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    Insbesondere, wenn es um die Erzählstruktur einer Geschichte geht, unterscheidet sich der asiatische Film deutlich von seinem internationalen Pendant. Es darf gerne auch mal etwas abstrakter sein, dem Zuschauer wird mehr Denkleistung abverlangt und auch wird in Kauf genommen, dass sich lange nicht alles erschließt. Ist die Story an sich dann auch nicht zwangsläufig in der Realität angesiedelt, sondern im Fantasy-Bereich zuhause, kann das für westliches Publikum bisweilen zu einem komplizierten Unterfangen werden. Schließlich ist man durch die unzähligen US-Produktionen (und ihre stilistischen Abkupferungen aus anderen Ländern) gewohnt, dass der Großteil des Geschehens jederzeit nachvollziehbar erklärt wird. Nichtsdestotrotz gibt es auch in der westlichen Hemisphäre genug Cineasten, die asiatische Filmkost gerne goutieren. Für die ist auch Rigor Mortis – Leichenstarre durchaus mal einen Blick wert, auch, wenn der mit der oben geschilderten Problematik mehr als einmal zu kämpfen hat.

    rigormortis

    (c) Ascot Elite
    Regie: Juno Mak
    Laufzeit: 100 Minuten
    ab 15.04.14 erhältlich
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    Geister, Vampire und Rituale

    Siu-ho hat Frau und Sohn verloren und will sich in seinem neuen Hochhausapartment per Strick um den Hals umbringen, als ihm der alte Yau in letzter Sekunde das Leben rettet. Nebenbei wehrt Yau auch noch Geister ab, die Besitz von dem beinahe toten Siu-ho ergriffen hatten und schon wird klar: in diesem Hochhaus geht mehr vor sich, als es scheint. Besagtes Apartment stand lange leer und die Geistererscheinungen zweier toter Zwillingsschwestern lassen erahnen, warum dem so ist. Siu-ho lernt nach und nach mehr Bewohner kennen und entdeckt bald die Hintergründe. Nachbar Yau ist zum Beispiel einer der letzten Vampirjäger, die nach dem Sieg der Menschen über jene blutsaugenden Kreaturen eigentlich keine Aufgabe mehr haben. Doch als der alte Tung unglücklich im Treppenhaus stürzt, kann seine liebende Ehefrau den drohenden Verlust nicht verkraften und entschließt sich, ihn einer mystischen Wiedererweckungszeremonie zu unterziehen. Die ist aber gefährlich und das Risiko, dass am Ende nicht Tung, sondern ein gefährlicher Vampir aufersteht, immens groß. Es kommt, wie es kommen muss, Yau und Siu-ho sehen sich einem gefährlichen Feind gegenüber, der zu allem Überfluss auch noch „geistlichen Beistand“ hat…

    Effekte stark, Story zuweilen wirr

    Wie eingangs erwähnt, kann es zuweilen befremdlich wirken, dass man erst mal in eine Situation hineingeworfen wird, die dann auch konsequent ihren Gang geht, ohne, dass man begreift, was eigentlich gerade passiert oder warum. Insbesondere die erste halbe Stunde von Rigor Mortis hat eine Reihe solcher Momente, in denen der Film mit dem Risiko spielt, dass sich der Zuschauer vom Geschehen distanziert. Am liebsten hat man eine klare Vorstellung von Charakteren und Motiven, aber das bekommt man hier nur etappenweise und meist erst im späteren Verlauf erklärt. Wer Geduld mitbringt, sich entsprechend anzupassen und solch unklare Momente erst mal nur auf sich wirken zu lassen, der wird am Ende aber auch größtenteils durchblicken, was Sache ist. Im Prinzip werden hier nämlich zwei Handlungsstränge verfolgt, die sich später überlappen. Der erste beschäftigt sich mit der Geisterthematik rund um die zwei toten Schwestern, der andere um die Wiedererweckung des toten Mannes. Dass das dann gegen Ende zu einer bedrohlichen Kombination wird, ist da fast zwangsläufig. Es mangelt hier jedoch etwas an der Ausarbeitung der Figur des Siu-ho. Nach seiner Vorstellung am Anfang des Films, die mit einem lauten Knall beginnt, dümpelt er selbst ein bisschen dahin und es wird nicht so richtig ersichtlich, ob er nun der Held des Ganzen ist, denn eigentlich wird (auch in der offiziellen Inhaltsangabe) der alte Vampirjäger Yau als der Hauptprotagonist dargestellt. Er ist eigentlich auch der interessantere der beiden Männer. Hier hat man sich nicht klar entschieden, wer beim Zuschauer nun als Nummer 1 zu gelten hat, was etwas das Mitfiebern erschwert.

    Wen solche inhaltlichen Stolpersteine nicht so tangieren, der sei nun auf die optischen Pluspunkte des Films hingewiesen und die sind zahlreich. Die Effekte sind hervorragend, egal, ob in Zeitlupe oder Realgeschwindigkeit, hier war offensichtlich Budget vorhanden und man verwendete es, um einen düsteren Malstrom aus Kampfszenen und Geistereffekten zu erschaffen, der Eindruck hinterlässt. Dabei ist das düstere Werk bisweilen überraschend brutal geraten. Die ab 16-Freigabe, die die FSK erteilte (das rote 18er-Siegel auf dem Cover stammt von Trailern, nicht vom Hauptfilm), war wohl begünstigt durch den Umstand, dass der Kontext so sehr in Fantasy eingebettet ist, dass es abmildernd wirkt. Für manche mag das aber auch ein Interessensaspekt sein und er dürfte die durchschnittlichen Ansprüche wohl erfüllen.

    Fazit

    Rigor Mortis ist ein visuell beeindruckender Fantasymix mit guten Effekten, der vom Zuschauer aber auch die Bereitschaft einfordert, sich auf die Erzählweise einzulassen und kleinere Schwächen zu verzeihen. Erwartet man einen realistischen Plot, ist man hier falsch. Mag man Geister und Mystik, kann man einen Blick wagen.

    Wertung


    Pro

    • tolle Effekte
    • düstere Optik und Atmosphäre

    Contra

    • Erzählweise gewöhnungsbedürftig
    • lückenhafte Charaktere

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme, Horror
    von Roman Beele 7.Apr.2014 2.909 x gelesen