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    Filme aus der Ego-Perspektive sind unter Indie-Filmern gerade hip. Man hat dann als Zuschauer ein bisschen das Gefühl, unbeteiligt einen Ego-Shooter zu sehen. Das gilt beim aktuellen Vertreter Kill Switch erst Recht, denn hier gibt es sogar zeitweise noch Munitionsanzeige und auch einen Gesundheitsbalken. Macht ihn das zu einem guten Film?

    killswitch_cover

    (c) Universum/Square One
    Laufzeit: 91 Minuten
    ab 18.08.2017 im Handel
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    Energie aus der Parallelwelt
    Das Jahr 2043: Die Firma Alterplex will die Lösung für die Energieprobleme der Welt gefunden haben. Ein gewaltiger Turm soll Materie aus einer extra erschaffenen Parallelwelt, dem sogenannten Echo, absaugen, in der kein Leben existiert. Pilot Will Porter wird für den Notfall engagiert, um im Echo eventuelle Probleme zu beseitigen.
    Die sind zu Beginn des Films offensichtlich eingetreten. Porter findet sich im Echo wieder, einen seltsamen Würfel im Gepäck. Zu seiner Bestürzung findet er Leichen in der Parallelwelt. Was ist hier geschehen?

    Wir erleben Wills Mission aus seiner Egoperspektive, die durch ein Brain-Interface mit einigen Zusatzinfos angereichert ist. Zu Beginn und immer wieder Zwischendurch erleben wir in Flashbacks die Vorgeschichte, in der erzählt wird, wie Will zu Alterplex kam, welche Probleme er und seine Familie haben usw. Diese Flashbacks erleben wir im normalen Kinomodus, sodass sie ein wenig an Zwischensequenzen in einem Videospiel erinnern und uns den Hauptcharakter etwas näher bringen, der im Ego-Teil recht unnahbar bleibt.

    Kill Switch ist ein mit wenig Budget gemachter SF-Actioner, dem man deutlich ansieht, dass Regisseur Tim Smit bisher vor allem im Bereich Visual Effects gearbeitet hat. Damit wird hier nicht gespart, wobei man aber die ins echte Bild einkopierten CGI-Effekte recht deutlich erkennen kann. Ursprungsidee des Films scheint jedenfalls die durchaus interessante Idee von Gravitationsanomalien zu sein, durch die riesige Objekte wie Schiffe, Flugzeuge oder ganze Züge auf die Welt stürzen oder abgesaugt werden. Das bietet zwischendurch ein paar Eyecandy, kann den Film aber nicht aus dem Durchschnitt retten.

    Denn leider haben die Gravitationsanomalien auch einige (Logik-)Löcher in die ohnehin ziemlich abstruse Geschichte gerissen. Dass im Jahr 2043 überall Autos von heute herumstehen, ist wohl vor allem dem Winz-Budget geschuldet, schadet aber dennoch der Atmosphäre. Warum alles von Will abhängt und wieso man für eine im Grunde doch recht simple Aufgabe überhaupt einen Physiker mit Pilotenschein braucht, wird nie erklärt. Und wieso die Gravitationsanomalien auf riesige Objekte aber nie auf Menschen wirken, wieso Gegner oder Drohnen selbst auf kürzeste Distanz immer daneben ballern und wieso Will immer abwechselnd gefangen genommen oder erschossen werden soll, erschließt sich dem Zuschauer nie so ganz und so verfolgt man das Geschehen desöfteren mit einem Stirnrunzeln. Es fehlt aber auch an Abwechslung. Kurzen Gesprächen folgen immer wieder Gefechte gegen Drohnen oder Soldaten, dann wieder ein Stück des Weges, Unterhaltung, eventuell Flashback, wieder eine Kampfszene (meist wieder eine Drohne) und immer so weiter.

    Vor allem bietet aber die Ego-Perspektive keinerlei Mehrwert. Die Actionszenen sind im Vergleich zu Hardcore simpel und wenig beeindruckend, die Kameraarbeit aber oft trotzdem anstrengend hektisch. Da der Film auch eine Dramakomponente hat, man aber nur Wills Stimme hört, nimmt man dem Film viel seiner möglichen Wirkung, denn Dan Stevens (The Guest) hätte mit seinem Spiel durchaus noch etwas ausrichten können. Neben ihm ist auf dem Bildschirm nur noch das Bondgirl Bérénice Marlohe (Skyfall) bekannt.

    Die Ausstattung der Blu-Ray ist ziemlich mager. Es gibt nur einen 3-Minuten Featurette, in der Regisseur und Hauptdarsteller kurz die Story zusammenfassen.

    Fazit

    Der Film wirkt stellenweise wirklich, als würde man das Let's Play eines nicht besonders abwechslungsreichen Egoshooters beobachten, wobei die Ego-Perspektive hier eher für Distanz als für Immersion sorgt. Auch die reichlich dünne und nicht wirklich durchdachte Story würde zu einem Videospiel passen. Es gibt zwar ein paar nette CGI-Effekte, die sind aber stets deutlich als solche zu erkennen. So ist Kill Switch letzen Endes nur für Fans von Ego-Filmen einen Blick wert.

    Wertung


    Pro

    • einige nette visuelle Einfälle

    Contra

    • einfallsloser Verlauf
    • Action
    • Ego-Perspektive ohne Mehrwert
    • Story ziemlich abstrus und unlogisch

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 11.Aug.2017 1.279 x gelesen