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    Jugendliche als Killer, das ist seit „Kick-Ass“ und „Wer ist Hanna?“ kein wirklich neues Thema mehr. Im japanischen Erwachsenen-Anime „Kite“ wurde das Thema bereits in den 90ern aufgegriffen, nun kommt ein Remake als Low Budget-Realfilm ins Heimkino. Sehenswert?

    kite_cover

    (c) Tiberius Film
    Laufzeit: 90 Minuten
    ab 2.10.2014 erhältlich
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    Düsteres Szenario
    Die Welt ist aus den Fugen geraten, die Wirtschaft und Staaten zusammengebrochen. Gangs und Verbrecher haben das Kommando in den verfallenden Städten übernommen, darunter auch die sogenannten Fleischkartelle, die mit Kindern und Jugendlichen handeln. Ihr Anführer, der sogenannte Emir, hat die Eltern von Sawa (India Eisley) auf dem Gewissen. Obwohl sie sich, abhängig von einer Droge namens Speed, kaum noch an ihre Eltern erinnern kann, will Sawa mit Hilfe des Polizisten Karl (Samuel L. Jackson) den Emir aufspüren und umbringen. Dazu schleust sie sich bei den Mädchenhändlern ein und hinterlässt auf ihrem Rachefeldzug eine blutige Spur.

    Der unbekannte Regisseur Ralph Ziman versetzt uns in eine Endzeit-Welt, die in ihrer Ausgestaltung ein wenig an Mad Max erinnert. Teils futuristische Waffen werden z.B. durch den Einsatz alter Autos konterkariert. Die Handlung spielt aber in den Ruinen einer verfallenden Stadt.

    Zeit uns Sawa näherzubringen, uns zu erklären, wie sie zu dem wurde, was sie ist, nimmt sich der Film nicht. Gleich zu Beginn sehen wir sie im Einsatz und erleben den gnadenlosen Racheengel. Nur selten zeigt das Mädchen Schwächen, so fällt es schwer, sie sympathisch zu finden. Das mag auch daran liegen, dass India Eisley (Underworld: Awakening) beileibe nicht die Ausdrucksstärke anderer Jungmimen hat. Hinzu kommt, dass die Geschichte recht verworren daher kommt und recht früh Plotlöcher auftauchen.

    Insgesamt haben wir es hier mit einem klassischen „Style over Substance“-Vertreter zu tun (wie so oft, bei Anime-Verfilmungen). Dazu passen auch Gewaltspitzen (die ab 16-Freigabe ist recht grenzwertig), die oft gewollt künstlich wirkende Inszenierung und nicht zuletzt der gewohnt coole Samuel L. Jackson. Es fällt aber schnell auf, dass der ständig im treibenden Rhythmus wummernde Elektro-Soundtrack eine Dynamik vorzugaukeln versucht, die die Bilder meist nicht haben, von einigen gelungenen Kampfszenen mal abgesehen.

    Sicher, da wird geballert, geschlagen, gemetzelt und gerannt, aber es gelingt dem Regisseur einfach nicht, das Ganze so packend zu inszenieren, dass es den Zuschauer wirklich mitnimmt. Stattdessen verfolgt man das Geschehen und die Aktionen der Figuren seltsam distanziert, nimmt die vorhersehbare Wendung mit einem Schulterzucken zur Kenntnis und hat den platten Inhalt schon vor Ablauf der Credits wieder vergessen. Das wird dem ernsten Thema Mädchenhandel in keinster Weise gerecht.

    Fazit

    Allzu bemüht versucht Regisseur Ziman hier cooles Actionkino a la Sin City oder Kick-Ass zu inszenieren, scheitert aber nicht nur an seiner eigenen, oft zu gekünstelt wirkenden Inszenierung, sondern auch an der wenig überzeugenden, vorhersehbaren Geschichte und den schablonenhaften Figuren. Deshalb nicht mehr als ein Durchschnitts-Rachefilm.

    Wertung


    Pro

    • glaubwürdig, bedrückende Zukunftsvision
    • gewohnt cooler Samuel L. Jackson
    • ein paar ordentliche Kampfszenen

    Contra

    • keine Verbindung zur Hauptfigur
    • schablonenhafte, flache Charaktere
    • Wendung allzu vorhersehbar

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 20.Sep.2014 4.824 x gelesen