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    YouTuber fordern sich gegenseitig zu absurden Challenges heraus, um neue Abonnenten zu bekommen, im TV entscheiden die Zuschauer, wer aus dem Dschungelcamp die nächste Ekelprüfung ablegen soll und in Japan laufen noch viel krasse „Game-Shows“, bei der sich die Kandidaten für den kurzen Ruhm oder eine Geldpreis erniedrigen. Bei Nerve kann das jedermann tun, der ein Handy hat. Wo zieht man dabei die Grenze?

    nerve

    (c) Studiocanal
    Laufzeit: 93 Minuten
    ab 19.01.2017 im Handel
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    Hauptsache viele Likes
    Venus ist ein eher schüchternes Mädchen, das Spaß an der Fotografie hat und kurz vor dem College steht. Ihre Freundin Sydney bittet sie, ihr beim neuen Handyspiel Nerve als „Watcher“ zu folgen. Bei dem Spiel muss man Challenges anderer Zuschauer erfüllen und das mit dem Handy live ins Netz streamen. Bei Erfolg bekommt man dafür Geld. Wer am Ende die meisten Zuschauer hat, erreicht das große Finale. Dabei nutzt das Spiel alle Informationen, die es über die „Player“ im Netz finden kann, sodass mancher mit seinen schlimmsten Ängsten konfrontiert wird.
    Venus ist davon wenig angetan, aber als Sydney sie herausfordert, will sie ihr beweisen, dass sie auch selbst ein „Player“ sein kann und akzeptiert die erste Challenge: Sie soll in der Stadt einen Unbekannten küssen. Sie entscheidet sich für den charmanten Ian – doch es erweist sich, dass der selber ein Nerve-Spieler ist. Schnell finden die Watcher gefallen an dem Player-Pärchen und schicken sie auf weitere Challenges. Venus hat zunächst Spaß an der Sache, aber Ian hat ein Geheimnis.

    Nerve basiert auf dem gleichnamigen Jugendroman von Jeanne Ryan und greift die Like- und Follower-Geilheit der Generation Smartphone auf. Das ganze wirkt dabei erschreckend realistisch, im Grund geht man im Film nur zwei Schritte weiter als es in der Realität schon üblich ist, wo Pseudo-Promis ihren Narzissmus nur dadurch befriedigen können, dass sie durch „tolle“ Beiträge neue Likes ergattern.

    Wer nun eine Moralpredigt über die Smartphone-Nutzung an sich erwartet, liegt hier jedoch falsch. Der Film richtet sich vornehmlich an ein jugendliches Publikum, ist laut, schrill, bunt und sehr technik-affin inszeniert. Natürlich will man da seine Zuschauer nicht verprellen, indem man ihr liebstes Spielzeug verteufelt. Man belässt es allein an der Kritik am Voyeurismus und an der Geilheit auf die Pseudo-Betätigung von völlig unbekannten „Freunden“, die einen genauso plötzlich fallenlassen können, wie sie einen toll fanden.

    Die Hauptfiguren sind sympathisch (auch wenn man Emma Roberts (American Horror Story) die Rolle der zuerst schüchternen Venus nicht wirklich abnimmt) und der Spannungsbogen straff. Sicher, die Story offenbart bei näherem Hinsehen ein paar Ungereimtheiten und Technik-Nerds werden ob der Simplifizierungen einige Male mit den Augen rollen, aber der Film ist gute Unterhaltung mit einer richtigen Botschaft – kein Meilenstein, aber sehenswert. Die Inszenierung mit flotter Pop-Musik, grellen Farben und authentischer Sprache („Hey, das ist Fake“ – „Du bist so eine Bitch“ …) ist allerdings sicher nicht jedermanns Sache.

    Fazit

    Nerve ist ein Jugend-Thriller rund um Social Media, der seine richtige Botschaft in eine unterhaltsame, wenn auch nicht immer logische Story verpackt und einen straffen Spannungsbogen bietet. Die Inszenierung richtet sich aber vor allem an jugendliche Zuschauer, ältere Semester könnte einiges sauer aufstoßen und Handy-Hasser sind hier definitiv falsch.

    Wertung


    Pro

    • gute Story, die ihre Botschaft gut verpackt
    • straff inszenierte Handlung
    • sympathische Hauptfiguren

    Contra

    • bei näherem Hinsehen einige Ungereimtheiten

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Science-Fiction
    von Jörg Benne 14.Jan.2017 700 x gelesen