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    Das spanische Kino ist immer mal wieder für eine Überraschung gut. Als großer Fan von Luis Tosar (Sleep Tight, Zelle 211) hab ich mir den neuen Thriller „Jeder gegen Jeden“ mal angeschaut – auch wenn der mit Phantastik nichts zu tun hat.

    jedergegenjeden_cover

    (c) Koch Media
    Regie: Daniel Calparsoro
    Laufzeit: 97 Minuten
    ab 01.12.2016 im Handel
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    Ein Bankraub mit politischer Sprengkraft
    Fünf Männer stürmen in eine Bank in Valencia. Sie überwältigen Personal und Kunden und machen sich schnell daran, die Schließfächer auszuräumen. Selbst als Alarm ausgelöst wird und die Polizei anrückt, bleiben sie ruhig, denn sie haben einen Tunnel gebohrt, der in die Metro führt. Doch ausgerechnet das Wetter macht ihnen einen Strich durch die Rechnung: Nach tagelangen Regenfällen ist der Tunnel vollgelaufen. Dazu macht sich Misstrauen unter den Bankräubern breit. Ihr Anführer, der Uruguayo, scheint sein eigenes Süppchen zu kochen und es auf ein ganz bestimmtes Schließfach abgesehen zu haben. Dessen Inhalt ruft den Geheimdienst und höchste Regierungskreise auf den Plan und auch auf Polizeiseite weiß bald die linke Hand nicht mehr, was die rechte tut.

    Der Titel Jeder gegen Jeden kommt also nicht von ungefähr. Der Film lebt anfangs von den Spannungen auf beiden Seiten und dem Rätselraten um die Ziele der einzelnen Personen. Ist das geklärt, steht der Thriller-Part im Vordergrund, Action ist eher Nebensache. Wer hier also grandioses Geballer a la „Heat“ erwartet, liegt falsch. Viel mehr versucht der Film einen Balanceakt zwischen humorigem Heist- und ernstem Polit-Thriller. Dementsprechend wird viel geredet und wenig gehandelt, wobei die Dialoge nur selten pointiert sind.

    Aus diesem Kammerspiel hätte man eine Menge rausholen können, doch leider wird einiges an Potential verspielt. Der Plot wirkt etwas zu kompliziert und die Auflösung zu dünn, die Spannungen unter den Bankräubern werden zu schnell beigelegt und die Geiseln sind völlige Nebensache und spielen eigentlich gar keine Rolle. Schauspielerisch wird da nicht viel verlangt, Luis Tosar und der Rest der Besetzung machen ihre Sache aber stets überzeugend.

    Fazit

    Jeder gegen Jeden ist ein Bankraub-Thriller der etwas anderen Art. Actionfreunde werden hier nicht auf ihre Kosten kommen und in Sachen Psycho-Thrill wird einiges an Potential verschenkt. Stattdessen ist der Film eher eine Abrechnung mit der politischen Klasse und funktioniert als Polit-Thriller recht ordentlich, aber nicht mehr.

    Wertung


    Pro

    • zu Beginn gelungenes Verwirrspiel

    Contra

    • Potential der Story wird nicht voll ausgenutzt
    • weder wirklich spannend noch wirklich humorig
    • Auflösung arg dünn geraten

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Allgemein, Filme
    von Jörg Benne 27.Nov.2016 647 x gelesen