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    Mit „Shrew’s Nest“ (zu Deutsch: Spitzmaus-Bau) kommt ein weiterer Vertreter des modernen spanischen Kinos nach Deutschland. Alex de la Iglesia (Mad Circus) fungiert zwar hier nur als Produzent, aber der Psychothriller erfüllt dennoch die Erwartungen.

    shrewsnest_cover

    (c) Edel
    Regie: Juanfer Andrés, Esteban Roel
    Laufzeit: 88 Minuten
    ab 08.01.2015 im Handel
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    In der Wohnung eingesperrt
    Spanien in den 50er Jahren: Montse lebt mit ihrer viel jüngeren, gerade 18 gewordenen Schwester in einer Wohnung, die sie seit Jahren nicht mehr verlassen hat, denn sie leidet an Agoraphobie. Schon ein Schritt in den Hausflur ist für die tiefgläubige Frau ein Ding der Unmöglichkeit. Doch sie hat sich mit diesem Leben arrangiert und verdient ihren Lebensunterhalt als Schneiderin, ihre Kundinnen kommen zu ihr ins Haus. Mit Argusaugen üüberwacht sie die Entwicklung ihrer kleinen Schwester, die sie versucht, von Männern fernzuhalten.
    Als der Nachbar aus der Wohnung über ihr auf der Treppe stürzt, sich das Bein bricht und genau vor der Wohnungstür liegen bleibt, beschließt Montse ihn in der Wohnung aufzunehmen. Der ungewohnte Kontakt zu einem Mann und dessen Freundlichkeit, beschwören eine Katastrophe herauf.

    Wenngleich Shrew’s Nest hier und da als Horrorfilm angepriesen wird und das Cover auch in diese Richtung deutet, ist es viel mehr ein klassischer Psychothriller. Früh wird deutlich, dass Montse über ihre Agoraphobie hinaus eine schwer gestörte Persönlichkeit ist, was Hauptdarstellerin Macarena Gómez in Mimik und Körpersprache sehr gut zum Ausdruck bringt. Als Zuschauer schwankt man wie Montses Schwester zwischen Mitleid um und Angst vor Montse, die rasch zwischen unsicherer Unterwürfigkeit und bedrohlichem Wahnsinn wechseln kann. In Verbindung mit der engen, verwinkelten Wohnung sorgt dies zunehmend für ein klaustrophobisches Gefühl beim Zuschauer.

    Im weiteren Verlauf schaukelt sich das Drama in der Wohnung immer weiter auf und wir erfahren nach und nach, wieso Montse ihre psychischen Störungen entwickelte. Hier ist der Film – zumindest für versierte Zuschauer – leider nicht immer so überraschend, wie wohl geplant, das ist – neben dem etwas unbefriedigenden Ende – aber auch der einzige Kritikpunkt an diesem atmosphärisch dichten Kammerspiel. Gore-Fans sollten allerdings ihre Erwartungen zurückschrauben: Auch wenn viel Blut im Spiel ist, wird die Gewalt nur selten plakativ dargestellt.

    Fazit

    Shrew's Nest ist ein klaustrophobischer, sehr gut gespielter Psychothriller in der Tradition von Brian die Palma und Alfred Hitchcock. Gerade Fans von deren Filmen sollten sich dieses spanische Kleinod nicht entgehen lassen.

    Wertung


    Pro

    • hervorragende Hauptdarstellerin
    • sehr dichte, beklemmende Atmosphäre

    Contra

    • Geheimnisse etwas zu vorhersehbar
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    Kategorien: Filme, Horror
    von Jörg Benne 30.Dez.2015 3.322 x gelesen