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    Auch wenn es erst ein paar Jahre her ist, dass John Cusack einen Stern auf dem Walk of Fame bekam, hat der Mime seine besten Zeiten (Being John Malkovich, Identity, Das Urteil …) scheinbar hinter sich. In großen Blockbustern darf er allenfalls noch Nebenrollen spielen, dafür dreht er am Fließband B-Movies. Ein Beispiel dafür ist die vorliegende Stephen King-Verfilmung „Puls“ – wobei B-Movie hier noch zu hoch gegriffen ist.

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    (c) Concorde Film
    Laufzeit: 94 Minuten
    ab 17.01.2016 im Handel
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    Wenn das Handy irre macht
    Comiczeichner Clay ist gerade am Flughafen von Boston angekommen, als das totale Chaos ausbricht. Alle Menschen, die gerade am Smartphone hängen, drehen plötzlich völlig durch und stürzen sich auf andere. Wer per Handy Hilfe holen will, wird durch einen Pulston ebenfalls wahnsinnig. Clay hat das Glück, dass gerade sein Akku leer ist, kann sich aber nur mit knapper Not vor den Irren in die U-Bahn retten. Zusammen mit Lokführer Tom macht er sich nach Norden auf, wo seine Frau und sein Sohn wohnen. Dabei beobachten die beiden, denen sich bald noch ein Mädchen und ein Junge anschließen, dass die Irren, die sie „Phoner“ nennen, sich organisieren und wie in Schwärmen agieren. Wer oder was steckt hinter alldem?

    Stephen King veröffentlichte seinen Roman schon 2006, noch bevor das iPhone auf den Markt kam und lange bevor der Begriff Smombie geprägt wurde – und auch bevor die Zombiewelle dank The Walking Dead einen neuen Höhepunkt erreichte. Denn letzten Endes ist „Puls“ ein klassischer Zombiefilm, nur sind hier eben die Handys und nicht irgendein Virus die Ursache. War die Geschichte damals recht visionär, wirkt sie jetzt wie „noch ein Zombiefilm“, der einzig mit Kritik an der modernen Smombie-Gesellschaft punkten kann. Aber das ist eigentlich das kleinste Problem.

    Schon die Vorlage gilt nicht unbedingt als ein King-Meisterwerk, aber was daraus gemacht wurde ist schlichtweg ein Desaster – und zwar auf fast allen Ebenen. Das Drehbuch legt den klischeehaften Charakteren oft sinnfreie Dialoge in den Mund, lässt ständig Dramatik-Potential ungenutzt und wirkt planlos hingeschustert – obwohl King selbst daran mitgearbeitet hat. So fangen die Figuren mitten im Film an von „Phonern“ zu sprechen, ohne das der Begriff je eingeführt wurde. Noch absurder wird es bei der Person, die allen Hauptfiguren im Traum erscheint. Hier wurde offenbar eine Änderung gegenüber dem Roman vorgenommen, die aber einfach nicht erklärt wird. Das (ebenfalls gegenüber der Vorlage geänderte) Ende schlägt dem Story-Fass dann den Boden aus: Es lässt den Zuschauer völlig ratlos zurück – und das, nachdem die Frage „Wer oder was steckt dahinter“ so ziemlich das einzige war, was zum Durchhalten animiert.

    Denn auch die Inszenierung ist grauenhaft schlecht. Von wenigen Lichtblicken abgesehen hat Regisseur Tod Williams (Paranormal Activity 2) keine Ideen und schneidet viele Szenen derart abrupt um, dass sie ihrer Wirkung beraubt werden. Die Darsteller tun ihr bestes, aber Cusack hat wirklich schon bessere Leistungen gezeigt. Eine echte Katastrophe sind allerdings die digitalen Effekte. Die sind dermaßen billig und offensichtlich, dass es vor zehn Jahren schon peinlich gewesen wäre, heute so etwas anzubieten, grenzt schon an Frechheit. Das können viele Hobbyfilmer bei YouTube deutlich besser.

    Fazit

    Es gibt einige schlechte King-Verfilmungen, Puls reiht sich aber ganz vorn in diese Liste ein. Hier stimmt einfach gar nichts, Drehbuch, Regie, Schnitt und vor allem die Effekte sind unterirdisch. Selbst eingefleischte Handy-Hasser, die sich von der Story angesprochen fühlen, sollten einen Bogen um diesen Film machen und sich stattdessen lieber die Buchvorlage zu Gemüte führen.

    Wertung


    Pro

    • interessante Grundidee
    • hier und da Kritik an der Smartphone-Gesellschaft

    Contra

    • Drehbuch konfus, Dialoge oft sinnfrei
    • Ende verwirrend, fast alle Fragen bleiben offen
    • Regie ideenlos, Schnitt amateurhaft
    • digitale Effekte grausig schlecht

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 13.Jan.2017 873 x gelesen