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    Regelmäßige Videothekenbesucher werden das übliche Rezept des durchschnittlichen Serienkillerslashers wohl schon im Schlaf aufsagen können: Ein meistens mysteriöser Mörder legt sich eine passende Verkleidung und eine Lieblingswaffe zu und beginnt dann in dieser Montur, eine Gruppe von zumeist noch recht jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren zu dezimieren. Gerne auch kreativ und blutig, man will sich ja von den anderen Genrekollegen irgendwie abheben. Scream und Co. wirken auch heute noch stilbildend und noch immer kommen mit zuverlässiger Regelmäßigkeit neue Filme heraus, die nach diesem Schema verfahren. Doch was ist, wenn man den Spieß mal umdreht? Wenn das Ganze nicht stur aus der Opferperspektive gezeigt wird, sondern tatsächlich mal dem Killer zunächst Unrecht widerfährt und er daraufhin zurückschlägt? Klingt interessant, dachte sich wohl auch Ryuhei Kitamura, der schon anno 2008 mit seinem US-Debüt The Midnight Meat Train für Aufsehen sorgte. Wie schlägt sich sein zweiter Ausflug ins Serienkillergenre?

    noonelives

    (c) Sunfilm
    Regie: Ryuhei Kitamura
    Laufzeit: 84 Minuten
    Verkauf ab 02.10.2013
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    Wenn Jäger zu Gejagten werden

    Ein junges Paar ist auf der Durchreise in einem kleinen Ort, als sie von einer Gruppe brutaler Einheimischer von der Straße abgedrängt und entführt werden. Einer von ihnen hält sie in einem Schuppen gefangen, als bei einem seiner grausamen Spielchen die junge Frau getötet wird. Währenddessen entdecken die anderen, im Auto versteckt, die vor vielen Monaten entführte Emma. Als die Gruppe dann auch noch ihren Kollegen bestialisch ermordet neben der toten Frau in dem Schuppen findet, merken sie schnell, mit wem sie es wirklich zu tun haben. Der verschwundene junge Mann ist ein berüchtigter Serienkiller. Und dieser will nun seine Geisel zurückhaben und seine tote Freundin rächen, nach dem Motto: Niemand überlebt!

    Erfrischende Belebung für ein ausgelutschtes Konzept

    Normalerweise fiebert man ja mit der Gruppe Menschen mit, die von einem sadistischen Serienkiller bedroht und dezimiert werden. Es liegt in der Natur der Sache, Sympathien für die unschuldigen und hilflosen Underdogs zu hegen. Doch es ist ein Glück, dass die Gang, die hier zu Opfern wird, fast ausschließlich aus kriminellen Kotzbrocken besteht, die in ihrem eigenen Film sicherlich die Rolle der Bösewichter innehätten. Das ist ein sehr effektiver Kniff, dessen sich No One Lives hier bedient, denn nun kann man seine Sympathien für den mordenden Killer, der ihnen gegenübersteht, ganz offen zeigen. Keine Sorge, ein Spoiler ist dies wirklich nicht, denn was der Trailer schon andeutet, ist spätestens nach einer Viertelstunde auch im Film klar. Die einzig wirklich zur Heldin geeignete Figur neben dem charismatischen Luke Evans als namenlosem Psychopathen, der mit enormer Präzision und Kaltblütigkeit seiner Tätigkeit nachgeht, ist seine ehemalige Geisel Emma (Adelaide Clemens), die erfreulicherweise auch nicht das verängstigte Dummerchen gibt, das kopflos ins Verderben rennt, sondern aufgrund ihrer Erlebnisse in der Gefangenschaft zur abgebrüht-berechnenden Gegenspielerin wird. Die restlichen Protagonisten kann man fast alle hassen und das macht ihren zwangsläufig lebensgefährlichen Werdegang umso befriedigender für den Zuschauer.

    Kitamura bewies schon mit Midnight Meat Train eindrücklich seine Vorliebe für teils äußerst drastische Gewalteinlagen. Es überrascht also nicht, dass No One Lives auch nicht zimperlich daherkommt und in Deutschland lediglich in einer um ca. 1,5 Minuten geschnittenen Fassung ab 18 Jahren erscheint. Gleichzeitig sorgt das Label NSM für Uncut-Abhilfe in Österreich, (verlangt dafür aber einen stattlichen Preis). Dabei sind die brutalen Szenen, anders als noch in MMT, fast immer handgemacht, was Genrefreunden munden dürfte, die genug von billig getricksten Computereffekten haben.

    Fazit

    No One Lives macht Spaß, weil er einen Perspektivwechsel gewährt und in all dem Einheitsbrei allein schon dadurch heraussticht. Atmosphärisch bekommt man ebenfalls gehobene Kost geboten. Die Kameraarbeit fängt tolle Einstellungen ein, die Story bietet keinen Leerlauf und hält so die Spannung auf konstantem Niveau. Dazu hat man mit Luke Evans einen charismatischen Antihelden, der es dem Zuschauer leicht macht, seine Sympathien zu verteilen. Natürlich gewinnt man ansonsten keinen Innovationspreis mit dem Dargebotenen, aber kann schon klar als kleines Highlight im Subgenre des Serienkillerfilms bezeichnet werden. Schade ist allenfalls noch, dass die deutschen Veröffentlichungen geschnitten sind, doch auch dafür gibt es ja Auswege. Der Film ist sicher bald kein Geheimtipp mehr.

    Wertung


    Pro

    • interessanter Perspektivwechsel
    • charismatische Figuren
    • harte Gewalteinlagen, Story hat aber ebenso Gewicht

    Contra

    • storytechnisch sind aber keine Innovationen zu erwarten
    • deutsche Fassung ist leider geschnitten

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Roman Beele 14.Sep.2013 1.575 x gelesen