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    „Unheilverkündend“, „düster und bedrohlich“ oder „teuflisch“. Das sind ein paar der möglichen deutschen Übersetzungen für den Ausdruck „sinister“. Der hier besprochene Film trägt genau diesen Titel und bietet mit Ethan Hawke auch noch einen Könner seines Fachs als Frontmann auf. In dem seit ein paar Jahren wieder boomenden Geistergenre ist es mittlerweile gar nicht mehr so leicht, noch wirklich neue Akzente zu setzen. Oft gibt man sich mit dem Recyceln von bekannten Versatzstücken zufrieden. Kann Sinister sich hier absetzen?

    sinister_cover

    USA 2012
    © Universal Pictures
    Regie: Scott Derrickson
    Laufzeit: 101 Minuten
    DVD/Blu-Ray ab 11. Juli 2013
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    Die Jagd nach dem Bestseller

    Der Schriftsteller Ellison Oswalt (Ethan Hawke) schreibt Bücher über wahre Verbrechen. Verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Erfolg, zieht Ellison mit Frau und Kindern in eine Kleinstadt in Pennsylvania, wo vor Jahren ein Massaker geschah, das bis heute nicht aufgeklärt ist. Dass ihr neues Heim das Haus der Ermordeten ist, verschweigt der Autor seiner Familie. Seine Nachforschungen stoßen beim Sheriff auf wenig Gegenliebe. Auch bei der eigenen Familie kriselt es. Seine Frau Tracy (Juliet Rylance) hat die ewigen Umzüge satt. Der 12-jährige Trevor (Michael Hall D’Addario) wird von Albträumen geplagt und die kleine Ashley (Clare Foley) vermisst einfach ihr altes Haus. Auf dem Dachboden findet Ellison eine Kiste mit alten Super 8-Filmen, die neben harmlosen Familienaufnahmen auch verstörende Mordszenen enthalten. Da die Polizei sich für die neuen Spuren nicht interessiert, ermittelt Oswalt auf eigene Faust. Je mehr sich der Autor mit den geheimnisvollen Bildern beschäftigt, desto mehr beginnt er an seinem Verstand zu zweifeln. Zudem scheinen übernatürliche Mächte plötzlich in sein Haus eingekehrt zu sein und von seiner Familie Besitz zu ergreifen.

    Halb Krimi, halb Geisterfilm

    Wenn man an das Thema der Snuff-Filme denkt, kommt einem sofort der Nicolas Cage-Thriller 8 Millimeter in den Sinn. Der hat mittlerweile satte 15 Jahre auf dem Buckel und ist in Sachen düsterer Atmosphäre immer noch in der Spitze anzusiedeln. Mal abgesehen von dem einen oder anderen eher minderwertigen Videothekenslasher wurde dieser Stoff also lange nicht mehr so bedrohlich inszeniert. Sinister geht einen ähnlichen Weg. Zwar macht er keinen Gebrauch von Locationwechseln und vielen Darstellern, da sich alles im neuen Wohnhaus der Oswalts abspielt, doch die Ausschnitte aus den „Homevideos“ sind so grausig, dass sich die Nackenhaare aufstellen. Man lässt den unheimlichen Details im weiteren Verlauf der Recherchen Zeit, um sie wirken zu lassen und sorgt so für eine wachsende Drohkulisse, ohne sich alle 5 Minuten auf das oft bewährte Mittel der lauten Schockeffekte zu verlassen. Den einen oder anderen gibt es zwar auch hier, aber generell war den Machern wohl daran gelegen, dass der Zuschauer nicht zu sehr aus dem sich entwickelnden Geschehen geworfen wird.

    Da der Film, wie schon erwähnt, über weite Strecken nur im Haus der zuvor ermordeten Familie stattfindet und sich der Fokus nahezu ausschließlich auf die Recherchen von Ellison und das Zusammenleben der Familie richtet, spielt natürlich auch die schauspielerische Leistung eine größere Rolle. Für Schauspielveteran Ethan Hawke ist dieses Genre Neuland, doch seiner Performance des Familienvaters, der jahrelange Erfahrung mit dem Eintauchen in menschliche Abgründe hat, anhand der gruseligen Mordfälle und mysteriösen Vorfälle aber langsam immer mehr an seinem Verstand zweifelt, tut das keinen Abbruch. Hawke und die restlichen Akteure machen eine gute und glaubwürdige Figur.

    Die hier schon beschworene Atmosphäre wird neben dem Schauspiel vor allem aber auch durch die Soundkulisse hervorgerufen. Das sind hier gar nicht mal so sehr die für jeden Geisterfilm unabdingbaren Geräusche von zuknallenden Türen und Schritten in anderen Teilen des Hauses, sondern insbesondere auch der Soundtrack, der die Wirkung zahlreicher Momente spürbar intensiviert. Auf optische Effekte wurde nicht allzu häufig zurückgegriffen, was nur ein weiterer Beleg dafür ist, dass der Film wesentlich geerdeter ist als manche Genrekollegen und daher umfangreichen Gebrauch von CGI-Eskapaden gar nicht nötig hat, um seine Geschichte zu erzählen.

    Fazit

    Sinister ist ein enorm atmosphärischer Thriller, der seine Spannung schleichend und wohl dosiert aufbaut. Besonders imponiert, dass man nicht sofort mit Geisterelementen um die Ecke kommt, sondern auch hiermit zunächst recht sparsam umgeht. In der Tat wirkt der Film zunächst weitaus mehr wie ein düsterer Krimi über Recherchen im Milieu der okkulten Ritualmorde, der erst im letzten Filmdrittel so richtig in die paranormale Richtung geht. Wer also mit lupenreinen Geisterfilmen an sich nicht so warm wird, der hat hier einen Vertreter, der das Ganze bekömmlicher vermischt und am Ende sogar noch einen schönen Twist zu bieten hat. Empfehlenswert.

    Wertung


    Pro

    • bedrohliche, dichte Atmosphäre
    • wirkt lange wie ein Crime-Thriller
    • starke Darstellerleistungen

    Contra

    • nichts Nennenswertes

    Hinweis: Für diese Rezension wurde uns vom Hersteller/Verleih/Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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    Kategorien: Filme, Horror
    von Roman Beele 15.Jul.2013 1.689 x gelesen