt immer noch nichts anderes im Kopf zu haben scheint, als Tanzen zu üben? Wie soll ich die Handlung ernst nehmen, wenn die Vorräte der Mädchen für mehr als ein Jahr reichen, obwohl beim letzten Einkauf die Regale beinahe schon leergefegt waren?

    Im Grunde ist die ganze Post-Apokalypse ohnehin nur ein Rahmen, dem die Regisseurin nicht viel Bedeutung beimisst, das zeigen auch die großen Zeitsprünge im weiteren Verlauf. Sie konzentriert sich ganz auf ihre starken Frauenfiguren, Männer dürfen nur als Beschützer, Verführer und Bedrohung mal kurz auftreten. Was genau uns der Film am Ende sagen will, bleibt offen. Ist es eine Allegorie auf das Erwachsenwerden, den Verlust der Unschuld, das Verlassen des Elternhauses? Ein Plädoyer für den Zusammenhalt in der Familie? Ein Hohelied auf starke Frauen?
    Vor dem eher unbefriedigenden Ende gibt es zwar bemerkenswerte schauspielerische Leistungen und manch erinnerungswürdiges Bild zu sehen, doch die Konflikte im Film sind einfach zu schwach und die Inszenierung zu langatmig, um den Zuschauer zu bannen.

    Fazit

    Wer gern existenzialistische Dramen voller Allegorien a la Terence Malick sieht, bekommt hier ein paar bemerkenswerte Bilder und zwei stark aufspielende Hauptdarstellerinnen geboten. Als Unterhaltungsfilm ist Into the Forest allerdings schwach, dazu ist die Inszenierung zu lethargisch und die Handlung zu unglaubwürdig.

    Wertung


    Pro

    • einige gute Kameraeinstellungen
    • stark aufspielende Hauptdarstellerinnen

    Contra

    • Post-Apokalypse nur Staffage
    • Charaktere bleiben unnahbar und entwickeln sich kaum
    • Handlungsverlauf unglaubwürdig

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 9.Feb.2017 819 x gelesen