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    Immer wieder haben Schauspieler erfolgreich den Sprung auf den Regiestuhl geschafft. Diesen Schritt versucht nun auch Ryan Gosling (Drive). Zu seinem Debüt Lost River steuerte er gleich auch noch das Drehbuch bei.

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    (c) Tiberius Film
    Laufzeit: 91 Minuten
    seit 08.10.2015 im Handel
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    Eine dem Tode geweihte Stadt
    Nachdem ein ganzer Ortsteil für ein Reservoir geflutet wurde, geht es mit Lost River bergab. Hier lebt die alleinerziehende Billy mit ihren beiden Söhnen. Sie plagen wegen der Wirtschaftskrise finanzielle Sorgen. Der neue Banksachbearbeiter Dave rät ihr zu einem Job in einem zwielichtigen Etablissement.
    Derweil gerät ihr älterer Sohn Bones, der aus leerstehenden Gebäuden Kupfer holt, mit Bully aneinander, der die verfallende Stadt für sich beansprucht und auch nicht vor radikaler Gewalt zurückschreckt, um sein Territorium zu verteidigen. Ist die Straße, die in den überfluteten prähistorischen Park führt, vielleicht die Lösung für alle Probleme?

    Was uns Ryan Gosling hier präsentiert ist Arthouse-Kino in Reinkultur. Eine klare Geschichte mit Struktur, am besten noch drei Akten, klaren Figuren und einem Höhepunkt am Schluss? So etwas gibt es hier nicht. In der Tradition von David Lynch (einiges gemahnt hier an den Meister, vor allem an „Blue Velvet“) aber auch Winding Refn (mit dem Gosling schon mehrfach zusammengespielt hat) erschafft Gosling eine Traumwelt, die mit eindrücklichen Bildern und einer bedrückenden Atmosphäre den Zuschauer fesselt – zumindest seine Augen und seine Ohren. Sowohl die Kameraarbeit als auch der Soundtrack sind allererste Güte, das wird wohl kaum jemand bestreiten.

    Über den Inhalt des Films lässt sich allerdings trefflich streiten. In Cannes wurde der Film ausgebuht, viele Kritiker zerfetzen ihn, während andere ihn als großartigen Fiebertraum loben und Gosling einen Geniestreich attestieren. Offen gestanden: ich kann beide Seiten gut verstehen. Ob man den Film nun wegen des großen Interpretationsspielraums lobt oder eben verdammt, weil man mit dem auf den ersten Blick konfus wirkenden Story-Gebilde als nach Unterhaltung suchender Zuschauer sehr allein gelassen wird, liegt allein am Zuschauer.

    Wer kompromissloses Kunstkino wie „Lost Highway“ mag, über das man weit länger diskutieren kann, als die Laufzeit dauert, kann mal einen Blick riskieren. Wer jedoch bei David Lynch schon abwinkt, sollte sich diesen Film nicht ansehen, er wird sicher nicht glücklich werden.

    Fazit:
    Lost River ist Arthouse-Kino in Reinkultur. Tolle Bilder, packender Soundtrack, gute Schauspieler – aber eine äußerst krude Geschichte mit viel Interpretationsspielraum. Ein polarisierender Film, den man nur grandios oder totlangweilig finden kann – daher bei uns ohne Wertung.

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    Kategorien: Fantasy, Filme
    von Jörg Benne 12.Okt.2015 2.899 x gelesen