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    Knapp 14 Jahre ist es her, als Eduardo Sanchez im Jahr 1999 quasi über Nacht ein Subgenre populär machte. Mit seinem 60.000 Dollar teuren Film The Blair Witch Project begeisterte er die Massen und spielte weltweit fast 250 Mio. Dollar an den Kinokassen ein. Eine Bestmarke, die seither nicht einmal von dem gehypten Paranormal Activity-Franchise geknackt werden konnte. Sanchez ließ es danach eher ruhig angehen, was möglicherweise auch ein Anlass ist, mit gesteigertem Interesse sein neues Werk Lovely Molly unter die Lupe zu nehmen. Kann Sanchez erneut überraschen?

    lovelymolly_cover

    USA 2011
    (c) Universum Film
    Laufzeit: 96 Minuten

    Verkauf ab 26.7.2013
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    Das Gesicht des Bösen

    Molly (Gretchen Lodge) und Tim (Johnny Lewis) sind frisch verheiratet und ziehen in Mollys Elternhaus, das ihr Vater ihr hinterlassen hat. Alles scheint perfekt zu sein, bis sie nachts Schritte im Haus hören und irgendetwas ihre Alarmanlage auslöst. Die beiden gehen zunächst von einem Fehlalarm aus. Als Tim für ein paar Tage verreist, bleibt Molly allein in dem Haus zurück. Die Angst und die Einsamkeit wecken schmerzhafte Erinnerungen in ihr. Während Tims Abwesenheit passieren immer mehr seltsame Dinge und Mollys psychischer Zustand verschlechtert sich immens. Sie ist sich sicher, dass etwas Böses in ihrem Haus wohnt. Freunde und Verwandte sind erschrocken von Mollys beängstigendem Verhalten. Doch je mehr sie versuchen, ihr zu helfen, desto weiter scheint sich Molly zurückzuziehen. Sind es Spuren des Entzugs oder hat das Böse Macht über Molly ergriffen?

    Probleme an mehreren Fronten

    Die Werbezitate auf dem Cover versprechen Grusel und Furcht beim Zuschauer, tun dem Film damit aber nur bedingt einen Gefallen. Wir haben es hier nicht mit einem waschechten Geisterfilm zu tun. Stattdessen kann man das Geschehen auch durchaus als düsteres Drama sehen, in dem eine Frau nach überstandener Drogensucht in das Haus ihrer Eltern zieht und dort mit Erinnerungen an ihre traumatische Kindheit konfrontiert wird, die sie nach und nach immer mehr den Verstand verlieren lassen. Bis zuletzt kann man alles so interpretieren, dass es sich nur in Mollys Kopf abspielt. Schauspielerin Gretchen Lodge widmet sich ihrer Rolle mit wortwörtlich vollem Körpereinsatz, räumte dafür schon ein paar kleinere Preise ab und qualifiziert sich auf jeden Fall für höhere Aufgaben.

    Eine solche stellt Lovely Molly jedenfalls nicht dar. Sanchez inszenierte sein Werk vorwiegend als klassischen Spielfilm und lässt Handkamera-Elemente nur am Rande vorkommen. Das Ganze wirkt oft leblos, kalt, distanziert und steril. Zudem werden hier zu viele Themen angeschnitten: Missbrauch, Dämonen, Drogen, Eheprobleme und Psychosen. Andere Filme sind schon mit einem davon ausreichend versorgt und Lovely Molly scheitert in dem Versuch, alles in sich zu vereinen. Wirkliches Mitgefühl für die Figuren entsteht kaum und Logiklöcher verärgern auch jene Zuschauer, die dem Plot konzentriert folgen. Die 18er-Freigabe für den Film sollte bei Splatterfreunden übrigens keinen erhöhten Pulsschlag provozieren, denn die generelle Thematik war hier wohl primär ausschlaggebend. Die wenigen blutigen Momente eignen sich eher weniger für solche Anforderungen.

    Was bei Lovely Molly besonders irritiert, ist, dass das Bonusmaterial auf der DVD und Blu-ray eine weitaus größere Rolle spielt als üblich. Es ist regelrecht nötig für das Verständnis der Story des Hauptfilms, weil sie einiges an Hintergrundinfos über Story und Figuren bieten, die das Geschehen besser nachvollziehbar machen. Warum ist so was nicht schon im Film verarbeitet und wieso erlegt man dem Zuschauer Überstunden auf, um sich einen besseren Reim auf das zuvor Gesehene zu machen? Das ist ein dicker Minuspunkt, der nicht gerade dafür spricht, dass Lovely Molly ein in sich schlüssiges, komplettes Werk darstellt.

    Fazit

    Es bleibt abzuwarten, ob Eduardo Sanchez nochmal an seinen früheren Erfolg anknüpfen kann. Lovely Molly hat, abgesehen von seiner talentierten Hauptdarstellerin, leider nichts zu bieten, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Zuviel wird angedeutet und nicht genug erklärt. Dass hierfür das Bonusmaterial herhalten muss, spricht schon Bände.

    Wertung


    Pro

    • tolle Hauptdarstellerin

    Contra

    • zu viele Themen angerissen
    • Logiklöcher, fehlende Erklärungen...
    • ...die man sich dann im Bonusmaterial holen soll

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Roman Beele 16.Jul.2013 5.555 x gelesen