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    Regisseur Gore Verbinski, Produzent Jerry Bruckheimer und Hauptdarsteller Johnny Depp sind ein eingespieltes Team, das Disney mit der „Fluch der Karibik“-Saga Milliardeneinnahmen beschert hat. Nun wollte man wohl mal was anderes machen und hatte die eigentlich gar nicht so dumme Idee, das Fluch der Karibik-Konzept 1:1 in den Wilden Westen zu übertragen. Es zeigt sich jedoch: Mit über 200 Mio $ Budget kann man aber auch im Wüstensand Schiffbruch erleiden.

    Sympathischer Loser und durchgeknallter Indianer
    John Reid ist Staatsanwalt. Während sein Bruder als Texas Ranger revolverschwingend durch die Prärie reitet, ist Johns Waffe das Gesetzbuch. Als er den Verbrecher Butch Cavendish in sein entlegenes, gerade von der Eisenbahn erschlossenes Heimatkaff überführt, ändert sich sein Leben schlagartig. Cavendish gelingt die Flucht, Reid schließt sich den Texas Rangers an und gerät in einen Hinterhalt, in dem alle (einschließlich sein Bruder) umkommen.
    Doch das Schicksal gibt John Reid eine zweite Chance – und stellt dem „Seelenwanderer“ den schrulligen Indianer Tonto zur Seite, der mit Cavendish auch noch eine Rechnung offen hat.

    Die Geschichte, die im Folgenden erzählt wird, ist so alt wie das Wild-West-Genre selbst. Raffgierige Eisenbahner, vertriebene Indianer, ein sagenumwobener Schatz und ein aufrechter Gesetzeshüter, der sich den Schurken entgegenstellt, das könnte auch von Karl May stammen. Durch den tollpatschigen Reid und den ziemlich kruden Tonto bekommt das Ganze aber eine eher komödiantische Richtung und nimmt sich nur selten ernst.
    So weit, so gut. Doch Disney wollte unbedingt ein „All-in-One“: Wilder Westen, Pferde, Megaaction, das alles aber bitte auf familienfreundlichem Niveau. Und tatsächlich bietet Lone Ranger auch von allem ein bisschen – aber es passt nichts zusammen.

    Klar, da sind klamaukige Gags, die Kinder herzlich lachen lassen. Aber wenn dann angedeutet wird, wie Cavendish einem noch lebenden Gegner den Leib aufschlitzt und sein Herz verspeist, bleibt den Kleinen dann das Lachen doch im Hals stecken. Oder es wird ernsthaft darüber reflektiert, wie die Weißen die Indianer aus wirtschaftlichen Gründen übervorteilt und vertrieben haben. Man lässt die Ureinwohner sogar tapfer in eine aussichtslose Schlacht reiten, in der sie zu Dutzenden von einem Maschinengewehr niedergemäht werden (hach wie kindertauglich) – und macht dann jeden Anflug von Nachdenklichkeit mit dem nächsten Flachwitz wieder zunichte.
    Sicher, es gibt einige sehenswerte Actionszenen, aber die Ödnis von Texas hat außer Pferden und Eisenbahn eben nicht viel zu bieten, und so füllten die Macher die 136 Minuten auch mit allerlei Wiederholungen und es wird nicht nur einmal auf dem Dach eines Zuges herumgeturnt, der außer Kontrolle ist.

    Das ganze „Passt nicht zusammen“ des Films wird auch bei den Darstellerriege sichtbar. Da castete man eine gewohnt großartige Helena Bonham Carter für eine Winzrolle, die für den Film vollkommen belanglos ist und besetzt die Hauptrolle mit Nobody Armie Hammer, der den Tollpatsch Reid zwar durchaus sympathisch rüberbringt, aber irgendwie keinerlei Präsenz hat. Johnny Depp hingegen fällt zum Thema Schrulligkeit auch nichts Neues mehr ein. Würde man Tonto die Schminke vom Gesicht wischen und einen Piratenhut aufsetzen, hätte man 1:1 Jack Sparrow vor sich was Mimik und Gestik angeht.

    Fazit

    Lone Ranger will nach dem „Viel hilft viel“-Prinzip alles und jeden beglücken und ist dabei zu einem schlecht gerührten Cocktail geworden, der zwar hier und da zu unterhalten weiß, aber insgesamt total überfrachtet und unzusammenhängend daherkommt. So werden letzten Endes wohl kaum jemandes Erwartungen zur Gänze erfüllt und die 136 Minuten wirken trotz technischem Bombast nur durchschnittlich.

    Wertung


    Pro

    • technisch sehr gut umgesetzt
    • einige gelungene Gags
    • Johnny Depp gewohnt schrullig

    Contra

    • Actionszenen wiederholen sich
    • einige Gags sehr platt
    • Johnny Depp ZU gewohnt
    • kein roter Faden in der Geschichte

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Abenteuer, Filme
    von Jörg Benne 2.Dez.2013 1.507 x gelesen

    Lone Ranger
    Publisher Disney
    Regie Gore Verbinski
    Genre Action Western
    Länge136 Minuten
    Altersfreigabeab 12 Jahren
    Weitere Infos
    Termine
    DVD/Blu-Ray05.12.2013 Kaufen
    Kino08.08.2013
     

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    vom 18.Apr.2013 0 Kommentare