• Werbung

  •  
    Anmelden

    Das Rape’n’Revenge-Genre umwehte schon in seiner Anfangszeit der Geruch des Skandalfilms. So richtig auf den Radar kam es mit Wes Cravens „Last House on the Left“ und Meir Zarchis nicht minder bekanntem Schocker „I spit on your Grave“. Jene Werke bekamen innerhalb der letzten 5 Jahre dann auch moderne Neuinterpretationen, die sich dem Ganzen noch deutlich graphischer widmen. Und auch der Low Budget-Sektor bringt immer wieder Beiträge hervor, die sich zumeist in ihrer inszenatorischen Drastik überbieten wollen und wenig bemüht sind, das Ganze auch cineastisch irgendwie gehaltvoll darzustellen. Generell ist Vergewaltigung ein unangenehmes Thema, das gesellschaftlich zurecht geächtet wird. Es ist auch der Teil dieser Filmrichtung, der dem Großteil des Publikums kein Vergnügen bereitet, aber ironischerweise den Weg ebnet für die Genugtuung, die man (dem Grundrezepts dieser Storykombination zufolge) empfinden soll, wenn die geschändete Frau sich im Anschluss gnadenlos an ihren Peinigern möglichst brutal und gnadenlos rächt.
    Inmitten all der prominenten und/oder extremen Vertreter dieser Gattung steht jetzt plötzlich Savaged. Und er hat tatsächlich einen Weg gefunden, der ihn vom Rest abhebt.

    savaged_cover

    (c) Ascot Elite
    Regie: Michael Ojeda
    Laufzeit: 94/95 Minuten (FSK18/Uncut)
    ab 15.04.14 erhältlich
    Bei Amazon bestellen

    Zoe und die Indianer

    Die hübsche Zoe macht sich auf den Weg durch die texanische Wüste, um zu ihrem Verlobten zu fahren, der sie schon freudig erwartet. Doch auf ihrer Reise wird sie Zeugin, wie rassistische Rednecks zwei Indianer brutal ermorden. Offensichtlich herrscht für sie immer noch der Kampf zwischen Apachen und der US-Armee und sie wollen den Kampf ihrer Vorfahren am Leben erhalten. Dass Zoe das dummerweise mitbekommt und gar versucht, einen der Verfolgten zu retten, macht sie nicht gerade beliebter bei den bösen Jungs, die sie anschießen und in einem Schuppen auf ihrem Anwesen fesseln und einsperren. Die taube Zoe kann sich auch nicht wirklich verständlich ausdrücken, was ihren Aufenthalt dort nicht gerade erleichtert. Die sadistischen Männer vergewaltigen Zoe und wollen sie als eine Art Sklavin halten. Doch Zoes Verlobter kommt in den Ort und stellt Fragen. Bevor also am Ende noch die Medien den Fall aufgreifen, wird sie erstochen und im Wüstensand verscharrt.

    Als es gerade so aussieht, als kämen die Übeltäter mit ihrem Verbrechen davon, entdeckt ein indianischer Hexenmeister Zoes Leiche und erweckt sie mit einem Zauber zum Leben. Dabei schlägt das Ritual aber teilweise fehl, denn neben Zoes Seele fährt auch der rachsüchtige Geist eines vor 100 Jahren ermordeten Apachen-Häuptlings in ihren Körper ein und benutzt Zoe als Wirtskörper, um sich grausam an den Nachfahren des Mannes zu rächen, der ihn damals betrogen und getötet hat. Und, wie der Zufall es will, sind eben jene Peiniger von Zoe diese Nachfahren. Mit dämonischer Rachsucht und trotz rapide voranschreitender Verwesung mit übernatürlicher Widerstandsfähigkeit ausgestattet, begibt sie sich auf einen brutalen Vergeltungsfeldzug, bei dem sie keine Gnade kennt …

    Das Grundkonzept mit frischen Ideen aufgelockert

    Im Gegensatz zu I Spit on Your Grave 2, dass in seiner ungeschnittenen Fassung derzeit wohl die Obergrenze des Zumutbaren darstellt, spart man den Rape-Part in Savaged dies fast gänzlich aus. Indem man den Plot um den alten Apachengeist bereicherte, der sich aus ganz anderen Motiven an Zoes Peinigern rächen will, gelingt es, aus dem starren Baukasten des Genres auszubrechen. Dass Zoes Körper dabei immer weiter zerfällt, ist ein netter Randaspekt, der alles nicht so bitterernst erscheinen lässt und es in eine übersinnliche Richtung zieht, ohne jedoch zu strange zu werden. Und zuletzt darf man positiv anrechnen, dass mit Zoes Freund auch eine Figur in die Story genommen wurde, die ihr nebenbei noch eine Liebesgeschichte als Facette hinzufügt.

    Sollte man jetzt den Eindruck bekommen, dass das alles etwas überladen wirkt, dann kann man sich beruhigt zurücklehnen. Savaged legt den Fokus ganz klar darauf, dass Zoe brutale Rache an den Männern nimmt, die für ihr Martyrium verantwortlich sind. Und das tut sie durch ihr übernatürliches Upgrade auch sehr zielführend und abwechslungsreich. Splattereinlagen wechseln sich ab mit den klassischen Indianerwaffen wie Pfeilen und Tomahawks und müssen sich in Sachen Härte nicht vor Genrekollegen verstecken. Nicht umsonst verweigerte die FSK der ungekürzten Fassung ihre Freigabe und ließ sich nur nach Schnitten die rote 18 aus den Rippen leiern. Ungeschnitten gibt es Savaged nur mit SPIO/JK-Siegel (entsprechend mit „uncut“ auf dem Cover vermerkt). Und obgleich das Budget der Indieproduktion sehr niedrig war, sieht man diesen Umstand weder an der Optik, noch übermäßig deutlich an der Qualität der eingesetzten Effekte. Gespart hat man wohl vor allem dank des Wüstensettings, das aber insbesondere aufgrund der Indianerthematik wieder perfekt passt. Die Hauptdarstellerin Amanda Adrienne ist eigentlich nicht taub wie ihr Filmcharakter, stellt dies aber trotzdem überzeugend dar und schafft auch ansonsten die zerbrechliche und kämpferische Seite von Zoe überzeugend zu verkörpern. Die Bösewichter sind schön schmierig und hassenswert und so soll es ja auch sein.

    Fazit

    Die Macher von Savaged haben sich das Genre zuvor offensichtlich gründlich angeschaut und dann entschieden, dass sie nicht in die altbekannten Muster verfallen wollen. Stattdessen wurde geschickt angereichert und mit einem Fantasyelement die Auflockerung verschafft, die bitter nötig war. Die Geschichte an sich bleibt zwar simpel, bietet jedoch einen enormen Unterhaltungswert. Die Rachephase ist weiterhin gnadenlos, aber man schickt den Zuschauer nicht so sehr durch das filmische Martyrium, das bislang als Grundvoraussetzung für derlei Filme galt. So hat Savaged auch das Potential, des Öfteren mal wieder in den Player geworfen zu werden. Hat er Erfolg, deutete der Regisseur schon Teil 2 an. Man kann nur hoffen, dass es so kommt.

    Wertung


    Pro

    • übernatürliches Element bringt frischen Wind
    • wohltuend kurz gehaltener "Rape-Part"
    • knüppelhart
    • Figuren haben etwas mehr Substanz

    Contra

    • Vorsicht vor der FSK 18-Fassung, die ist geschnitten

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

    Klicke für mehr zum Thema , , , ,

    Kategorien: Filme, Horror
    von Roman Beele 10.Apr.2014 2.070 x gelesen