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Robert A. Heinlein (gestorben 1988) war ein berühmter SF-Autor. Sein bekanntestes Werk sind wohl die „Starship Troopers“, aber er hat auch für viele andere Romane und Kurzgeschichten Preise gewonnen. Dazu gehört die Geschichte „All You Zombies“ aus dem Jahr 1959 zwar nicht, sie bildet aber die Vorlage für den Film Predestination.

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(c) Tiberium Film
Regie: The Spierig Brothers
Laufzeit: 97 Minuten
ab 05.02.2015 im Handel
Trailer ansehen / Bei Amazon bestellen

Die Henne oder das Ei?
Ein Zeitpolizist aus der Zukunft (Ethan Hawke) versucht seit langem den sogenannten Fizzle Bomber zu stoppen, der mit seinen Anschlägen hunderte Menschen auf dem Gewissen hat und im Jahr 1975 einen Terroranschlag verüben wird, der mehrere Blocks von New York in Schutt und Asche legt. Doch sein jüngster Einsatz schlägt drastisch fehl.
Bei einem neuerlichen Versuch, den Bombenleger aufzuspüren, gibt er sich als Barkeeper aus. Er trifft auf einen seltsamen Mann, der unter dem Pseudonym „Die unverheiratete Mutter“ Geschichten verfasst und behauptet, seine eigene Lebensgeschichte sei krasser als alles, was der Barkeeper je vernommen habe. Doch als der Mann seine Geschichte erzählt hat, hat der Barkeeper eine Überraschung für ihn.

Während des Gesprächs an der Bar gibt es einen Dialog, der das Kern-Thema des Films, Zeit-Paradoxien, treffend zusammenfasst: „Wer war zuerst da, die Henne oder das Ei?“, fragt der Barkeeper. „Der Hahn“, antwortet der Gast. Predestination dreht sich nicht um Action und schert sich auch nicht um Logik, er treibt viel mehr das Thema Zeitparadoxon konsequent auf die Spitze und dürfte im Finale wohl so ziemlich jeden Zuschauer überraschen.

Ob man die Handlung nun „intelligent und herausfordernd“ oder einfach nur „unlogisch und doof“ findet, hängt sicher auch von der eigenen Erwartungshaltung ab. Hier müssen sich die Marketing-Leute vorwerfen lassen, mit dem auf Thrill gebürsteten Trailer falsche Erwartungen geweckt zu haben. Zwar gibt es eine kurze Actionsequenz zu Beginn, danach wird aber fast 45 Minuten lang in einer Bar geredet und in Rückblenden die Geschichte des Gastes erzählt, die zwar krass aber nicht unbedingt spannend ist. Da fragt man sich zwischendurch schon mal, wann der Film denn endlich zur Sache kommt. Die zweite Hälfte entschädigt hier zwar mit Spannung und so einigen Twists, aber die Erwartungshaltung, die der Trailer generierte, erfüllt man nie.

Zum anderen hat man der ohnehin nicht nach Logik heischenden Kurzgeschichte – aus der man zum Teil Dialoge 1:1 übernommen hat – mit der Jagd nach dem Fizzle Bomber ein Element hinzugefügt, das einerseits unnötig ist und andererseits das wirre Konstrukt nur noch unlogischer macht. Wer schon bei Looper die Augen wegen der verqueren Logik verdrehte, wird hier am Ende nur noch den Kopf schütteln.

In der Umsetzung ist der Film aber gut gemacht, die wenig bekannte Sarah Snook macht mit ihrer Performance nachhaltig auf sich aufmerksam und auch Ethan Hawke spielt seinen Part routiniert. Bemängeln muss man allerdings die Abmischung des Tons, zumindest bei der vorliegenden Blu-Ray-Fassung. Die Hintergrundmusik ist teilweise so laut, dass man die Dialoge kaum verstehen kann.

Fazit

Predestination ist eher Drama und Gedankenexperiment als Thriller und treibt das „Henne und Ei“-Gedankenspiel auf die Spitze. Bedauerlich, dass man der Logik dabei keinerlei Raum lässt und die Kurzgeschichte unnötigerweise um die Bomber-Story erweiterte, die es nur noch schlimmer macht. Wer auf Mindfucks steht und auf Logik verzichten kann, bekommt nach einer etwas drögen ersten Hälfte dennoch einen interessanten SF-Film serviert, der aber die Thriller-Erwartungen, die der Trailer erweckt hat, nicht erfüllen kann.

Wertung


Pro

  • verquere Story, die wohl jeden überraschen wird
  • interessantes Gedankenexperiment
  • tolle Hauptdarstellerin

Contra

  • Jagd auf Bombenleger unnötig
  • erste Hälfte etwas zu dröge inszeniert
  • gänzlich unlogisch
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Kategorien: Filme, Science-Fiction
von Jörg Benne 13.Feb.2015 1.951 x gelesen