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Wenn Animationsfilme nicht aus den USA oder Japan kommen, sind sie oft von minderer Qualität, denkt man. Dieses Vorurteil wurde durch Beispiele wie das armenische „Jets“ oder auch die deutsche „Konferenz der Tiere“ besträrkt. Nun bringt Luc Besson mit „Jack und das Kuckucksuhrherz“ ein animiertes Musical auf Basis eines in Frankreich bekannten Buches. Ist diesem Erfolg beschienen?

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(c) Universum Film
Regie: Mathias Malzieu, Stéphane Berla
Laufzeit: 89 Minuten
ab 07.11.2014 im Handel
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Das tickende Herz
Edinburgh im späten 19. Jahrhundert: Jack wird in der kältesten Nacht der Geschichte geboren, sodass sein Herz hart wie Stein ist. Die Hebamme, bei der ihn seine Mutter zurücklässt, setzt ihm deshalb eine Kuckucksuhr ein und schärft ihm drei Regeln für’s Leben ein: Nie darf er mit den Zeigern seiner Uhr spielen, muss seine Wut stets unter Kontrolle haben und darf sich auf keinen Fall jemals verlieben.
Doch als Jack das erste Mal das Dorf besucht, verliebt er sich in die kurzsichtige Miss Acacia. Er hofft, sie in der Schule wiederzutreffen, doch sie ist fort und er wird dort stattdessen von Joe terrorisiert, der auch in Acacia verliebt ist. Als Jack erfährt, dass Acacia in Andalusien ist, macht er sich auf den Weg. Unterwegs trifft er auf den Filmemacher George Méliès, der ihn trotz der drei Regeln ermutigt, seinen Gefühlen nachzugeben.

In Frankreich sind Mathias Malzieu und seine Band Dinoysos mit dem Musical sehr bekannt geworden, hierzulande ist selbst das Buch eher unbekannt. Der Originaltitel “Die Mechanik des Herzens” passt übrigens deutlich besser, denn natürlich ist das Kuckucksuhrherz eine Allegorie auf die Verletzlichkeit des „Herzens“, gerade in Liebesdingen. Was – gerade als Musical – in eine Schmonzette hätte ausarten können, ist aber ein düster-melancholisches Märchen geworden, dass mit seiner außergewöhnlichen Optik und vielen skurrilen Details vor allem Fans von Tim Burton ansprechen könnte und sich eher an Erwachsene als an Kinder richtet. Die Erzählung erweist sich als sehr abwechslungsreich, mal romantisch, mal skurril. Dazu passt auch die Musik, die klassische Love-Songs, Hard Rock und Rap beinhaltet.

Dass es nicht zum großen Wurf reicht, liegt an der Episodenhaftigkeit der Erzählung. Viele Figuren tauchen nur kurz und ohne jede Einführung auf, bei anderen (z.B. Jack the Ripper) ist ihr Erscheinen völlig unmotiviert und hat mit dem Rest der Geschichte nichts zu tun. So ist z.B. auch Jacks Beruf als Erschrecker ohne jede Bedeutung, abgesehen davon, dass sie dem Film eine rasante Fahrt in der Geisterbahn beschert.
Diese etwas unzusammenhängende Erzählweise und das oft nicht nachvollziehbare Verhalten einiger Figuren führt beim Zuschauer – bei aller Faszination für die ungewöhnliche Optik – zu einer gewissen Distanz. Dabei hätte das Werk durchaus das Potential, ähnlich rührend zu sein wie „Der kleine Prinz“, dem es im Ton manchmal sehr ähnlich ist.

Bemängeln muss man auch die deutsche Umsetzung der Songs. Zu hören sind die englischen (nicht die im Original französischen) Lieder zu denen deutsche Untertitel eingeblendet werden. Diese sind allerdings nicht wörtlich übersetzt, was zu Verwirrung führen kann, wenn man auf englisch etwas anderes hört, als man auf deutsch liest.

Fazit

Jack und das Kuckucksuhrherz ist ein skurriles, romantisches Märchen für Erwachsene, das mit seiner außergewöhnlichen Gestaltung das Zeug zum Kultfilm hätte, wenn die Szenen nicht so episodenhaft aneinandergereiht wirken würden. So entfaltet der Film nicht sein volles emotionales Potential, trotzdem sehenswert.

Wertung


Pro

  • außergewöhnliche Optik
  • skurrile Figuren
  • abwechslungsreiche Musik

Contra

  • Erzählung zu episodenhaft
  • Songtexte im Untertitel nicht 1:1 übersetzt
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Kategorien: Fantasy, Filme
von Jörg Benne 1.Nov.2014 152 x gelesen

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