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Die Comicverfilmung Snowpiercer machte vor Erscheinen vor allem dadurch Schlagzeilen, dass Produzent Harvey Weinstein verkündete, der Film sei für den Durchschnittsamerikaner „zu intelligent“ und müsse stark gekürzt werden. Damit setzte er sich zwar nicht durch, dafür kam der Film aber nur in wenige Kinos, auch hierzulande spielte er keine Rolle. Also wirklich zu verkopft?

Statt Erderwärmung globaler Frost
Um die Erderwärmung aufzuhalten wurde ein Mittel in die Atmosphäre gebracht, dass den Effekt rückgängig machen sollte. Dabei schoss man aber weit über das Ziel hinaus, die ganze Erde fror ein. Die letzten Überlebenden der Menschheit rasen in einem hochtechnisierten Zug durch die Welt. Die Ärmsten hausen dabei am Ende des Zuges unter erbärmlichen Bedingungen. Widerstand regt sich, angeführt von Curtis (Chris Evans) wollen einige Aufständler sich bis zur Lok durchkämpfen und die Kontrolle über den Zug übernehmen.

Snowpiercer ist vordergründig ein dystopischer Actionfilm, hat aber auch einiges für’s Hirn zu bieten. So ist der Zug ein Sinnbild für unsere Gesellschaft, in der wenige Reiche viele Arme ausbeuten und ihnen allenfalls Brotkrumen zum Überleben lassen. Dieses System für immer am Laufen zu halten, ist die oberste Maxime, koste es was es wolle. Dazu werden schon die Kinder indoktriniert und die Bevölkerung mit drakonischen Strafen auf Linie gezwungen.
Man sollte dabei nicht den Fehler machen, hier eine bis ins Detail logische Zukunftsvision serviert haben zu wollen. Die Geschichte ist eine Parabel, die vor allem uns im Westen den Spiegel vorhält, basiert unser Wohlstand doch hauptsächlich auf der Ausbeutung der dritten Welt.

Das kling verkopft, aber – und das ist das wirklich bemerkenswerte an dem Film – das ist es nicht. Bei allem Hintersinn ist Snowpiercer vor allem ein gelungener Actionfilm, der durch das klaustrophobisch-düstere Setting und die kunstvolle Inszenierung von Joon-ho Bong (The Host) einige außergewöhnliche Kampfszenen zu bieten hat. Dazu ist der Film abwechslungsreicher, als man erwartet. Nicht nur, dass die Waggons sich in ihrem Design sehr stark unterscheiden, auch die Geschichte hat einige Wendungen und Überraschungen parat. Eine davon ist sicher die total überzeichnete Figur der Ministerin Mason (großartig: Tilda Swinton) oder auch die Klassenraum-Szene. Hier fordert der Regisseur den Zuschauer mit einem plötzlichen Wechsel des Tonfalls heraus. Das ist mutig und wird aber nicht jedem gefallen, denn die Szenen sind dermaßen ins karikative gesteigert, dass sie die ansonsten düstere Stimmung merklich durchbrechen.

Der übrige Cast, allen voran Ed Harris und John Hurt, spielen ebenfalls mit viel Lust und Überzeugung und auch Chris Evans (Captain America) zeigt, dass er mehr als Muskeln und Sonnyboy-Image zu bieten hat. Kritisieren muss man allenfalls die Computereffekte. Der vorbeibrausenden Schneelandschaft sieht man ihre CGI-Herkunft allzu sehr an, hier reichte das Budget wohl nicht aus.

Leider hatte Produzent Harvey Weinstein recht, für die Masse war der Film wohl wirklich zu intelligent. Zwar machte der Film Gewinn, spielte seine Einnahmen aber vor allem in Asien ein, im Westen verbuchte der Film einzig in Frankreich (aus dem Land stammt die Comicvorlage) nennenswerte Einnahmen. Ein Armutszeugnis für unsere Kinolandschaft.

Fazit

Snowpiercer ist Science-Fiction wie sie sein sollte. Spannende Action paart sich mit Gesellschaftskritik, kunstvolle Inszenierung trifft auf beeindruckende Kampfszenen. Sicher, das Szenario ist nicht wirklich bis ins Detail zuendegedacht, aber nachdenken sollte man lieber über das, was der Film uns über unsere heutige Gesellschaft erzählt. Actionkino, das zum Nachdenken anregt, statt uns das Hirn abschalten zu lassen. Mehr davon!!

Wertung


Pro

  • bedrückende, klaustrophobische Zukunftsvision
  • gelungene Parabel auf unsere Gesellschaft
  • Action und Stoff für's Hirn gleichermaßen
  • kunstvolle Inszenierung

Contra

  • atmosphärischer Bruch durch satirische Szenen etwas zu stark
  • zum Teil schwache CGI-Effekte
Kategorien: Filme, Science-Fiction
von Jörg Benne 11.Sep.2014 2.136 x gelesen

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Snowpiercer
Publisher Ascot Elite
Regie Bong Joon-Ho
Genre Action
Länge126 Minuten
Altersfreigabeab 16 Jahren
Weitere Infos
Termine
DVD/Blu-Ray23.09.2014 Kaufen
Kino03.04.2014
 

Artikel

Deutscher Trailer zu Snowpiercer

vom 18.Feb.2014 0 Kommentare