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    Episodenfilme sind sicherlich keine neue Erfindung und erfreuen sich vor allem im Horrorbereich einer gewissen Beliebtheit. Unzählige Spielfilme haben das Problem, dass ihre zentrale Idee einfach nicht genug Substanz hat, um auf 90 Minuten aufgeblasen zu werden. Das Kurzfilmformat bietet da einen Ausweg, der aber natürlich nicht garantiert, dass die Qualität stets hoch ist. So war die Horror-Anthologie V/H/S aus dem Jahre 2011 dann auch ein durchaus interessantes, aber zweischneidiges Schwert, weil nicht alle Episoden überzeugen konnten. Man durfte also gespannt sein, was V/H/S 2, der in deutschsprachigen Gefilden unter dem Titel S-VHS nur in einer geschnittenen FSK-Fassung und ungekürzt als ungeprüfte Version auf den Markt kommt, besser macht.

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    (c) Sunflim
    Laufzeit: 86 Minuten
    ab 07.11.2013 im Handel
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    Videosammlung des Grauens

    Zwei private Ermittler suchen nach einem vermissten Studenten und brechen dafür in dessen Haus ein, wo sie eine Sammlung von VHS-Videokassetten finden. Als sie den furchtbaren Inhalt auf den Bändern sichten, erkennen sie schnell, dass hinter dem Verschwinden des Studenten düstere Motive stecken könnten …

    Stimmungsvoll dosierter Albtraumtrip durch die Welt des Episodenhorrors

    Die vier Kurzfilme könnten unterschiedlicher kaum sein. Abgesehen von der – wie beim Vorgänger – relativ unbedeutenden Rahmenhandlung, wird der Anfang mit einer Episode gemacht, die von paranormalen Erscheinungen handelt, die einen Patienten heimsuchen, der ein hochtechnisiertes, künstliches Auge eingesetzt bekam. Ein paar gruselige Schreckmomente gibt es hier zu sehen, jedoch ist das wohl insgesamt eher ein Segment zum Reinkommen in das Werk. Schon deutlich interessanter wird es bei „A Ride in the Park“, wo man einem Outdoor-Radfahrer folgt, wie er am helllichten Tag von einem Zombie gebissen wird und sich daraufhin selbst in einen verwandelt. Das alles wird eingefangen von der Helmkamera und macht enorm Laune. Dieses First-Person-Element hat es im ansonsten reichlich ausgelutschten Zombiegenre so noch nicht oft (wenn überhaupt) gegeben. Inszeniert vom Blair Witch Project-Regisseur Eduardo Sanchéz, gibt es hier schon reichlich blutige Effekte zu sehen, die teilweise sogar mit einer Prise Humor versehen wurden. Ein wirklich gelungener Beitrag, der jedoch keine Chance hat gegen „Safe Haven“ vom Regisseur-Duo Gareth Evans/Timo Tjahjanto (The Raid, Macabre). Hier wird einem Kamerateam von einem Sektenführer Einlass in sein Anwesen gewährt. Ziel ist es eigentlich, eine Dokumentation zu drehen, doch natürlich verfolgt der Kult andere Pläne. Hier weiß man von Anfang an, dass den Protagonisten ein okkultes Schicksal auflauert, doch wie sich das letztendlich entfaltet, ist enorm atmosphärisch und mit so viel Mut zum Unkonventionellen umgesetzt worden, dass S-VHS in seiner Gesamtheit vor allem mit diesem Segment in die Genrespitze katapultiert wird. Es ist nicht nur gruselig, sondern wird auch von Minute zu Minute absurder und zeigt eine gnadenlose Brutalität, die auch den Großteil der Zensuren bei der arg gerupften, deutschen FSK 18-Fassung ausmacht.

    Dass man das nicht mehr toppen konnte, war den Organisatoren des Projekts sicher auch bewusst, weshalb es eine clevere Entscheidung war, mit der „Slumber Party Alien Abduction“ eine stimmungsvolle Auflockerung zu bieten, die zunächst eine Gruppe von Kids beim Herumalbern zeigt und dann ihre Flucht vor einer unerwarteten Alien-Entführung begleitet. Es verschafft einen Ausklang, der die blutigen Exzesse zuvor etwas abfedert, aber trotzdem nicht signifikant abfällt, weil er einfach thematisch so anders ist. Natürlich darf man auf technischer Seite keinen gesteigerten Wert auf Hochglanzoptik legen. Die namensgebende Videokassette bringt eben Bildfehler, Verunreinigungen und grobkörnige Optik mit. Zudem garantiert der Handkamerastil oft hektisch-verwackelte Bildbewegungen, die vielleicht nicht jedermanns Sache sind. Immerhin hat die Renaissance des Grindhouse-Genres die Akzeptanz der Masse für derartige Stilelemente in den letzten Jahren nachhaltig beeinflusst. Und am Ende entscheidet dann ja doch immer noch die inhaltliche Qualität des Ganzen.

    Fazit

    S-VHS stellt eine deutliche Steigerung zum auch nicht grundsätzlich schlechten V/H/S dar, weil alles eine Stufe professioneller wirkt und wohl auch mehr Budget vorhanden war. Die Episoden sind nicht alle gleich stark, aber insgesamt ergibt sich ein Mix, der enorm unterhält. Sollte es Überlegungen für weitere Teile geben und man in der Lage sein, dieses Level zu halten, kann man ein mögliches Franchise nur willkommen heißen.

    Wertung


    Pro

    • thematisch ausgewogener Mix
    • A Ride in the Park und Safe Haven
    • Einfallsreichtum
    • kompromisslose Inszenierung

    Contra

    • Allenfalls zweckdienliche Rahmenhandlung
    • FSK-Fassung ist um ca. 6 Minuten geschnitten!

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Fantasy, Filme, Horror
    von Roman Beele 18.Nov.2013 1.271 x gelesen